Cordoba-Part 5

YYYYYHAAAAA! Ich hab's geschafft ! Gestern wurde ich ganz offiziell aus dem Gefaengnis entlassen (...fuer NeuleserInnen: "Gefaengnis" ist eine Metapher!). Ich kann meine wiedergewonnene Freiheit kaum fassen! Das Gras scheint mir etwas gruener, die Sonne einwenig heller und die Luft klarer zu sein (Ok, ich geb's zu, das war jetzt etwas uebertrieben...). Aber was fuer eine Zangengeburt (...fuer nicht so wortgewandte LeserInnen: auch "Zangengeburt" ist eine Metapher!)! Hier die wichtigsten Ereignisse der letzten Arbeits(halb)woche (...sprich: 12 Stunden, 3 Tage oder gefuehlte 48 Wochen...):

Nachdem ich Marita, meine "Chefin" vor Ort, etwa 367mal nach dem versprochenen Geld fuer die Farben gefragt, 96 verschiedene Ausreden und 271 leere Versprechungen gehoert und 541 Stunden vergeblich darauf gewartet hatte (...alle Zahlen sind lediglich Schaetzungen und ohne Gewaehr...), glaubte sogar ich nicht mehr an ein "Geldwunder". Ich musste mir folglich ueber das vergangene Wochenende ernsthaft ueberlegen, ob ich das Geld aus der eigenen Tasche sponsern oder ob ich die Wand unfertig zuruecklassen sollte (Ich bin mir sicher, dass das Kreidegekritzel unter "moderne Kunst" eingeordnet haette werden koennen...). Nach langem Hin und Her entschied ich mich dann doch fuer ersteres: Ich wollte meine Arbeit hier (...und wenn es nur fuer mich ist!) sinnvoll beenden und etwas Bleibendes hinterlassen.

So packte ich am Montagmorgen einen der Jungs an der Hand, erklaerte einem Angestellten, dass ich nicht mehr laenger auf die Farben warten koenne und diese nun mit dem Jungen zusammen (...der kam freiwillig mit! Ehrlich!)kaufen ginge. Eine halbe Stunde spaeter (...und rund 150 Pesos leichter...) kehrte ich ins Heim zurueck und legte, zusammen mit ein paar freiwilligen Insassen... aeh, Helfern..., los. Marita, die inzwischen auch zur Arbeit erschienen war, ging mir an jenem und auch am folgenden Tag aus dem Weg (...was ich mir noch schwierig vorstelle, da ihr Buero gleich gegenueber von der zu bemalenden Wand liegt...), was mir so ziemlich egal war. Denn ich wusste bereits nach diesem Tag, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Die Jungs (...und natuerlich auch ich!) hatten Spass am Malen und das Zwischenresultat sah bereits toll aus (...meine bemalten Arme und Beine auch!).

Doch spaeter an diesem Tag wurde meine Geduld nochmals arg auf die Probe gestellt! Am Abend bemerkte ich naemlich, dass mein Portemonnaie (...fuer alle Lehrer: Ich verweigere BEWUSST die neue Rechtschreiberegel fuer "Geldbeutel"!) aus meiner Tasche gestohlen worden war! Alle anderen Gegenstaende, wie meine Fotokamera, das I-Phone, Kleidungsstuecke und Frauensachen (...Details erspare ich euch an dieser Stelle...), waren aber nach wie vor vorhanden. Nach einigen Ueberlegungen kam ich zum Schluss, dass meine Geldboerse mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit im Heim "abhanden" gekommen sein musste, was mich  (...und das ist noch milde ausgedrueckt...) wuetend machte!!! Anscheinend wollte mir jemand auf diese Art und Weise dafuer danken, dass ich die letzten 10 Wochen unbezahlt die Arbeit fuer andere erledigt hatte, mir dabei zusaetzlich viel Mist anhoeren und mitansehen musste und am drittletzten Tag die laengst versprochene Farbe aus der eigenen Tasche bezahlt hatte. Was fuer ein Finale (...das war jetzt aeusserst ironisch gemeint...)! Mein erster Gedanke (...nach 15-minuetigem Fluchen...) war der, dass die sich meine Farbe in den A.....ZENSUUUUUUR.... stecken konnten und ich meine Arbeit fruehzeitig beenden wuerde. Etwas spaeter realisierte ich dann aber, dass ich die Schuld einer einzelnen Person wohl nicht auf alle anderen uebertragen konnte (...Lehrersemi laesst gruessen...). Ausserdem wusste ich ja nicht, ob ein Junge oder einer meiner flotten Mitarbeiter der "Taeter" war und die 5-prozentige Wahrscheinlichkeit (...laeck, bin ich gut im Rechnen!) ist ja auch nicht ausser Acht zu lassen. Aus all diesen vernuenftigen Gruenden ging ich auch am Dienstag wieder zur Arbeit um zu beenden, was ich begonnen hatte.

Der letzte Arbeitstag brach an. Wie jeden Morgen startete der mit einem Becher Mate an einem der in die Jahre gekommenen Tische. Auch Marita war anwesend (...und fleissig am Tee trinken und Kuchen essen). Demonstrativ setzte ich mich neben sie und fragte, ob ich denn am folgenden Tag arbeiten muesse, da ja alle Jungs ueber die Feiertage irgendwo "versorgt" wurden. Ueberfreundlich und grosszuegig wie ich sie kennengelernt habe (...seeeeeehr ironische Bemerkung, aber ohne Ironie wuerde ich die Zeit hier wohl nicht ohne Knacks ueberstehen...), verneinte sie meine Frage und wandte sich wieder anderen (...fuer sie angenehmeren!) Gespraechspartnern zu. Daraufhin machte ich sie darauf aufmerksam, dass dies dann wohl mein letzter Arbeitstag sei, was sie in grosses Erstaunen versetzte ("Ahaaaaaa, du kommst naechste Woche nicht wieder?!). In den folgenden Stunden, als ich meine Arbeit an der Mauer beendete, ging sie dann einige Male an mir vorbei und lobte laut das Farbenwerk. Ich spielte, eher belustigt, das falsche Spiel mit und mir wurde gleichzeitig bewusst, dass sie von nun an jeden Tag an der Mauer vorbei gehen muss und dabei eventuell das eine oder andere Mal an die versprochenen 100Pesos denkt, die sie moeglicherweise in ein Assado (=Grillfest), Essen fuer die untaetigen Mitarbeiter oder in Weihnachtsgeschenke (...fuer wen auch immer...) investiert hatte. Das wissen auch ihre Angestellten, da ich mich mehr als einmal darueber beschwert hatte. Somit verliess ich, meiner Ansicht nach, als Siegerin das Feld .

 

Nun bin ich aber definitiv reif fuer die Insel... in meinem Fall fuer die Iguazu-Wasserfaelle an der brasilianischen Grenze! Dorthin werde ich naemlich vom 26. bis zum 30. Dezember mit einer Belgierin, namens Lies, reisen (...Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor ist gekauft!). Auch sie arbeitet fuer ProjectsAbroad und mit ihr hab ich mich in den letzten paar Wochen (...nach Claudia's und Sandrine's Heimreise *snif*...) angefreundet. Wir zwei zusammen werden morgen Abend (...wenn ihr zu Hause wohl fleissig am Singen seid ....) auch fuer eine andere Freiwilligenorganisation Essen an arme Leute verteilen (Ich glaube, nach diesem Aufenthalt hier habe ich genug soziales Zeugs fuer ein Jahr erledigt...). Mehr darueber weiss ich aber noch nicht so genau... Ich habe lediglich meine Arbeitszeiten und die Anweisung erhalten, dass ich pro Tisch nicht mehr als drei Flaschen Wein servieren darf, da die Kundschaft sehr trinkfreudig sein soll. Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden !

Nun wuensche ich euch allen ein gaaaaaaaanz schoenes Weihnachtsfest und entschuldige mich im Voraus schon mal bei allen, die eine Karte von mir erwarten!!! In diesem Jahr verschicke ich ausnahmsweise mal keine. Dies hat zwei Gruende (Nein, keiner davon hat mit Faulheit zu tun!): Erstens konnte ich hier keine anstaendigen Karten finden (...und wenn, dann mit viel glitzernd-rosa Plingpling ...) und zweitens denke ich, dass ich die Karten bereits im November haette abschicken muessen, damit sie VOR meiner Rueckkehr in der Schweiz eintreffen wuerden (...wenn ueberhaupt!). Deshalb wuensche ich euch ganz einfach auf diesem Weg ruhige und zufriedene Weihnachten (HOHOHOOOOOOOO!!!)!

 

23.12.10 22:15

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