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Cordoba-Part 3

Samichlaustag und die Haelfte meines Argentinienaufenthaltes ist vorueber! Von weihnachtlichem HOHOHO, TSCHINGTSCHINGTSCHING und TRALLALLA ist hier, bei 35 Grad, aber nicht geade viel zu spueren! Auch Weihnchtsbaeume habe ich bisher noch nicht gesichtet (Das gruene Irgendwas im Supermarkt zaehle ich jetzt mal nicht mit!). Aber ich habe mir sagen lassen, dass morgen Mittwoch wieder mal ein Feiertag (=freier Tag) ist, damit die Leute Zeit zum Schmuecken ihres Weihnachtsbaumes haben. Ich gehe deshalb davon aus (Achtung! Seeeeeehr sarkastische Bemerkung im Anflug!), dass ich mich am darauffolgenden Tag mit einem Buschmesser durch einen ganzen Jungel von glitzernden und funkelnden Weihnachtsbaeumen kaempfen muss um zur Arbeit zu gelangen!).

 

Ansonsten nimmt das Leben hier weiterhin seinen Lauf mit staendig wechselnden Stimmungsschwankungen. Hier ein paar Auszuege von den vergangenen zwei Wochen:

 

Vor gut einer Woche beschloss ich, mit rund 15  anderen Volunteers einen Fussballmatch im Stadion von Cordoba zu besuchen. Zwar hatte niemand von uns eine Ahnung, wer hier genau gegen wen spielt, das hielt uns aber nicht davon ab, in geschaetzten 20 Sprachen (...Claudia benutzt alleine schon ein Mix aus 10 Sprachen und Akzenten um sich mit uns zu unterhalten...) Schimpfwoerter Richtung Spielfeld zu werfen, was uns wiederum estaunte Blicke des vorwiegend einheimischen Publikums einbrachte (Diesem zufolge spielten an diesem Tag sowieso das Team "Puuuutooooo" gegen "Looooocoooooo"!). Nach einigen Spielminuten (...und ein paar boese Blicke spaeter...) fanden wir dann aber doch noch heraus, dass "unser" Team "Talleres" heisst und der Goalie in Pink zu "uns" gehoert (...no comment!). Der liess dann auch prompt das erste Goal in seine eigenen Maschen passieren (...wer erwartet auch etwas anderes von einem Mann in Pink?!), was uns beinahe dazu bewegte die Fronten zu wechseln. Doch das Ausharren auf den heimischen (...mit Vogelkacke bekleckertn...) Sitzen zahlte sich schlussendlich doch noch aus: "Wir" gewannen 5:1  

 

Dank den Geldern von Projects Abroad konnte ich mit der aus Holland angerueckten Verstaerkung (=Chans) und einigen Jungs (...meine MitarbeiterInnen arbeiteten nur, wenn ich Fotos schoss...) die Mauer im Innenhof des Kinderhims tatsaechich weiss grundieren, was mich in ein voruebergehendes Arbeitszwischenhoch versetzte. Im Anschluss skizzierten wir mit Kreide die Umrisse der Jungs in unterschidlichen Posen an die Wand und uns wurden 100 Pesos (=25 Fr) fur Farben versprochen... Das war vor drei Wochen!!! In der Zwischenzeit hoerte ich rund 264 verschiedene Ausreden, weshalb das Geld noch nicht eingetroffen ist. Da ich durchaus einen sturen Kopf haben kann (...liegt wohl in den Lutz'schen Genen...) gebe ich, bis das Geld den Weg in meine Haende findet, mein Geld lieber fuer Eis, Getraenke, Spiele und Suessigkeiten aus, als fuer die benoetigten Farben. Diese Dinge kann ich naemlich direkt den Jungs in die Haende druecken und koennen nicht in die Taschen der Angestellten gelangen (...welche fuer eine Arbeit bezahlt werden, die ICH gratis fuer sie verrichte...).

 

Vor wenigen Tagen habe ich eine 10-taegige Reise in den Sueden von Argentinien gebucht (Sueden heisst hier aber nicht SUEDlich warm, sondern SUEDpolarisch kalt!)! Begleiten werden mich zwei weitere Volunteers: eine 25-jaehrige Medizinstudentin aus Norwegen namens Christine und ein 18-jaehriger Schueler aus Holland (...dn hab also NICHT ich eingeladen!), der auf den Namen Wessel hoert ("Fuss, Wessel!" . Ein etwas merkwuerdiges Gespann, aber ich freu mich auf jeeeeden Fall schon riiiiiesig darauf!!! Los geht es am 3. Januar.

 

Letzte Woche, als ich zu einer Nachmittagschicht im Kinderheim antraben musste (Wiiiiieher!!!!), empfingen mich dort genervte Mitarbeiter- und angespannte Kindergesichter. Als fuenf Minuten spaeter dann auch noch die Polizei eintraf, machte ich mir ernsthaft Sorgen um meine Hanfplantage in meinem Zimmer (Hehehe, kleiner Scherz ). Es stellte sich heraus, dass kurz vor meiner Schicht fuenf der Jungs ueber das Dach geklettert und davongerannt waren (Ihr seht also, dass die Bezeichnung "Gefaengnis" nicht aus der Luft gegriffen ist...). Zwei der Ausreisser kamen am selben Tag noch von sich aus zurueck, die restlichen drei wurden am folgenden Tag von der Polizei zurueckgebracht (Die Strafe musste ich mir gluecklicherweise nicht mitansehen...). Die Folgen dieses Ausbruchs sind leider bis heute zu spueren: Keiner der Jungs (...und somit auch ich...) darf mehr einen Fuss vor die Tuer setzen, und die etwas Abwechslung bringenden Spaziergaenge in einem nahen Park oder zum Fluss fallen weg.

 

Falls ich den Beruf Lehrerin mal an den Nagel haengen sollte (...aus welchen Gruenden auch immer!), dann mache ich mich selbstaendig als T-Shirt-Haendlerin. In meiner Freizeit helfe ich naemlich Ines, die zusaetzlich einen kleinen Shop Downtown betreibt, Ideen fuer ihre T-Shirt-Kreationen zu finden und umzusetzen, was mir grossen Spass macht. Die Verkaufsquote meiner Eigenkreationen kenne ich jedoch nicht... . 

 Als ich letzte Woche mit drei meiner Knastis... aeh, Jungs aus dem Kinderheim... in den nahegelegenen Park gehen wollte (..damals durfte ich das noch...) um Fussball zu spielen, wurde ich Ohrenzeugin (...nicht zu verwechseln mit Augenzeugin...) eines Unfalls: Ein Arbeiter, der die Strasse ueberqueren wollte, wurde von einem Auto erfasst und zu Boden geschleudert (...kein Wunder, bei den vielen irren Autofahrern hier!). Eine "Arbeitskollegin" (...hmmm, zwar trifft weder die Bezeichnung "Arbeit" noch "Kollegin" zu, doch ihr wisst, was ich meine, oder?!), die mich an diesem Tag begleitete, rief sofort die Polizei. Die ist naemlichanscheinend schneller vor Ort als die Ambulanz, da an jeder Strassenecke ein Polizist oder eine Polizistin mit nicht uebersehbarem Gewehr (=Schrotflinte?) positioniert ist. Anschliessend befahl meine "Kollegin" den Jungs, in einem auf der anderen Strassenseite gelegenen Bushaeuschen Platz zu nehmen und zu "gaffen". Sie selbst setzte sich ebenfalls daneben und so warteten wir etwa 20 Minuten lang auf die Ambulanz und schauten dem Treiben auf der anderen Strassenseite zu (...fehlte nu noch das Popcorn und die flauschigen Kinosessel...). 

 

  Ich als Vollblut-Lehrerin (...mit Birkenstoecken und so...) liess es mir natuerlich auch hier in Argentinien nicht nehmen, mal einen Blick in eine oertliche Schule zu werfen. Die Gelegenheit erhielt ich dank Claudia, die hier ja ehrenamtlich als Italienischlehrerin arbeitet. Dabei wurde mir bewusst, dass Kinder auf der ganzen Welt wohl aehnlich ticken. Denn trotz spaerlich eingerichteten Klassenzimmern, zerbrochenen (oder ganz fehlenden)Fensterscheiben, Graffitis an allen Waenden, halb demolierten Schulbaenken (Ich kam mir vor, wie Michelle Pfeiffer im New-Yorker-School-Ghetto...) strahlten mir freudige Augen entgegen und ich beantwortete lauter neugierige Fragen. Die beste davon war sicherlich die, ob ich eine Prinzessin sei! (Hahaha! Fehlt nur noch der Prinz auf dem Schimmel!). Einer der Lehrer trieb sogar von irgendwoher einen alten Globus auf. Nur die Tatsache, dass derselbe Lehrer einen 7-jaehrigen Jungen bezahlte, damit dieser fuer uns tanzte, fanden Claudia und ich etwas daneben... .

 Meine Verstaerkung aus Holland ist bereits wieder nach Hause geflogen und auch meine zwei engsten Verbuendeten hier, Claudia und Sandrine, verlassen uebermorgen das Land Richtung Heimat (...nur das schweizerische Rote Kreuz bleibt mal wieder unbewaffnet in der Krisenregion...). Noch 13 Arbeitstage und dann mache auch ich Ferien!

 Ein Fresspaeckli mit 16 Tafeln feinster schweizer Schoggi ist eingetroffen (An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschoen an die Spenderin und den Spender!)! Zu Ehren dieses Anlasses oeffnete mein Gastvater Jean seine wohl beste und teuerste Flasche Wein und wir feierten die (Er-)Oeffnung des Packets wie kleine Kinder. Er, als selbsternannter Verwalter der Notration, oeffnete bereits am ersten Abend rund die Haelfte aller Sorten und verteilte gerecht Moeckli fuer Moeckli an seine "Untertanen" (Mann, gib mir die ganze Tafel!) unter den sich staendig wiederholenden Worten "MMMMMMMH!" und "AAAAAAAH" und "HOW I MISS SWIIIIIIITZERLAND!" (Anm.: Er war noch nie in der Schweiz...). Ich kam mir vor wie in einem Fluechtlingslager bei der Verteilung der Essensration... .

 

 

Habt ihr gewusst, dass...

... man, wenn man Regula heisst, selbst im Schatten einen Sonnenbrand erwischen kann?!

... Argentinier nie im Gehen oder in oeffentlichen Verkehrsmitteln essen, da dies unhoeflich ist (Anm.: So wie die Frauen hier aussehen, essen die sowieso nur einmal in der Woche!)?

 

...hier eine Busfahrt umgerechnet rund 50 Rp. kostet, egal ob man eine oder 35 Stationen weit faehrt?

 

...jede/r, der/die einen Hauptschulabschluss hat, in einem Kinderheim arbeiten darf (Das erklaert vieles!)?

 

...man hier, wenn man Regula heisst, nach dem Verzehr von schweizer Schoggi mit den Kleidern im Pool landen kann?

 

...eine der hier am haeufigsten verzehrten Fleischspeisen "Milanese" und dies eigentlich nichts anderes als ein "bayrisches Schniiitzel" ist?

 

...einer der drei Strassenhunde, die mit mir Dach und Futternapf teilen, "Mili" heisst ?

 

...hier die Busfahrer anscheinend mehr als Lehrer verdienen, weil sie viel haeufiger streiken?

 

...Frauen nur halb so viel wie Maenner bezahlen, um einen Fussballmatch live zu sehen?

 

...man hier das Klopapier in der Regel nicht ins WC werfen darf (UUUUUUPS!)? 

7 Kommentare 7.12.10 01:20, kommentieren



Cordoba-Part 4

Mein heutiger Eintrag wird wohl etwas kuerzer als gewohnt ausfallen. Der Grund dafuer ist nicht etwa Faulheit oder Trunkenheit zuzusprechen, sondern viel mehr der Tatsache, dass ich in den vergangenen paar Tagen krank war und somit auch nicht viel Aufregendes erlebt habe (An dieser Stelle waere etwas Beileid angesagt..........Danke.). Was mich plagte? Nun, ich versuche mich mal diplomatisch korrekt auszudruecken, um meine Leserschaft nicht zu vertreiben: Ich hatte Fieber, Kopfschmerzen und (...wartet, den folgenden Begriff muss ich in meinem Arzt-Fachbegriff-Lexikon nachschlagen...) den Scheisser (...sorry, nicht gefunden!). Obwohl ich mehrere Tage das Bett (...und Klo!) huetete und das Haus kaum verliess, schaffte ich es, in ein FettNAEPFCHEN zu treten (Ihr kennt mich ja!), welches ich euch nicht vorenthalten will:

An meinem ersten Krankheitstag schien sich alles und alle gegen mich verschworen zu haben! Tapfer (...oder stur?) wie ich bin, fuhr ich an diesem Morgen naemlich noch zur Arbeit. Das war aber fuer die Katz (MIAU!). Denn zuerst wartete ich, bereits angeschlagen, ueber eine halbe Stunde lang auf den Bus, der an diesem Tag einfach nicht auftauchen wollte (Nein, ich war NICHT zu spaet dran!). Schlussendlich (...und einige Fluchwoerter spaeter...) tauchte dieser dann doch noch auf, steckte aber bald in einem ausgewachsenen Stau (...wohl wieder ein Auffahrunfall...). In der Folge kam ich eine gute Stunde zu spaet zur Arbeit (Ja, das verschafft mir ein schlechtes Gewissen, obwohl ICH ja fuer meine eigene Arbeit bezahle und mich wahrscheinlich KEIN SCHWEIN vermisst hat!), nur um 20 Minuten spaeter wieder denselben Weg nach Hause zu fahren, da alle Jungs bereits mit einem Sportlehrer unterwegs waren (Danke fuer die fruehzeitige Info!). Zu Hause angekommen, durchsuchte ich den Kuehlschrank nach Cola und den Rest des Hauses nach etwas Salzigem, da dies ja bekanntlich gut fuer den Magen sein soll (...aber ohne Alkoholzuschuss und Schirmchen!). Natuerlich fand ich nichts dergleichen und fiel deswegen zuerst einmal in ein mehrstuendiges Fieber-Schlaf-Koma.

Als ich gegen Abend wieder erwachte (=zu mir kam), schien noch immer niemand zu Hause zu sein (...der fuer mich kochte und mir ein Tablett ans Bett brachte...) und so beschloss ich, etwas Reis zu kochen, bevor ich RICHTIG schlafen ging (Haengt jetzt nicht ab, Leute! Der Reis ist ein wichtiger Bestandteil der Geschichte!). So schleppte ich mich im Fieberdelyrium in die Kueche, wo (Oh Wunder!) ein Topf mit bereits gekochtem Reis auf dem Herd stand (Leute, glaubt mir! Der Reis ist WIRKLICH wichtig!). Anscheinend hatte sich doch nicht ganz alles gegen mich verschworen. Ich musste also nur noch die Mikrowelle einschalten und mein Abendessen erhitzen (Details ueber die Gardauer erspare ich euch jetzt, sonst faellt die andere Haelfte der Leserschaft auch noch in ein Schlafkoma...). Etwas merkwuerdig kam es mir in diesem Moment ja schon vor, dass der Reis versalzen war, denn dem Chefkoch Jean passiert dies normalerweise nicht. Aber etwas mehr Salz schien mir, in Anbetracht der zuvor verlorenen Fluessigkeitsmenge durch die Darmpforte, nicht falsch zu sein. So ass ich tapfer mein Haeufchen Reis und ging zu Bett.

Am folgenden Morgen ging es mir weder besser noch schlechter (...dies ist ebenfalls eine wichtige Info!). Dennoch schleppte ich mich in die Kueche um mit dem Rest der inzwischen wieder aufgetauchten Familie einen Tee zu schluerfen. Als ich so am Fruehstueckstisch sass und der emsigen Ines zuschaute, welche die Kueche sauber machte, verzog diese ploetzlich angewiedert ihr Gesicht. Der Grund ihres Ekels schien unter dem Deckel "meines" Reistopfes zu liegen. Ich ahnte Boeses, fragte aber trotzdem (...ebenso tapfer, wie ich am Abend zuvor den Reis gegessen hatte...), was denn los sei. Ines antwortete: "Oh, den HUNDEREIS habe ich voellig vergessen! Der steht hier schon seit Tagen rum...den kann ich also nicht mal mehr den Hunden fuettern!"

 

Die Geschichte hat sich natuerlich unter den Volunteers schnell rumgesprochen und wer mich zuvor noch nicht (...unter dem Namen "Queso"...) gekannt hatte, der kennt mich jetzt (...unter dem Namen "Dog Food"...). So kann man auch im Gespraech bleiben... .

Bis bald !!!

17.12.10 00:42, kommentieren

Cordoba-Part 5

YYYYYHAAAAA! Ich hab's geschafft ! Gestern wurde ich ganz offiziell aus dem Gefaengnis entlassen (...fuer NeuleserInnen: "Gefaengnis" ist eine Metapher!). Ich kann meine wiedergewonnene Freiheit kaum fassen! Das Gras scheint mir etwas gruener, die Sonne einwenig heller und die Luft klarer zu sein (Ok, ich geb's zu, das war jetzt etwas uebertrieben...). Aber was fuer eine Zangengeburt (...fuer nicht so wortgewandte LeserInnen: auch "Zangengeburt" ist eine Metapher!)! Hier die wichtigsten Ereignisse der letzten Arbeits(halb)woche (...sprich: 12 Stunden, 3 Tage oder gefuehlte 48 Wochen...):

Nachdem ich Marita, meine "Chefin" vor Ort, etwa 367mal nach dem versprochenen Geld fuer die Farben gefragt, 96 verschiedene Ausreden und 271 leere Versprechungen gehoert und 541 Stunden vergeblich darauf gewartet hatte (...alle Zahlen sind lediglich Schaetzungen und ohne Gewaehr...), glaubte sogar ich nicht mehr an ein "Geldwunder". Ich musste mir folglich ueber das vergangene Wochenende ernsthaft ueberlegen, ob ich das Geld aus der eigenen Tasche sponsern oder ob ich die Wand unfertig zuruecklassen sollte (Ich bin mir sicher, dass das Kreidegekritzel unter "moderne Kunst" eingeordnet haette werden koennen...). Nach langem Hin und Her entschied ich mich dann doch fuer ersteres: Ich wollte meine Arbeit hier (...und wenn es nur fuer mich ist!) sinnvoll beenden und etwas Bleibendes hinterlassen.

So packte ich am Montagmorgen einen der Jungs an der Hand, erklaerte einem Angestellten, dass ich nicht mehr laenger auf die Farben warten koenne und diese nun mit dem Jungen zusammen (...der kam freiwillig mit! Ehrlich!)kaufen ginge. Eine halbe Stunde spaeter (...und rund 150 Pesos leichter...) kehrte ich ins Heim zurueck und legte, zusammen mit ein paar freiwilligen Insassen... aeh, Helfern..., los. Marita, die inzwischen auch zur Arbeit erschienen war, ging mir an jenem und auch am folgenden Tag aus dem Weg (...was ich mir noch schwierig vorstelle, da ihr Buero gleich gegenueber von der zu bemalenden Wand liegt...), was mir so ziemlich egal war. Denn ich wusste bereits nach diesem Tag, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Die Jungs (...und natuerlich auch ich!) hatten Spass am Malen und das Zwischenresultat sah bereits toll aus (...meine bemalten Arme und Beine auch!).

Doch spaeter an diesem Tag wurde meine Geduld nochmals arg auf die Probe gestellt! Am Abend bemerkte ich naemlich, dass mein Portemonnaie (...fuer alle Lehrer: Ich verweigere BEWUSST die neue Rechtschreiberegel fuer "Geldbeutel"!) aus meiner Tasche gestohlen worden war! Alle anderen Gegenstaende, wie meine Fotokamera, das I-Phone, Kleidungsstuecke und Frauensachen (...Details erspare ich euch an dieser Stelle...), waren aber nach wie vor vorhanden. Nach einigen Ueberlegungen kam ich zum Schluss, dass meine Geldboerse mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit im Heim "abhanden" gekommen sein musste, was mich  (...und das ist noch milde ausgedrueckt...) wuetend machte!!! Anscheinend wollte mir jemand auf diese Art und Weise dafuer danken, dass ich die letzten 10 Wochen unbezahlt die Arbeit fuer andere erledigt hatte, mir dabei zusaetzlich viel Mist anhoeren und mitansehen musste und am drittletzten Tag die laengst versprochene Farbe aus der eigenen Tasche bezahlt hatte. Was fuer ein Finale (...das war jetzt aeusserst ironisch gemeint...)! Mein erster Gedanke (...nach 15-minuetigem Fluchen...) war der, dass die sich meine Farbe in den A.....ZENSUUUUUUR.... stecken konnten und ich meine Arbeit fruehzeitig beenden wuerde. Etwas spaeter realisierte ich dann aber, dass ich die Schuld einer einzelnen Person wohl nicht auf alle anderen uebertragen konnte (...Lehrersemi laesst gruessen...). Ausserdem wusste ich ja nicht, ob ein Junge oder einer meiner flotten Mitarbeiter der "Taeter" war und die 5-prozentige Wahrscheinlichkeit (...laeck, bin ich gut im Rechnen!) ist ja auch nicht ausser Acht zu lassen. Aus all diesen vernuenftigen Gruenden ging ich auch am Dienstag wieder zur Arbeit um zu beenden, was ich begonnen hatte.

Der letzte Arbeitstag brach an. Wie jeden Morgen startete der mit einem Becher Mate an einem der in die Jahre gekommenen Tische. Auch Marita war anwesend (...und fleissig am Tee trinken und Kuchen essen). Demonstrativ setzte ich mich neben sie und fragte, ob ich denn am folgenden Tag arbeiten muesse, da ja alle Jungs ueber die Feiertage irgendwo "versorgt" wurden. Ueberfreundlich und grosszuegig wie ich sie kennengelernt habe (...seeeeeehr ironische Bemerkung, aber ohne Ironie wuerde ich die Zeit hier wohl nicht ohne Knacks ueberstehen...), verneinte sie meine Frage und wandte sich wieder anderen (...fuer sie angenehmeren!) Gespraechspartnern zu. Daraufhin machte ich sie darauf aufmerksam, dass dies dann wohl mein letzter Arbeitstag sei, was sie in grosses Erstaunen versetzte ("Ahaaaaaa, du kommst naechste Woche nicht wieder?!). In den folgenden Stunden, als ich meine Arbeit an der Mauer beendete, ging sie dann einige Male an mir vorbei und lobte laut das Farbenwerk. Ich spielte, eher belustigt, das falsche Spiel mit und mir wurde gleichzeitig bewusst, dass sie von nun an jeden Tag an der Mauer vorbei gehen muss und dabei eventuell das eine oder andere Mal an die versprochenen 100Pesos denkt, die sie moeglicherweise in ein Assado (=Grillfest), Essen fuer die untaetigen Mitarbeiter oder in Weihnachtsgeschenke (...fuer wen auch immer...) investiert hatte. Das wissen auch ihre Angestellten, da ich mich mehr als einmal darueber beschwert hatte. Somit verliess ich, meiner Ansicht nach, als Siegerin das Feld .

 

Nun bin ich aber definitiv reif fuer die Insel... in meinem Fall fuer die Iguazu-Wasserfaelle an der brasilianischen Grenze! Dorthin werde ich naemlich vom 26. bis zum 30. Dezember mit einer Belgierin, namens Lies, reisen (...Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor ist gekauft!). Auch sie arbeitet fuer ProjectsAbroad und mit ihr hab ich mich in den letzten paar Wochen (...nach Claudia's und Sandrine's Heimreise *snif*...) angefreundet. Wir zwei zusammen werden morgen Abend (...wenn ihr zu Hause wohl fleissig am Singen seid ....) auch fuer eine andere Freiwilligenorganisation Essen an arme Leute verteilen (Ich glaube, nach diesem Aufenthalt hier habe ich genug soziales Zeugs fuer ein Jahr erledigt...). Mehr darueber weiss ich aber noch nicht so genau... Ich habe lediglich meine Arbeitszeiten und die Anweisung erhalten, dass ich pro Tisch nicht mehr als drei Flaschen Wein servieren darf, da die Kundschaft sehr trinkfreudig sein soll. Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden !

Nun wuensche ich euch allen ein gaaaaaaaanz schoenes Weihnachtsfest und entschuldige mich im Voraus schon mal bei allen, die eine Karte von mir erwarten!!! In diesem Jahr verschicke ich ausnahmsweise mal keine. Dies hat zwei Gruende (Nein, keiner davon hat mit Faulheit zu tun!): Erstens konnte ich hier keine anstaendigen Karten finden (...und wenn, dann mit viel glitzernd-rosa Plingpling ...) und zweitens denke ich, dass ich die Karten bereits im November haette abschicken muessen, damit sie VOR meiner Rueckkehr in der Schweiz eintreffen wuerden (...wenn ueberhaupt!). Deshalb wuensche ich euch ganz einfach auf diesem Weg ruhige und zufriedene Weihnachten (HOHOHOOOOOOOO!!!)!

 

23.12.10 22:15, kommentieren

Cordoba - Iguazu - Cordoba (Part 1)

Heute brauche ich also keine Hundefutterstory um euch etwas einigermassen Spannendes berichten zu koennen. Im Gegenteil! Ich werde Muehe haben, das Wichtigste in Kuerze (...und alles andere bei mir...) zu halten!

Wie ich letztes Mal ja schon erwaehnt habe, war ich aus verschiedenen Gruenden nicht gerade in weihnachtlicher Stimmung und das hat sich seither auch nicht mehr gross geaendert. Ich hoffe aber natuerlich, dass ihr zu Hause tuechtig fuer mich mitgegessen (gaeu, Milli!), mitgebastelt (gaeu, Andrea!), mitgebacken (gaeu, Verenchen!), mitgetrunken (gaeu, Chregi!) und mitgesungen (gaeu, Dinu!) habt . Meinereiner (=Ich) kaempfte sich am Heiligen Abend mitten ins Zentrum von Cordoba, was unter "normalen" Umstaenden schon eine Stunde lang dauert (...halsbrecherisches Tempo der oertlichen Buschauffeure inbegriffen!). Dort half ich, zusammen mit Lies, der belgischen Lehrerin (=ebenfalls nicht handgestrickt), und vielen anderen Freiwilligen, aermeren Leuten Essen und Getraenke zu servieren. Dies war, wie erwartet, eine etwas andere, aber durchaus gute Erfahrung (...abgesehen von einigen organisatorischen Maengeln! Mehr dazu aber in einem anderen Blogeintrag...). Ich bekam einen der rund 100 Tische mit 9 sympathischen Menschen zugeteilt und servierte diesen drei Gaenge (...zum Glueck habe ich vor Jahren schon Erfahrung in der Suti gesammelt ...) und plauderte etwas mit ihnen (...na ja, das war nun etwas uebertrieben... sie plauderten und ich nickte fleissig mit dem Kopf und sagte "Si, si" und "Claro" und "Aha!"...). Im Anschluss an das Essen kaempfte ich mich wieder denselben Weg durch den Grossstadtjungel (...leider kein Weihnachtsbaumjungel!) zurueck nach Hause, wo meine argentinisch-englische Familie bereits auf mich wartete (...morgens um 3.30Uhr...) um mich auf eine der vielen Weihnachtsparties hier zu schleppen. Ich kopnnte schlecht "nein" dazu sagen, da dies hier anscheinend einfach zur Tradition gehoert . Dort blieben wir dann auch, bis die Sonne hoch am Himmel stand (Nun koennt ihr selbst nachrechnen...).

Da sogar ich von Zeit zu Zeit etwas Schlaf brauche, verschlief ich praktisch den ganzen Weihnachtstag und konnte gerade noch meine sieben Sachen (...und das ist jetzt wortwoertlich gemeint!) fuer meinen 5-taegigen Trip nach Iguazu packen, bevor mich Ines, Jean und Nicole in ein Kasino entfuehrten (...natuerlich voellig gegen meinen Willen  !). Da wir von dort ebenfalls erst gegen 4 Uhr morgens nach Hause zurueckkehrten und ich bereits eine Stunde spaeter am Flughafen sein musste, lohnte es sich natuerlich nicht mehr zu schlafen (...und dies ganz ohne Alkohol und Drogen, Kinder!) und erreichte schlaflos (...was fuer mich ja nicht eine gaaaaanz neue Erfahrung ist...) den Flughafen, wo ich wortkarg und mit vielen "Hmmmmmm's", "Pffffff's" und "Grunz's" auf eine aehnlich dreinblickende (...und sprechende...) Lies traf. Da Schlafmangel jedoch auch seine lustigen Auswirkungen auf mich ausueben kann (...Milli kann dies sicherlich medizinisch korrekt erklaeren!), unterhielten wir auf unseren Fluegen nach Buenos Aires und Iguazu saemtliche Passagiere in unserem Sitzumkreis, was uns belustigte Blicke maennlicher- und giftige Blicke weiblicherseits einbrachte... .

Gegen Mittag landeten wir dann (...um einige Bauch-Lach-Muskeln reicher...) Iguazu, wo uns als aller erstes einmal eine erdrueckend feuchte Hitze entgegenschlug (...na ja, besser als eine Tuere...). Doch die vergassen wir auf unserer Taxifahrt in unser zuvor gebuchtes Hostel vor lauter Staunen beinahe! Wie kleine Kinder freuten wir uns ueber den unglaublich gruenen Regenwald un die Luft voller Schmetterlinge um uns herum (...muss der Schlafmangel gewesen sein! Oder doch Pilzchen in unserem Essen auf unserem Flug zuvor?). Wir kamen uns vor, wie die Hauptdarsteller in der "Trueman Show"! Noch halb in Trance (...wie gesagt, ganz ohne Drogen, Kinder!) kam uns dann sogar das auf schaetzungsweise 0 Grad heruntergekuehlte Hostelzimmer mit schmutzigen, lakenlosen Matrazen uns schimmligem Badezimmer toll vor. Zwei Powe-Nap-Schlaf-Stunden spaeter sprangen wir dann in den kleinen Pool vor unserem Zimmer und schlossen erste Bekanntschaften mit drei Jungs aus Cordoba (...natuerlich nur, um unser Spanisch aufzubessern...). Den Tag beendeten wir dann in einem gemuetlichen Restaurant gleich um die Ecke (Man goennt sich ja sonst nichts!) bei Pizza und (Jawohl!) Wasser! Lies schien die Muedigkeit aber doch etwas staerker zu spueren als ich, da sie mich, nach 5-minuetigem Betrachten des sternenklaren Himmels ernsthaft fragte: "Do the stars move?!" (...oder doch Pilze?!)!

Am naechsten Morgen frueh (...raeusper...) machten wir uns dann auf in den Nationalpark auf der argentinischen Seite der Iguazu-Wasserfaelle. Ich sage euch: Falls ihr irgendeinmal vor der Wahl stehen solltet und nicht wisst, ob ihr die Niagarafaelle oder die Ifuazufaelle (...oder die 4 Faelle, hoehoehoe...) besuchen sollt, dann waehlt Iguazu!!!Die Niagarafaelle sind ein Rinnsal dagegen! Niemand wird sich bei diesem Anblick fragen, warum diese in aller Welt auf der Unesco-Welterbe-Liste stehen... sogar mir hat es bei diesem Anblick die Sprache verschlagen (...und das soll was heissen!). Natuerlich mussten Lies und ich mal wieder jeden Seich mitmachen und buchten einen Bootstrip (...ohne Pilze!), der mit einer kraeftigen Dusche unter den Faellen endete. Aaaaaah, eine Wohltat bei dieser Hitze (...und nach drei Monaten im Gefaengnis!). Den Abend verbrachten wir dann rund um den Pool im Hostel mit den drei Feuerwehrmaennern (Ehrlich!) aus Cordoba und weiteren Einheimischen beim gemeinsamen Kochen, Billardspielen, Spanischsaetzchen formen und Sprueche klopfen.

Da der Besitzer dieses Internetcafes seinen Laden nun dicht machen will (...auf jeden Fall fuer heute...) muss ich meine Berichterstattung fuer heute schliessen. Ich versuche aber, morgen oder uebermorgen den zweiten Teil irgendwo zu Ende zu schreiben! Bis dahin wuensche ich all meinen Leserinnen und Lesern einen suuuuuuuuper Rutsch ins 2011 und ich freue mich (...trotz allen Abenteuern hier!), euch alle ganz bald wieder zu sehen !

FELIZ ANO NUEVO!!!

1 Kommentar 31.12.10 20:55, kommentieren