Archiv

Cordoba-Mendoza-Cordoba

Nachdem ich letzte Woche bei der Arbeit den (bisher) absoluten Tiefpunkt erlebt habe, geht es nun-so hoffe ich-langsam aber sicher bergauf. Projects Abroad hat mir naemlich Entwicklungshilfe aus Holland geschickt Doch alles schoen der Reihe nach:

 

Letzten Montag stellte mir die Heimleiterin einige harmlos wirkende Fragen. Eine davon war die, ob meine "Arbeitsgschpoendli" am Nachmittag jeweils mit den Jungs spielen wuerden. Wahrheitsgetreu antwortete ich mit "NO" (...waere die Sprachbarriere nicht vorhanden gewesen, waeren dieser Antwort noch ein paar sarkastische Anmerkungen gefolgt...). Die Retourkutsche ueberrollte mich am naechsten Tag in Gestalt meiner sympathischsten Arbeitskollegin (ACHTUNG: sehr sarkastisch gemeint!). Diese nahm mich naemlich, kurz nachdem ich im Gefaengnis ...aehm, Kinderheim... angekommen war, zur Seite und beschimpfte mich, weil ich sie am Tag zuvor bei der Chefin "verpfiffen" haben soll (...so mss sich ein aufgeflogener Spitzel in der Nachkriegszeit gefuehlt haben!). Am selben Tag wurde zudem eine neue Mitarbeiterin "eingearbeitet" (= eine weitere in-der-kueche-mate-trinkende Person). Diese hat anscheinend besonders grosse Minderwertigkeitskomplexe, da sie an ihrem ersten Arbeitstag gleich einem der Jungs physisch zeigen msste, wer die staerkste Person vor Ort ist (...zumindest koerperlich...). Weitere Details erspare ich jetzt den zartbeseitetsten Leserinnen und Lesern unter euch. Die Situation erinnerte mich jedoch ebenfalls stark an die (Nach-) Kriegszeit... .

 

Vor drei Tagen wurde dann aber Hans (...sprich "Chans"...) aus Holland (...sprich "Cholland"...) eingeflogen um mir Rueckendeckung in meinem einsamen Kampf gegen die Ungerechtigkeit zu geben (...die vielen Kriegsanspielungen sind uebrigens kein Zufall...). Zu Zweit ist es wesentlich einfacher Ideen durch- und umzusetzen (...und im Schuetzengraben zu ueberleben...). Ausserdem habe ich-genau einen Monat nach meiner Ankunft-nun auch endlich das OK vom Fuehrer ...aeh, Fuehrungspersonal... bekommen, dass ich eine Innenhofmauer des Gefaengnisses ...aeh, Heims... bemalen darf! Diese hat die hollaendische und die schweizer Fraktion heute schon mal gesaeubert und am Freitag startet dann voraussichtlich die Farbschlacht... .  YYYYYHAAAAAAAA! 

 

 

 

Abgesehen von der Schlacht im Kinderheim kaempfte ich mich am vergangenen Wochenende mit fuenf weiteren Genossinnen und Genossen von Projects Abroad ins (...auf der Landkarte ganz nahe liegende!) Staedtchen Mendoza, welches fuer seinen guten Wein bekannt ist (HICKS!). Na ja, ein Kampf war eigentlich nur die 10-stuendige Busfahrt hin und zurueck (...da haette ich ja gleich nach Hause fliegen koennen!). Ansonsten war der Kurztripp ganz amuesant (...auf jeden Fall fuer den harten Kern der Truppe...). Zwar verpassten wir wegen Zuspaetkommens der Ticketinhaberin (Name der Redaktion bekannt) um ein (blondes) Haar den Nachtbus und die Reservation in einem Hostel hatte bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht geklappt (...aber muss man fuer 6 Personen ueberhaupt vorreservieren?), doch die Stimmung war trotzdem sehr gut. Ausserdem schaffte ich es sogar (...dank vorheriger durchzechter Nacht mit der etwas verrueckten Italienerin...) etwas Schlaf zu finden. Beim Erwachen, kurz vor unserem Reiseziel, lachte mir der hoechste Berg Suedamerikas (...fuer Nichtlehrer: das ist der Aconcagua...) entgegen. Naterlich musste ich meiner Euphorie umgehend Luft verschaffen nd kraechzte in fuenf verschlafene Gesichter: "Look! There is the Aconcagua!". Leider teilte aber anscheinend niemand meinen Enthusiasmus und die Italienerin, der Australier, der Englaender und die beiden Franzoesinnen schuettelten nur unwissend den Kopf (...nur die Schweizerin kannte mal wieder die Berge...). Na ja, wenigstens hatte die chaotische und unvorbereitete Reisetruppe auf Anhieb Glueck bei der Suche nach einem Hostel in Mendoza und so hatten wir Zeit, den Rest des Tages mit Fitnessuebungen und Kultur auszufuellen (=Weintour mit gemieteten Velos). Dabei musste ich feststellen, dass ich nicht nur bessere Geografiekenntnisse als der Rest der Gruppe besass (Jaja, da staunt ihr, was?!), sondern auch eine bessere Kondition auf dem Eingangvelo ("Please, don't drive so faaaaaaast!". Den (...auf jeden Fall fuer mich...) entspannten Tag liessen wir dann mit Apero, Abendessen (...mit gutem Tropfen...), Dessertwein, "Verrisserli", Absacker und Schlaftrunk ausklingen und bestiegen am folgenden Tag mit der Erkenntnis, dass man hier, bevor man einen billigen Fusel bestellt, immer zuerst fragen sollte, ob man fuer das wenige Geld ein Glas oder eine Flasche (!) kriegt, den Bus in Richtung Cordoba.

 

 

 

Zum Schluss noch dies: Wie sich sicherlich schon herumgesprochen hat, bin ich allgemein bekannt dafuer, dass ich ab und zu mal (...boese Zungen wuerden an dieser Stelle wohl das Wort "taeglich" gebrauchen...) in das ein oder andere Fettnaepfchen trete. Leider ist das hier nicht anders! Zur allgemeiner Belstigung habe ich euch an dieser Stelle zwei davon zusammengestellt: 

 

 

 

  • Am Ankunftstag wollte ich naterlich bei meiner Gastfamilie einen besonders guten Eindruck hinterlassen und suchte im Voraus in meinem Deutsch-Spanisch-Woerterbuch Begriffe, die ich glaubte, am ersten Tag gebrachen zu koennen. Und tatsaechlich! Jean, mein "Gastvater", fragte mich prompt auf der Fahrt vom Flughafen in mein argentinisches Zuhause, was die Schweizer und Schweizerinnen denn besonders oft essen wuerden. Ich antwortete prahlerisch: "Comemos mucho queso.", was so viel heisst wie: "Wir essen viel Kaese." Was ich jedoch nicht wusste war, dass das Wort "queso" falsch ausgesprochen "Knochen" bedeutet! Falls ihr in Zukunft also einen argentinischen Toristen in einem schweizer Restaurant nach Knochen fragen hoert, dann ist das meine Schuld… .  

     

 

  • Vor meinem Kurztripp nach Mendoza hoerte ich, wie Jean mit Ines ueber "Domingo" (=Sonntag), "Ines" (=Name meiner Gastgeberin) und "Aniversario" (=Denkt-ech-selbst-was-dazu-aus) sprach. Schlau wie ich bin (...oder zumindest glaube zu sein!), reimte ich mir zusammen, dass Ines am Sonntag Geburtstag feiern wuerde (...und es soll mir jetzt ja niemand sagen, dass er oder sie NICHT dasselbe gedacht haette!!!). Als anstaendige Untermieterin dachte ich in Mendoza natuerlich an Ines bevorstehendes Fest und kaufte ihr eine schoene Halskette. Am Sonntagabend kam ich dann um fuenf vor zwoelf mit meinem Geschenk nach Hause, doch nur Jean war noch wach. Endtaeuscht fragte ich, ob Ines denn schon schlafen wuerde, denn ich haette mich absichtlich beeilt um ihr noch VOR Mitternacht ihr Gebrtstagsgeschenk zu ueberreichen. Jean sah mich zerst unglaeubig an und fing dann an, gute 10 Minuten unter Traenen zu lachen. Seinem Gestammel (...unterbrochen von weiteren Lachanfaellen...) konnte ich entnehmen, dass "Aniversario" hier nicht etwa "Geburtstag", sondern "Jubilaeum" bedeutet (...und dieses Mal hatte ich ihn RICHTIG verstanden...). Jean und Ines feierten naemlich an diesem Tag ihr 5-jaehriges Beziehungs-Jubilaeum. Natuerlich fragte Jean dann prompt noch nach SEINEM Geschenk... .

     

Hasta pronto y besos!!! 

 

7 Kommentare 10.11.10 20:20, kommentieren



Cordoba-Buenos Aires-Cordoba

Argentinier sind manchmal schon merkwuerdige Gestalten,

Da soll mal einer verstehen ihr Verhalten:

Vergangenen Montag bekam das ganze Land frei,

Weil dies gut fuer den Tourismus sei!

Einen anderen Grund gab es anscheinend nicht,

Nur Geld ausgeben, das sei Pflicht!

Das liess ich mir natuerlich nicht zwei Mal sagen

Und ich ging meine Chefin ganz nett fragen,

Ob ich einen weiteren freien Tag bekommen kann.

(Die soll nicht schwierig tun, mann!)

Und so verliess ich am Donnerstagabend die Stadt

Mit Claudia, Sandrine, Hans und Matt.

Das Ziel unserer Reise lag acht Stunden entfernt Richtung Osten,

Wo wir in Buenos Aires das Leben wollten kosten.

So trafen wir am Freitagmorgen in der Hauptstadt ein,

Und suchten zuerst unser Hostel...mann, war das unrein!

Trotzdem war mir danach, auf den Balkon zu springen

Und "Don t cry for me Argentina" zu singen.

Zwar ging der Applaus meiner Mitreisenden im Strassenlaerm unter,

Dafuer waren wir nun alle wieder munter.

Mit der U-Bahn fuhren wir im Anschluss zum "Obelisco",

Nicht zu verwechseln mit einer Disco.

(Laeck, war dieser Reim schlecht,

Aber ich fand keinen besseren, echt!)

Dieses Monument soll mitten aus der "breitesten Strasse" der Welt herausragen,

Hoerten wir die Argentinier sagen.

(Doch diese sind bekanntlich ja nicht die bescheidensten Leute,

Und Touristen leichte Beute...)

Dort angekommen veranstalteten wir eine Fotosession erster Klasse,

Mitten in der uns bestaunenden Menschenmasse.

So verkuerzten wir die Wartezeit auf Mariano,

Ein Freund von Claudia, der ebenfalls stammt aus Milano.

Dieser lebt naemlich in BA seit einiger Zeit

(Wahrscheinlich hat ihn die Mafia aus Italien verbannt, bis in alle Ewigkeit...).

Zusammen mit ihm besuchten wir zuerst den beruehmten Friedhof der Reichen,

Den fand ich gar nicht zum Seichen!

Denn dort fanden wir unter anderem Evitas Grab... ganz famos!

Nur die vielen davor posierenden Touris fand ich geschmacklos.

Im Anschluss gingen wir was essen

Und liessen uns dabei fast von ein paar Enten fressen.

Fliehen konnten wir gerade noch in einen schoenen Park mit Teich,

Und der Sonnenuntergang dort machte uns ganz reich.

Sonst gibt es vom ersten Tag in BA nicht mehr viel zu berichten,

Denn Drei von uns Fuenf waren zu muede um noch vieles auszurichten.   

Nur Claudia und ich konnten bis in die fruehen Morgenstunden nicht schlafen

Und benetzten in der Hostel-Lobby bei einem Jenga-Spiel unsere Rachen.

Trotz Schlafmangel wollten wir den folgenden Tag nicht vergeuden

Und setzten fort die Besichtigung jenster historischer Gebaeude.

Den Kampf gegen die schweren Augenlider am Nachmittag gewannen wir,

Nicht etwa mit einer Kiste Bier!

Nein, wir setzten uns in einen Park, von denen es dort gibt viele

Und spielten ein paar lustige Spiele.

"Typisch Lehrer" moegen nun einige von euch sagen,

Aber bei dieser Hitze wollten wir keine weiteren Abenteuer wagen!

Kuehler ging es dann am Abend zu und her,

Als wir draussen den Magen fuellten mit Empanadas... und mehr.

Weitere Details erspare ich euch an dieser Stelle,

Sonst haut mich Mami noch mit einer Kelle.

Aber lustig war es auf jeden Fall

Und Spanisch gesprochen hab ich wie ein Wasserfall.

Am letzten Tag zeigte uns Mariano "La Boca" mit den Haeusern ganz farbig,

umringt von Tangotaenzern fuehlten wir uns ganz eigenartig.

Auch Maradonas Fussballstadion sahen wir von Weitem

Und liessen uns mit dem Menschenstrom durch einen Markt gleiten.

Doch bald wurde es uns wieder zu heiss,

So ein Sch....!!!

Deshalb verschob sich unsere Truppe an einen Fluss,

Wo wir ein kuehles Eis assen mit Genuss.

Viel zu schnell neigte sich dann ploetzlich das Wochenende zu Ende:

Es folgte unausweichlich die Wende.

Der Abschied von Mariano fiel uns schwer,

Fast floss ein Traenenmeer.

Unsere Laune erheiterte sich aber am Busbahnhof auf einen Schlag,

Als mein Ticket nach einer Windboe unter unserem Bus lag!

Claudia kriegte sich fast nicht mehr ein vor lauter Lachen,

Und wir beschlossen, bald wieder einen solchen Ausflug zu machen!

1 Kommentar 24.11.10 21:09, kommentieren