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Anchorage-Seward-Whittier

Auf dem Weg von Anchorage nach Hope haben wir wie immer die Arbeitsaufteilung gut im Griff: Waehrend die eine sich voll und ganz auf die Strasse (mit allen Baeren, Elchen und Schlagloechern) konzentriert, ist die andere fuer das Wohlbefinden aller Mitfahrenden und deren individuellen Musikwuenschen zustaendig (mit anderen Worten: ein Bimbojob).

Zurueck zum Wesentlichen: In Hope angekommen, suchen wir einen Campingplatz und fallen hungrig uebers Abendessen her. Dies bewirkt bei Lisa, dass sie direkt vom Tisch ins Bett faellt (Tisch = Bett). Bei mir hingegen juckt es noch in den Beinen und so gehe ich noch auf einen Abendspaziergang (wer weiss, vielleicht laeuft mir ja ein schoenes Motiv vor die Linse). Mutig wie ich bin, schlage ich mich bis zu einem etwas versteckten Picknickplatz mit Meersicht durch, stelle mich vor Entzueckung auf den Tisch und knippse drauflos. Rascheln im Gebuesch. Fokusieren des Gebueschs. Blickkontakt mit Baer. Ganzes Leben laeuft vor meinen Augen ab. Beidseitiges Erschrecken. Verzweifeltes Pfeifen (warum gerade Lovebugs?). Aufrichten des Baerens auf die Hinterbeine. Hysterisches Peifen und langsamer Rueckzug. Sehr lautes Pfeifen (im Van trotzdem nicht zu hoeren). Schnellst moegliche, ueberlegte Flucht nach Hause. Tuere schletzen. Atem holen. Zuerst gestellte Frage von Lisa:" Hesch es Foti gmacht?"

Nach einem Baerentiefschlaf suchen wir Downtown Hope und finden EINE Strasse mit schnuckeligen Blockhaeuschen, die wir sofort fotographieren muessen (das geht nach gestern Abend auch ohne auszusteigen).

Weiter gehts nach Seward, hier schlaegt uns ein rauher Wind entgegen. Auch der Wellengang ist nicht zu verachten und so beschliessen wir die Seakayakingtour fuer schoenere Tage aufzuheben. Dafuer gehen wir ausfuehrlich Kaffeetrinken, durchstoebern saemtliche Tourishops und machen einen gratis Rundgang durchs Meeresmuseum (die Kasse muessen wir wohl uebersehen haben).

Auf dem Weg nach Whittier fahren wir an unzaehligen Gletschern vorbei, die von vielen gut ausgeruesteten aber unsportlichen Amerikanern bestuermt werden. Was wir nicht wussten: die letzten 2, 7 Meilen gehen durch einen dunklen, engen, stinkigen, fluchtweglosen, einspurigen, schienigen und holprigen Tunnel (fuer Lehrer: der laengste in Nordamerika). Dieses Mal bedeutet das Licht am Ende des Tunnels nicht etwa Rettung, sondern der Eintritt in ein Kaff ohne jeglichen Charme. Kaum angekommen machen wir auf die Suche nach der naechstmoeglichen Faehre nach Valdez (mit Fluchtplaenen kennen wir uns inzwischen ja aus)!

Fazit:

  • Niemals in einem fremden Land auf Schweizerdeutsch ueber andere Menschen laestern!
  • Reegi nie alleine auf einen Abendspaziergang lassen!
  • In einer Baerenregion immer den Fotoapparat bereit halten!
  • Bei einem oeffentlichen Sektenkonzert zuegig daran vorbei gehen!

9 Kommentare 3.8.07 21:24, kommentieren



Whittier-Valdez

In der Warteschlange vor der Faehre amuesieren wir uns ueber die genervten Schweizer (...die haben wir gestern schon ignoriert) und ueber einen uebermotivierten Angestellten, der fuer uns den Pausenclown spielt. So vergeht die Wartezeit (1 h Verspaetung, wir sind ja nicht in der Schweiz) wie im Flug (...wobei Fluege ja auch lange dauern koennen). Wir finden es ganz nett, dass das Personal (= Pausenclown) uns beim Auslaufen aus dem Hafen hyperaktiv zum Abschied winkt!

Die sechstuendige Fahrt nach Valdez wird fuer uns zu einer richtigen Safaritour. Wir sehen Seeloewen, die sich auf Steinen raekeln, Walfische, die nach Luft schanppen, Lachse, die vor Freude in die Luft springen, Puffins, die durch die Luefte segeln und Seeotter, die im Wasser plantschen (sueper, due, he?). Das Highlight ist aber unumstritten der Abstecher zum Columbia-Gletscher, der im Meer endet (fuer Lehrer: er kalbert also...). Waehrend der Steuermann unser Schiff geschickt um die vielen Eisberge herumsteuert (=cruizt), koennen wir das Knacken des Eises hautnah miterleben (vielleicht koennen wir unsere Filmaufnahmen in LA fuer TITANIC 2 einreichen!).

Heute steht eine sechstuendige Seakayakingtour auf dem Programm. Als wir morgens um 7.30 Uhr deswegen aufstehen (fuer Lehrer: Schulbeginnzeit!), moechten wir am liebsten im warmen Shclafsack eingekuschelt bleiben, denn draussen nieselt es aus dem stockdicken Nebel. Aber das fruehe Aufstehen lohnt sich! Wir erlebn einen supertollen, mystischen, aufregenden, loechrigen, kuehlen, lustigen, nassen, gletschrigen, kayakigen (fuer Lehrer: steht doch sicher im Duden?), muetzigen, (fast) fuehrerlosen und nasssockigen Tag auf und um den Valdez Gletscher. Dazu das Wichtigste in Kuerze: Ich stapfe knietief (geschickt wie ich bin...) ins Gletscherwasser, bekomme dadurch noch mehr Aufmerksamkeit, wir langweilen uns an der Front, bis der unfaehige Rest der Gruppe mit Steuerproblemen keuchend eintrifft (dafuer duerfen wir sagen wo's langgeht) und uebernehmen kurzerhand die Fuehrung auf dem Gletscher (hmmm...warum muessen wir eigentlich fuer diese Tour bezahlen?). Sogar unser Steinwerftrick wird nachgemacht, schlaegt aber promt fehl (...haetten wir im Voraus schon sagen koennen!). Da der Guide (Connor) so entzueckt von unseren Fuehrungsqualitaeten ist (oder Mitleid mit mir hat?), laed er uns am Abend zu einem Bier mit dem Rest der Crew ein. Wir verdraengen das schlechte Erlebnis mit dem Ranger und sagen zu. Mit Bier und vielen lustigen Bekanntschaften (...mit den neuseelaendischen haben wir sprachlich etwas Muehe!) endet dieser valdezische Tag.

Fazit:

  • Fuer eine Erstaugustfahne braucht man nur einen Pizzadeckel, Papier, Leim und einen Filzstift (fuer Lehrer: einen roten Filzstift)
  • Eine Wollmuetze kann wie ein Helm aussehen!
  • Geschicktes Herumtroedeln kann zu einem Gratisbier fuehren!
  • "Sick Dude"
  • Ein Husky wuerde gut in unseren Van passen!
  • Auf neuseelaendisch Fluchen ist schwierig!

3 Kommentare 7.8.07 19:30, kommentieren

Valdez - Tok - Whitehorse - Watson Lake - Steward

Da das schlecht Wetter nun schon seit Tagen anhaelt, nutzen wir die Zeit um lange Strecken zurueckzulegen (siehe Titel!) und gemuetliche Stunden in Kaffees zu verbringen. Doch auch bei diesen, scheinbar harmlosen, Taetigkeiten kann es zu kuriosen Sitationen kommen. Dieses Mal machen wir es dir aber nicht ganz so einfach (fuer Lehrer: schliesslich muss die Gehirntaetigkeit so kurz vor Schulbeginn wieder aktiviert werden!). Wir beschreiben dir nur die Ausgangslagen einiger hochinteressanter Erlebnisse und sind sehr gespannt, wie du dir den weiteren Verlauf vorstellst (...wir freuen uns schon auf ein volles Gaestebuch!!!).

Situation 1:

Wir sitzen gemuetlich in einem Kaffe in Whitehorse (Fensterplatz), als ein junger, gutaussehender Typ mit Muetze das Lokal betritt und sich direkt neben uns setzt. Kurz darauf geht Regi eine Telefonkarte kaufen, uns zwinkert Lisa beim Hinausgehen auffaellig zu. Kaum...

Situation 2:

Im selben Kaffee, etwas spaeter: Nach so viel Aufregung und Kaffee entsteht schon mal der Drang das WC aufzusuchen. Dazu benoetigt man einen auffaelligen Schluessel (Anhaenger = Suppenkelle), der normalerweise gleich draussen neben der Tuer haengt. Aber...

Situation 3:

Waehernd der Fahrt auf einer Schotterstrasse konzentriert sich Lisa auf die Strasse und Regi spielt DJ (...aufmerksame Leser wissen nun, wer am Steuer sitzt). Ein roter Jeep kommt mit ueberhoehter Geschwindigkeit auf der Gegenfahrbahn entgegen. Ploetzlich...

Also: Wir sind schon sehr gespannt auf eure Vorschlaege, Loesungen gibt es aber nur fuer Teilnehmende. An alle Lehrer: Wir wuenschen allerseit einen guten Schulstart! Uebrigens waere eine solche Aufgabe gut fuer den ersten Schultag nach den Ferien geeignet  !

Fazit:

  • Gesterbuicheintraege ohne Namen werden ignoriert!
  • Alle anderen Eintraege werden mit Genuss gelesen!
  • Nie mehr im Subway essen...
  • "Don't play death to early!!!" (In Bezug auf Baeren!)

13.8.07 00:33, kommentieren

Steward-Hyder

Heute ist der Baer los!

Baereits auf dem Weg nach Steward duerfen wir dreimal laut sagen: " Achtung en Baer!" Diese Baerenfahrt hat uns so gepraegt, dass wir bei der anschliessenden Joggingtour durch einen Baerenwald beim kleinsten Geraeusch vor Schreck zusammenzucken.

Scheinbaer hat uns die ganze Aufregung hungrig gemacht. Dank dem baerenstarken Tip einer netten Einheimischen finden wir ein supergutes  Restaurant, wo wir "den" Lachs unserer Traeume serviert bekommen (Ich bin danach endlich wieder einmal so richtig satt...)! Es ist einfach wunderbaer! Da Fisch bekanntlich schwimmen soll, lassen wir den Abend in einer Baer (fuer Lehrer: Kneipe!) ausklingen!

Baereits um 6.00 Uhr am naechsten Morgen (...nicht am Abend) machen wir uns auf den Weg zu einem hier baeruehmten Baerenplatz. Offenbaer fischen dort die hungrigen Baeren besonders gerne. 2 Stunden und 2 Baeren spaeter sind wir etwas muede (...6.00 Uhr war wohl doch etwas frueh!) und legen uns kurz (=2h) in unserem gemuetlichen Van aufs Ohr. Als wir an den Ort des Geschehens zurueckkommen, muessen wir uns anhoeren, dass wir in der Zwischenzeit 5 Baeren verpasst haben! (Wollen die uns verarschen?!) Da wir diese Show verschlafen haben, beschliessen wir den Tag beim Salmon Glacier (fuer Lehrer: der laengste Gletscher von Nordamerika, der mit dem Auto zugaenglich ist) zu verbringen. Dies ist ein wunderbaerer Nachmittag mit viel Sonnenschein!

Fruehzeitig um 6.00 Uhr (...dieses Mal am Abend) gehen wir zurueck zum Picknickplatz der Baeren. Beobachtbaer sind nicht nur die vielen lustigen Touris mit ihren Monsterkameras (...die filmen wohl alle fuers "National Geographic" sondern auch die nach vergleichbaer kurzer Zeit auftauchenden Braun- und Schwarzbaeren. Der ploetzlich beginnende Platzregen verscheucht den groessten Teil der Besucher mit ihren Stativen, so dass wir nun an vorderster Front fuers "National Geographic" filmen koennen. Was sich da vor unseren Augen abspielt, ist wirklich filmreif und bis heute unbegreifbaer (...wir binden dir also wirklich keinen Baeren auf!)

Wenige Meter vor uns taucht ein Mamabaer mit ihren 3 Jungen auf. Anscheinend sind wir fuer sie unsichtbaer, denn sie fischen, essen, balgen, plantschen und waten ganz ungestoert in unserer Anwesenheit. Das ganze Schauspiel dauert ueber eine Stunde, dann verschwinden sie im Gebuesch.

Das Glueck kaum fassbaer schlendern wir zu den oeffentlichen WCs (...soviel Aufregung halten unsere Blasen nicht aus). Warum dieses Detail?! Kaum aus dem WC, laeuft Lisa der Baerenfamilie direkt vor die Fuesse und ruft verzweifelt nach der erstbesten Person (=ich), die kann oder will sie aber nicht hoeren. Nein, sie laeuft in ihrer Flapsigkeit auch noch dazu! Der zu Hilfe eilende Ranger meint nur (scheinbaer gelassen): "You've got a good view!" Dieses Mal koennen wir die Baerenfamilie (mit Sicherheitsabstand) nochmals 10 Minuten beobachten und werden dann, da wir die nun die Letzten sind, mit einer Privateskorte (=freundlicher Ranger mit Auto) bis zu unserem Van begleitet. Als waeren das noch nicht Baeren genug gewesen, treffen wir auf dem Weg zu unserem Schlafplatz nochmals auf einen im Dunkeln fast unsichtbaeren Baeren am Strassenrand.

...wo haben sie nur all die Baeren losgelassen???

Fazit:

  • Nicht mal auf dem WC ist man sicher vor den Baeren!
  • Verschlafen muss nicht immer negativ sein (Fuer Schueler und Lehrer gilt dies jedoch nie!)!
  • Wir sind jetzt hyderized mit Ausweis!
  • Suebaer, hee?

 

 

6 Kommentare 14.8.07 01:21, kommentieren

Steward-Prince George-Jasper-Banff-Calgary

Die mehrstuendige, nasse Fahrt von Steward ueber Prince George in den Jasper NP verlaeuft eher ruhig. Nach dieser Aufregung (...siehe letzter Eintrag) sind wird aber eher froh darueber. Eine laengere Pause machen wir nur, um im Starbucks unser neues Lieblingsgetraenk (Grande Chai Latte) zu trinken und (...schmarozerisch wie wir inzwischen sind...) in einem kleinen Visitor Center den einzigen PC mit Internetanschluss fuer 3 Stunden zu blockieren (ein Plauderstuendchen mit einer zuefaellig getroffenen Oltnerin ist dabei inbegriffen).

In Jasper gefaellt es uns noch besser als vor drei Jahren! Verschiedene Zeichen (extrem grosser Regenbogen, aus dem Schlaf reissende Sternschnuppe, verlockende Jobangebote und skiliftsnahe Unterkunftsmoeglichkeit) sagen uns eindeutig, dass wir hier einfach laenger bleiben muessen. Vorlaeufig tun wir das auch fuer 4 Tage. In dieser Zeit stuermen wir (...yperaktiv wie wir nach der langen Autofahrt sind) einen Berg in zweieinhalb Stunden, anstatt wie angegeben in 5 Stunden. Da sonst anscheinend niemand so verrueckt ist wie wir und alle anderen Touris mit der Gondel rauffahren (...dabei aber nicht weniger als wir ins Schwitzen kommen), schmuggeln wir uns anschliessend als blinde Passagiere in die Gondel talwaerts.

Nach diesem Fitnessparcours geniessen wir die Abkuehlung im wunderschoenen, stahlklaren "Lake Annette" und amuesieren uns ueber die vielen Touris, die beim Eintauchen einer Zehe vor Kaelte erstarren. Dabei liegt die geschaetze Wassertemperatur doch bei angenehmen geschaetzen 18 Grad. Wir finden es hier so schoen, dass wir beschliessen, die Nacht in unseren wohligwarmen Schlafsaecken (und einem Muetzli) auf dem Holzsteg zu verbringen und dabei die Sternen (und Sternschnuppen) zu beobachten. Aber einmal mehr macht uns ein Ranger einen Strich durch die Rechnung: Kaum warm angezogen und mit Stirnlampe ausgeruestet, klopft es laut an unsere Tuer und ein graumellierter Uniformierter weist uns darauf hin, dass er den Park schliessen muss. Redegewandt wie wir inzwischen im Englischen sind, haben wir eine passende Ausrede bereit uns fahren weiter zu einem anderen illegalen Schlafplaetzchen.

Aber frueh am naechsten Morgen geht das Geklopfe schon wieder los: Regi nimmt Blickkontakt zu Lisa auf. Ratloses Starren. Keine Bewegung. Abwarten. Erneutes Klopfen. "Parc Service!" Herzrasen. Gegenseitiges Anstarren. "Mache mer uf?" "Soelli mol useluege?" "Neiiii!" Energisches Klopfen und aergerliches "Parc Service!" Herz in der Hose. Immer noch bewegungslos. "Wei mer doch use?" "Neiiii, jetzt esch si scho haessig." Sekunden werden zu Stunden. Eiskalte Fuesse und Schweissausbrueche. Abwarten des Startenden Motors. "Soelli jetzt usseluege?" "Nei, wart no 5 Minute." Flucht in die Menschenmasse von Jasper, um unerkannt zu bleiben. Adrenalinschub haelt den Rest des Tages an.

Leider kann Banff, nach diesen legendaeren Tagen in Jasper, nicht mithalten. Deswegen verlassen wir das baustellenreiche Staedtchen nach einer Ausgiebigen Shoppingtour und einer ausgewogenen Staerkung im Mc in Richtung Calgary.

Auf den ersten Blick gefaellt uns Calgary gar nicht (laermig, stinkend, smogig, unfallgefaehrlich und verfahrend). Aber da muessen wir jetzt durch, um in "unserer" Werkstatt die defekte Wasserpumpe reparieren zu lassen (...drei Tage "Katzenwaesche" sind genug). Dank unserem freundlichen Laecheln duerfen wir sogar gratis auf dem sicheren und rangerlosen Firmengelaende uebernachten. Da wir am naechsten Morgen in aller Herrgottsfruehe (fuer Lehrer: Schulbeginnszeit) geweckt werden und unser Van in kuerzester Zeit repariert ist, geniessen wir die fruehen Morgenstunden in Downtown Calgary. Hier geraten wir wieder einmal ungeplant in ein Fest hinein. Dieses mal hat es aber keine Cowboyhuete und Batikroecke, sondern lauter bunt angezogene Chinesen.

Fazit:

  • "Denne, woni no gschafft ha...."
  • "Play death early!" (...wenn ein Ranger kommt)
  • Fuer eine Wanderung in einem Baerengebiet immer genuegend Gespraechsstoff bereit halten.
  • Calgary hat ja gar kein Skigebiet!

2 Kommentare 22.8.07 22:10, kommentieren

Calgary - Milk River - Yellowstone - Grand Teton - Salt Lake City

Auf der Fahrt von Calgary in Richtung Grenze befallen uns erste Zweifel, ob wir wirklich in die USA einreisen wollen. Eindeutige Zeichen sprechen dagegen: wirbelsturmartige Boeen fegen uns fast von der Strasse, sintflutartige Regenfaelle lassen uns im Schneckentempo vorankommen und rauchige Luft von Waldbraenden laesst uns kaum mehr atmen. Aber wir geben nicht auf (waren schliesslich mal Lehrerinnen!) und kaempfen uns tapfer bis zur amerikanischen Grenze durch. Dieses mal haben wir uns im Voraus gut auf den Akt der Grenzueberschreitung vorbereitet (die Unterlagen bereit, Kuehlschrank geleert, Witze unterdrueckt, Finger fuer eventuelle Fingerabdruecke gewaschen und Laecheln perfektioniert). Doch alle Muehe hat sich gelohnt und wir sind innert zwei Minuten ueber die Grenze.

Vom Yellowstone Park sind wir im wahrsten Sinne des Wortes Feuer und Flamme. Wo wir auch hinschauen brodelt und dampft es aus dem Boden (fuer Lehrer: unter dem Yellowstone Park befindet sich ein Supervulkan). Aus dem Staunen kommen wir, beim Anblick des Ausbruchs des Old Faithful Geysyrs, nicht mehr raus. Neben dem Zischen geht ein lautes Ahhh und Ohhh durch die Menge, in das wir natuerlich voller Ironie lauthals einstimmen.

Benebelt von den Schwefelgeruechen fahren wir ueber den Grand Teton NP nach Salt Lake City (fuer Lehrer: die Stadt der Mormonen!). Wissenshungrig wie wir sind, gehen wir zielstrebig ins Zentrum aller Heiligtuemmer und machen doch gleich eine halbstuendige Gratisfuehrung mit. Da unsere Gruppe leider nur aus sechs Personen besteht, koennen wir nicht in der Masse untertauchen und unser Laecheln auf den Stockzaehnen nicht verbergen. Schlussendlich entschliessen wir uns, trotz allen Bekehrungsversuchen, kein Buch der Mormonen zu kaufen, nicht dem Chor beizutreten und unsere Namen zu behalten. Obwohl uns die sprechende Heiligenstatue (huchh...wo kommt die Stimme her?!) und uns das Abschlussliedchen der beiden jungen Tourifuehrerinnen schwer beeindruckt haben. Befluegelt lverlassen wir die Stadt.

Fazit:

  • This is the place!
  • In extrem komischen Situationen Blickkontakt vermeiden.
  • Staendiger und ploetzlicher Fahrbahnwechsel scheint hier Nationalsport zu sein.
  • Beim Alkoholkauf auch in unserem Alter (geschaetzte 17!!!) immer den Ausweis dabei haben.

1 Kommentar 24.8.07 20:02, kommentieren

Salt Lake City-Moab-Arches NP-Canyonlands-Monument Valley-Lake Powell

Es wird heisser und heisser, wir kommen immer wie weiter ins Wuestengebiet, trinken wie zwei Kamele (...meistens Wasser) und suchen jeweils zur Siestazeit die kuehlsten Schattenplaetzchen auf. So auch in Moab: Am Morgen angekommen, lassen wir uns ueberlebenswichtige Tips im Visitorcenter geben, verbringen den Nachmittag mit einem riesiegen Fruchtsmoothie in einem sehr gemuetlichen und durchaus sehr kuehlen Caffee, wo wir einem unserer neuen Lieblingshobbies (= Leutebeobachten) nachgehen und wagen uns am Abend in den Arches NP. Dort bestaunen wir den traumhaft schoenen Sonnenuntergang unter einem der unzaehligen Arches und glauben, wir sind in einen Filmabspann geraten. Beim anschliessenden Sternebeobachten vergessen wir komplett die Zeit, beschliessen aber trotzdem am naechsten Morgen frueh aufzustehen, um den Sonnenaufgang zu sehen.

Leichter gesagt als getan: Nach einer Stunde doesen, werden wir um fuenf Uhr morgens auf brutalste Weise vom Wecker geweckt (...erinnert uns irgendwie an geregelte Arbeitszeiten). Waehrend ich sofort auf den Beinen bin und am liebsten gleich losfahren moechte, zieht Lisa morgenmufflig den Schlafsack ueber die Ohren. Ich brauche all meine Ueberzeugungskraft um Lisa (im Schlafsack) auf den Beifahrersitz zu bewegen. Wir muessen wohl nicht erwaehnen, dass die Fahrt zum Ausgangspunkt unserer Sonnenaufgangswanderung ziemlich wortkarg verlaeuft. Aber alle Muehe hat sich mal wieder gelohnt und wir bestaunen die wunderschoenen Kulisse.

Als die ersten Touris keuchend auftauchen und zu einem Stoerfaktor fuer unsere Fotolinse werden, wandern wir leichtfuessig (..nicht zu verwechseln mit leichtsinnig oder schweissfuessig...) zum Auto und fahren zum Ausgangspunkt der zweiten Wanderung dieses Tages. Energiegeladen wie wir nun BEIDE sind, nehmen wir die groesstmoegliche Route (9 Meilen) mit einer grossen Flasche Wasser und bei 35 Grad im Schatten in Angriff. Nach einer Stunde werden wir langsam schwerfuessig (...nicht zu verwechseln mit schwerfaellig!) und die Wasserflasche wird langsam beaengstigend leicht. Erste Fatamorganas tauchen in der flimmernden Wuestenluft auf. Das Wasser wird in kleinen Schlucken schwesterlich eingeteilt. Als wir die Hoffnung, eine Oase zu finden, schon fast aufgegeben haben, nimmt zum Glueck der Menschenstrom zu und wir erreichen die langersehnte Wasserquelle. Nun trinken wir wie zwei Tromedare.

Sowohl im Canyonlands NP als auch im Monument Valley fineden wir superschoene Schlafplaetzchen mit phaenomenaler Aussicht (Muessen wir noch speziell erwaehnen, dass sie fuer uns gratis sind?). Doch der schoenste Schlafplatz bringt nichts, wenn man vom Schlafen abgehalten wird. In der einen Nacht schwitzen wir den Schlafsack nass und in der anderen ist unser Van (...mit wertvollem Inhalt...) Blitz, Donner, Regen und Windboeen ausgesetzt.

Zerknittert und uebernaechtigt fahren wir in der bruetenden Hitze zum Lake Powell, wo wir uns von diesen Strapazen erfrischen und erholen muessen.

Fazit:

  • Gewitter kann es auch im Gemueseregal geben.
  • Ein sprachlicher Flapsus kommt selten allein.
  • "Maestro, magge du mir di Aare ?"
  • Sprich niemals deine boesen Gedanken laut aus, sie koennen schnell Realitaet werden (Blitz!).
  • Es kann kein gutes Zeichen sein, wenn die Assgeier in der Wueste ueber uns kreisen!

1 Kommentar 31.8.07 23:40, kommentieren