Cordoba-Mendoza-Cordoba (Part 2)

3.Tag

Nach dem Hoehenflug des vorherigen Tages beschlossen Lies und ich, am zweitletzten Tages unseres Mendoza-Abenteuers den Nationalpark mit dem beruehmten Aconcagua aufzusuchen um dort etwas zu wandern (… und die leeren Adrenalinzellen wieder aufzufuellen… ). Natuerlich bereiteten sich die zwei Lehrerinnen vorbildlich auf den Ausflug vor (…huestel… ). Sie stellten fruehzeitig den Wecker (...jedenfalls fuer argentinische Verhaeltnisse… ), deckten sich mit Nahrungsmitteln (=Kracker) und Energydrinks (=Wasser) ein und informierten sich im Touristenbuero (=Lehrling im Hostel), wie lange denn die Busfahrt in den Park dauern wuerde. “2 Stunden” wurde uns, ohne mit den Wimpern (…oder etwas anderem… ) zu zucken, gesagt. Nun gut, da mussten wir uns ja nicht beeilen (…glaubten wir… ) und wir hatten ausserdem noch genug Zeit, ein oder zwei Stationen frueher auszusteigen um die “Puente del Inca” zu besichtigen (…dachten wir… ). Den Rest des Weges zum Nationalpark konnten wir ja dann im schlimmsten Fall auch zu Fuss zuruecklegen (…nahmen wir an… ). So weit, so gut.

Die Realitaet sah dann aber wieder mal etwas anders aus (…merkten wir… ). Na ja, die Anzeichen waeren eigentlich schon auf dem Weg zum Busbahnhof erkennbar gewesen, als mir der verrueckteste aller hier getroffenen Taxifahrer (…und dies ist eine Auszeichnung, die man nicht umbedingt will!) augenzwinkernd seine Facebookadresse in Krakelschrift entgegenstreckte (...ich hab’s ja schon immer gewusst, ich bin ein Weirdo Magnet!!!). Ich ueberlegte mir kurz, als Abschreckung meinen Lehrer-Rotstift zu zuecken und die Fehlerstellen zu markieren, liess es aber dann doch bleiben. Im Anschluss an dieses reizvolle Angebot (…huestel… ) verliess unser Bus mit Verspaetung (Warum verwundert mich dies, nach 4 Monaten oeffentlichem Verkehr in Argentinien nutzende Schweizerin, eigentlich noch immer?!) das Terminal und aus 2 versprochenen Fahrstunden wurden schnell mal 4. Dies brachte unsere gut durchdachte (Grob-) Planung natuerlich etwas durcheinander. Nicht zuletzt auch deswegen, weil wir das Rueckfahrtsticket ebenfalls schon zuvor kaufen mussten um einen Platz zu ergattern. Kurz gesagt, es blieben uns knappe 2 Stunden um die “Puente del Inca” (…uebrigens ein Tip eines Einheimischen, jaja!)  zu fotografieren, unser ausgewogenes Picknick zu verspeisen, in den Park zu wandern und den Aconcagua zu bezwingen (…ok, oder wenigstens zu fotografieren… oder mindestens zu sehen… ). Uns wurde schnell klar, dass dies wohl den Zeitrahmen etwas sprengen wuerde (… wir waren zwar nicht sooooo super vorbereitet, aber auch nicht sooooo bloed… ). So blieb es halt bei der Besichtigung der beruehmten Salz-Bruecke (=13 Minuten), einem ausgedehnten Mittagessen in der Sonne (=47 Minuten) und einem Besuch des Marktes (59 Minuten). Dort ueberlegten wir uns kurz, ob wir wohl einen dort angepriesenen “Bag Of Energy” (=Saeckli mit stink-normalen Steinen!) fuer 20 Pesos kaufen sollten, um die 4 Stunden Rueckfahrt zu ueberstehen, enschieden uns dann aber doch fuer etwas handfestere Gegenstaende (…Schmuck und so… ). Anschliessend warteten wir im inzwischen aufgezogenen Sturm und Regen (“Lies, packst du eine Jacke ein?” ”Nein, nein, heute regnet es bestimmt nicht!” ”Ok, in dem Falle lasse ich meine auch hier…&rdquo  auf den Bus, der uns dann (…stark heruntergekuehlt wie immer!) durch den Stau (!) nach Hause brachte (…aber wenigstens HAETTEN wir heute unsere Kreditkarten und genug Bargeld dabei gehabt!).

 

4.Tag

Nach dem Schonprogramm (…mit Schleudergang am Ende… ) des vergangenen Tages freuten wir uns wie kleine Kinder (…schon wieder… muss wohl am Beruf liegen… ) auf den River Rafting Ausflug. Der sollte der (schaum-) kroenende Abschluss unseres Mendoza-Aufenthaltes warden. Aber aus irgendwelchen Gruenden sollte auch dies nicht sein (…dieses Mal konnten wir aber keine Vorzeichen erkennen… ). Wir wurden am Morgen naemlich einfach vergessen! Nicht abgeholt! Auf dem Abstellgeleise zurueckgelassen! Nicht auf die Liste gesetzt! Wie Kehrichtsaecke am Strassenrand vergessen! Uebersehen (… muss man sich mit fortschreitendem Alter an sowas gewoehnen?!)! Na ja, wenigstens bekamen wir das am Vortag bereits bezahlte Geld problemlos wieder zurueck (…und die schuldbewussten Gesichter im Adventure-Buero waren ganz lustig zu beobachten… ) und waehrend wir im Kaffee um die Ecke einen Frappucino mit Rahmzuschlag goennten (…falscher Zeitpunkt um sich das Frustessen abzugewoehnen!), ueberlegten wir uns, was wir mit dem angebrochenen Tag anstellen koennten (…das heisst, Lies fluchte wie ein Rohrspatz und ich stoeberte lustlos in meinem Reisefuehrer… ). Da flatterte uns ein tags zuvor gesichteter Flyer einer Motorradvermietungsfirma in die Haende. Das waer doch was!

Gelesen, gesucht, gebucht, getan. Ein Stuendchen spaeter tuckerten wir (…ohne einmal einen Fahrausweis gezeigt zu haben… ) mit einem echten Motorrad (HOUHOUHOU!) durch Mendoza (Ja Mami, MIT Helm!) und waren wieder gluecklich! Unser Ziel war ein kleines Doerfchen namens Cacheuta, 40 Kilometer ausserhalb des Wein-Staedtchens (…die uns im Vermietungsbuero empfohlene Weindegustationstour lehnten wir in Anbetracht der hier herrschenden Strassenverhaeltnissen wohlweislich ab!). Dort wollten wir in einem (ACHTUNG!) angeblich schoenen und ruhigen Fluesschen baden. Gefunden haben wir jedoch ein kuemmerliches Rinnsal in einer kargen Berglandschaft ohne Aussicht auf irgendetwas. Ausserdem fielen bei unserer Ankunft dort die ersten Regentropfen (…wahrscheinlich die ersten seit Monaten!) und Windboeen erschwerten das Lenken etwas. Jaja, Fortuna schien uns auch hier nicht gefunden zu haben. Deshalb kehrten wir halt wieder zurueck nach Mendoza und ersetzten das Bad im Fluss durch eine Dusche im Hostel, bevor wir uns wieder in einen Nachtbus nach Cordoba setzten. Wenigstens schlief ich aber wesentlich besser als dies auf der Hinfahrt der Fall war (…man soll ja am Ende eines Tages immer das Positive sehen, oder?).

 

Hey Leute, ich weiss nicht, ob ich meinen letzten Blogeintrag (…mit Fazit, Rueck- und Ausblick, neusten Erkenntnissen und natuerlich mit allen vergessenen Fettnaepfchen!!!) noch vor meiner Rueckreise in die Schweiz schaffe! Falls nicht, moechte ich euch an dieser Stelle schon mal ganz herzlich dafuer danken, dass ihr so fleissig (…ich nehm’s jetzt mal an… grummel!) meinen Blog gelesen und somit einen Teil meines Lebens hier mitverfolgt habt! Auch danke ich all denjenigen, die mich in den letzten Monaten mit Mails, Briefen, SMSen oder Blog-Kommentaren unterstuetzt haben. Zwar konnte ich nicht immer alle Schreiben wie gewollt beantworten (...und das Kartenschreiben fiel dieses Mal ganz weg, sorry!), ich habe mich jedoch ueber jedes einzelne sehr gefreut! Ohne euch waere dieses Abenteuer (…vor allem die ersten drei Monate!) gar nicht erst moeglich gewesen. DANKE!!!

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Cordoba-Mendoza-Cordoba (Part 1)

Mendoza, Stadt der guten Weine, langen Ausritten zu Pferde und gemuetlichen Wanderungen durch die Anden.” So oder aehnlich wurde uns dieser Ort im Voraus angepriesen und so habe ich ihn auch von meinem ersten Besuch her in Erinnerung. Nach meinem zweiten Aufenthalt dort lautet mein persoenlicher Werbeslogan aber eher wie folgt: “Mendoza, Stadt der unbegrenzten Adventure-Moeglichkeiten, falschen Auskuenfte und des unkontrollierbaren Adrenalinzuschusses.” Dies schreit nach einer Erklaerung, oder ?

 

1.Tag

Nach einer durchzechten Nacht im Bus von Cordoba nach Mendoza (…”schlaflos” waere wohl ein passender Ausdruck, klingt aber nicht so aufregend... ) beschlossen Lies und ich erst mal ein Nikerchen im Hostel zu halten (…man muss ja nicht immer gleich alles ueberstuerzen, oder?). Danach liessen wir uns mit den Menschenmassen durch das Staedtchen (…und bloederweise auch durch einige Shops und Kaffees... ) gleiten. Dabei sprach uns ein etwas “veschuepft” wirkender Mitarbeiter einer Adventure-Organisation an und weil (…und natuerlich nur deswegen!) wir Mitleid mit dem armen Jungen hatten (…oder war der Spruch “This is my first day and I'm a little bit nervous”, wohl nur eine Touri-Masche?!), folgten wir ihm ins nahe gelegene Buero. Nach dem Power-Nikerchen waren wir eh in Abenteuer-Laune!

15 Minuten spaeter verliessen eine sehr glueckliche Schweizerin und eine mit Angstschweiss ueberstroemte Belgierin das Adventure-Buero. In ihren Taschen steckten je ein Ticket fuer einen Paragliding-Flug am naechsten Tag. Diese Idee war natuerlich mal wieder auf dem Mist der Erstgenannten gewachsen und die Zweitgenannte hatte gar keine andere Wahl (Was heisst hier Flugangst?! Wie bist du denn nach Argentinien gekommen, hae?!)! Doch ihr Wunsch sollte zwei Tage spaeter in die Tat umgesetzt werden (…siehe 3.Tag).
Den Rest des Tages brauchten wir dann zum Kraefte sammeln (…hier sind verschiedene Interpretationsmoeglichkeiten zugelassen... ) und zum Beruhigen von Lies angeschlagenen Nervenstraengen (“WHY am I doing this?!”/”I don’t LIKE you anymore!”/”Let’s go for our LAST dinner!”/usw... ).

 

2.Tag

PUENKTLICH (What the hell!) um 9 Uhr am folgenden Morgen holte uns Jack Black (…auf jeden Fall sah der Typ GENAU SO aus!) in unserem Hostel ab. Mit von der Partie (…fuer Lies wohl eher keine Party... ) waren auch noch ein Kalifornier, eine Texanerin und vier junge Israelinnen (…Es herrschte also eine Bombenstimmung im Buessli!). Zu neunt liessen wir Mendoza hinter uns und Jack Black steuerte den kleinen Bus munter auf einen beachtlich hohen Huegel zu. Waehrend ich vor Vorfreude in die Haende klatschte und wie Atomkraftwerk strahlte, wurde Lies immer wie bleicher und stiller (…was SEHR ungewoehnlich fuer sie ist!). Doch mit Hilfe einiger bloeden Spruechen konnte ich ihr dann doch noch eine Reaktion entlocken (…und wenn es in diesem Fall auch nur ein mir entgegengestreckter Mittelfinger war... ).

Auf dem Landeplatz angekommen, trafen wir dann endlich auch auf unsere Flug-Guides und die Schirme (…sah soweit alles ganz stabil und gut aus ) und es wurde eine erste Selektion getroffen, da nicht alle miteiander in dem vierradangetriebenen Jeep auf den Huegel gekarrt werden konnten. Waehrend die Israelinnen (…mit den Worten “YOU FOUR: FIRST!" ) als erstes einsteigen durften (…oder im Falle von Lies wohl eher “mussten”… ), warteten Lies und ich zusammen mit den Amis auf dem Landeplatz bei einem kuehlen…..Wasser (Jaja, das ist leider wahr... ) auf die Landung der vier jungen Chicas (…wollen mal schauen, ob die Schirme halten… ). Dabei herrschte eine recht lockere Stimmung (…mal abgesehen von dem etwas trockenen, texanischen Brot… ) und wir stellten Vermutungen an, ob wir auf unserem bevorstehenden Flug wohl auch die chilenische Grenze ueberfliegen wuerden und mit einem Abschuss rechnen muessten, falls wir zuvor nicht all unsere Aepfel auf argentinischem Boden abwerfen wuerden (siehe letzter Blogeintrag!). Doch nichts dergleichen geschah und die vier Teenies landeten vor unseren Augen auf sicherem Terrain. Lies bombardierte (…geschickte Wortwahl, nicht?!) diese sofort mit Fragen, welche sie stark zu beschaeftigen schienen. Da die vier Israelinnen jedoch etwas Muehe mit der Englischen Sprache hatten, verstaerkten sie ungewollt Lies Aengste, was mich wiederum sehr belustigte (Tschuldigung!). Hier der Wortwechsel, der beinahe zu einem internationalen Konflikt gefuehrt haette:

 

Lies      “How was your flight?”


Israelin  “Great!!!”

Lies       (schaut kritisch)


Israelin   “No, no, really! It isn’t that bad when you're standing on the CLIFF!”


Ich        (trinke ahnungslos Wasser und verschlucke mich beim Wort CLIFF, kann mein Lachen und Husten aber gerade noch unter Kontrolle halten)


Lies        “Oh! There's a cliff?!”


Israelin    “No, no, don’t worry! There is a man who pushes you off the cliff!”


Lies        (reisst entsetzt die Augen auf)


Ich        (kann das Wassertrinken und Lachen nicht mehr unter einen Hut bringen und pruste der ahnungslosen Israelin unkontrolliert das Wasser entgegen ! Nur dank einer sehr schweizerisch-diplomatischen Art konnte ein Konflikt in letzter Sekunde abgewandt werden! )

 

Nach dieser etwas peinlichen Situation war ich froh, dass es endlich losging (…und wir uns von den Israelinnen verabschieden konnten… ). Die beiden Amis, Lies und ich durften in den Jeep steigen und wurden hinauf zum Startplatz gekarrt. Dieses Gefuehl ist etwa mit jenem vergleichbar, wenn man auf einer Achterbahn sitzt, langsam den hoechsten Punkt anstrebt und darauf wartet, dass man auf der anderen Seite in rasantem Tempo herunter braust und dabei die Haende in die Luft werfen kann (…oder nach einem Kotztuetli greift… ). Lies erbleichte noch etwas mehr, was nun sogar den Fluglehrern auffiel und sie versuchten mit allen Mitteln, sie zu beruhigen (Na ja... ). So meinte einer etwa (…ich uebersetze mal frei von der Leber weg, weil ich das ja so gut kann... ): “Keine Angst, wir sind SEHR erfahren. Wir haben unsere Lizenzen zwar erst seit einer Woche, aber wir waren jeden Tag in der Luft, EHRLICH!” Allgemeines Gelaechter (…arme Lies!)!
Auf dem Berg wurde dann die Blonde mit dem groessten Mundwerk (=ICH) zuerst ausgewaehlt und vom grossen, schwarzen Mann vom Cliff gestossen (…um die Worte der Israelin zu verwenden…. ). Ich genoss den Flug von der zweiten Sekunde an in vollen Zuegen! Immer wie hoeher schraubten wir uns (…oder besser gesagt, ich liess mich schrauben… ) in die Luefte und ich knipste fleissig drauflos, bis der Startplatz unter uns nur noch winzig klein erschien (...Trotz der grossen Entfernung glaubte ich jedoch, darauf eine kreidenbleiche Gestalt gesehen zu haben… ). Unbeschreiblich! Wunderschoen! Unvergleichbar! Gluecklich!
Als wir eine knappe halbe Stunde spaeter wieder festen Boden unter den Fuessen hatten, sprang mir eine ebenso glueckliche Lies (…mit wiedererlangter Gesichtsfarbe… ) entgegen und dankte mir als erstes, dass ich sie zu diesem Flug ueberredet hatte (...an dieser Stelle ist wohl ein HERZLICHEN GLUECKWUNSCH, LIES angebracht, oder? ). Dies schrie geradezu nach einer Fortsetzung und so buchten wir noch am selben Nachmittag fuer den vierten und letzten Tag eine Riverrafting-Tour bei derselben Organisation.

 

Mehr dazu aber im zweiten Teil meines Berichtes, den ich uebermorgen ins Netz stellen moechte (Ihr koennt euch in der Zwischenzeit ja etwas Popcorn oder so besorgen… )!

 

Besos a todos  und fuer die, die es noch nicht wissen und gerne wissen moechten (…alle anderen muessen an dieser Stelle nicht mehr weiterlesen!): Ich lande am folgenden Donnerstag, den 3.2.2011, um 18.20 Uhr in Zuerich (…wahrscheinlich aber in einem Flugzeug und nicht mit einem Paragliding-Schirm… )!   

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Cordoba - Puerto Madryn - Calafate - Ushuaia - Buenos Aires - Cordoba (Part 3)

9.Reisetag (Ushuaia)
Ok, ich gebe es auf! Auch diese Reise ist nicht dafuer geeignet eine Diaet zu starten und schon gar nicht heute! Nach einem reichhaltigen Fruehstueck ging’s naemlich mit unserem Bus in einen nahegelegenen Skiort (…die einzige Moeglichkeit dabei ein paar Kalorien zu verbrennen bestand darin, die Stufen des Cars hinauf und hinunter zu steigen… ). Dort wurde uns ein landestypisches Mittagessen vorgesetzt: Cordero. Das mag nun fuer Unwissende sehr fremdlaendisch, lecker und aufregend klingen, ist aber nichts weiter als “Laemmli am Spiess” (OOOOOOOOOOH!!!). Doch das Wissen, ein so haerziges Geschoepf zu verschlingen (Denkt doch bitte nur mal kurz an die Wollana-Werbung!), reicht den fleischliebenden Argentiniern nicht. Nein, sie muessen der Kundschaft GANZ genau vor Augen fuehren, WAS sie gleich verzehren werden. So wurden wir an diesem Tag auf dem Weg vom Bus zum Mittagstisch an einer grossen, offenen Feuerstelle vorbeigefuehrt, um die herum rund 15 Schoefli (…zum Glueck bereits ohne Koepfli!) zum Raeuchern aufgespiesst waren (Fotos folgen, ob ihr wollt oder nicht!). Da ich nicht als falsche Vegetarierin auffallen wollte (…das haette hier zu meinem gesellschaftlichen Ausschluss gefuehrt... ), stuerzte auch ich mich ins Essensgefecht und ich muss zugeben, dass es (…wenn man das Hirn mal kurz ausschaltet… ) gar nicht mal so schlecht geschmeckt hat (…und “geboeckelt” hat es auch nicht… ). Aber um auf die Liste meiner 10 Lieblingsgerichte zu gelangen, reichte es dann doch nicht ganz. Dafuer mundete Wessel und mir der Hauskaffee (=Café del Mono) um so besser! Der war naemlich mit verschiedenen Schnaepschen und Gewuerzen angereichert, war im Preis inbegriffen (!!!) und stand, wohlriechend, in einem grossen Topf am anderen Ende des Raumes. Wenn man ein Taesschen davon haben wollte, musste man also zwischen all den Tischen und essenden Leuten hin und wieder zurueck marschieren. Dies hinderte Wessel aber nicht daran (…jedes Mal fleissig und unschuldig nach links und rechts laechelnd… ), sechs Mal den grossen Topf mit seiner Tasse anzusteuern. Nummer 7 und 8 musste ich ihm dann jedoch bringen, da es ihm zu peinlich wurde (…und seine Schritte nicht mehr ganz so gerade verliefen wie am Anfang… ). Hollaender in Argentinien nach uebermaessigem Kaffekonsum beschwipst gesehen: CHECK!
Nachdem die Zunge nach dem Mittagessen gelockert war, ging die Sache mit dem fliessend Spanisch sprechen auch wieder viel besser (…glaubten wir auf jeden Fall!). So lag auch wieder mal ein Plauderstuendchen mit einem netten, aelteren Ehepaar drin. Die gute Frau (…wiederum fleissig meine Wange taetschelnd… ) schaetzte mein Alter doch tatsaechlich auf suesse 21 (…muss ich hier noch speziell erwaehnen, dass ich sie besonders sympatisch fand?!).
Genauso lustig und locker war dann auch der Abend, den die drei blonden “Geschwister” mit Nestor und ein paar wenigen, hartgesottenen Mitreisenden im Irish-Pub des Staedtchens verbrachten und……ZENSUR….. .

 

10.Reisetag (Ushuaia)
Da dieser Tag eher muede vorueberschlich (Neinnein, das hat nichts mit dem Vorabend zu tun!) und der Nationalparkbesuch eher ernuechternd war (…hehehe, kleines Wortspiel fuer Clevere… ), bleibt mir hier etwas Zeit und Platz ueber ein weiteres, hier weit verbreitetes Phaenomen zu berichten: das “Ich-frag-mal-bloede-nach-weil-ich-die-ersten-drei-Male-nicht-zugehoert-habe-Symptom”. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Nestor erklaerte der ganzen Gruppe mindestens drei Mal (…durch Mikrophon… konnte also nicht am Hoergeraet liegen… ), dass am Dienstag eine City-Tour durch Ushuaia stattfinden wuerde und jeder, der daran Interesse haette, sollte dies doch bitte mit einem Handzeichen bestaetigen (…sogar die Auslaender im hinteren Teil des Busses hatten verstanden!). Alle Haende flogen nach oben und die Tour fand am besagten Dienstag statt. Am Mittwoch (…also am Tag NACH der City-Tour!) kann man, wenn man den argentinischen Pass besitzt, doch tatsaechlich und ernsthaft (…und vollkommen nuechtern!) fragen, wann denn nun genau die City-Tour anstehe. Auch dieses Beispiel ist leiden kein Einzelfall (siehe Toiletten-Geschichte im ersten Teil des Reiseberichtes), ist aber bestimmt auch in anderen Laendern anzutreffen (…ich kam mir vor, wie im Sprachlabor in der Kanti… da mussten wir einen Satz auch drei Mal hoeren und korrekt wiedergeben… ).

 

11.Reisetag (Ushuaia-Buenos Aires-Cordoba)
Heute stand der Abschied vom groessten Teil der Reisegruppe und unserem Reiseleiter an. Waehrend die meisten naemlich die rund 4000km, welche wir in den vergangenen 10 Tagen etappenweise zurueckgelegt hatten, innerhalb von drei Tagen wieder zurueckfahren wollten (Das KANN nicht lustig sein!), reisten 12 Priviligierte (…inklusive den drei reichen Schnoeseln aus Europa… ) mit dem Flugzeug zurueck nach Cordoba. Dass dies eine gute Idee war, wussten wir schon zu diesem Zeitpunkt. Sie stellte sich im Nachhinein jedoch noch besser als bereits gedacht heraus. Da tags zuvor naemlich bei einem Streik der Faehrenfahrer zwischen Feuerland und dem Festland anscheinend eine Person ums Leben gekommen war, war die Rueckreise auf dem chilenischen Landweg an diesem Tag nicht gewaehrleistet….. und tatsaechlich! Zurueck in Cordoba hoerten wir, dass unsere Mitreisenden zuerst ganze zwei Tage an der chilenischen Grenze auf Feuerland festsassen, nicht ausreisen durften und am dritten Tag nach Ushuaia zurueckkehren mussten um von dort ebenfalls einen Flug zurueck nach Cordoba zu buchen (…ob der arme Bus ganz alleine am Ende der Welt zurueckgelassen wurde, ist der Redaktion jedoch nicht bekannt.).

 

Zum Schluss meines Reiseberichtes ans "Ende der Welt" habe ich euch noch die vier verherendsten Versprecher zusammengestellt (...und die stammen also NICHT alle aus meinem Mund!):

  • Der argentinische Fremdenfuehrer, der uns den Perito Moreno Gletscher schmackhaft machen wollte, uebersetzte sein Wissen auch ins Englische und wollte uns unter anderem mitteilen "...and then, we will focus on the glacier." Heraus kamen aber die Worte: "...and then, we will fuck us on the glacier."

  • Etwas spaeter (...nachdem sich die drei Auslaender im hinteren Teil des Busses die Lachtraenen aus dem Gesicht gewischt hatten... ) meinte er dann auch noch: "Afterwards we are living on the glacier." Gemeint hatte er aber wohl: "We are leaving the glacier."

 

  • An dem besagten Abend im Irish-Pub war ich in recht guter Stimmung (...die hatten dort naemlich einen guten Tee!) und wollte meinen Spanisch sprechenden Mitreisenden entschuldigend mitteilen, dass ich heute wohl etwas peinlich sei. Da mir das Wort "peinlich" in Spanisch nicht in den Sinn kam, uebersetzte ich frisch von der Leber weg (...das klappt sonst auch immer!): "Hoy estoy un poco embarasado", was so viel bedeutet wie:"Heute bin ich etwas schwanger."

 

  • Als mich Wessel und Christine in einem der wenigen serioesen Momenten mal fragten, was denn meine Eltern arbeiten wuerden, meinte ich: "My parents are retarded." (Ach kommt schon, dieser Fehler haette euch also auch unterlaufen koennen!) 

13 Tage bleiben mir noch, bevor ich wiederum am Flughafen von Cordoba stehe und ein Flugzeug in Richtung Heimat besteige. Was ich bis dahin noch mache? Glaubt mir, langweilig wird es mir hier bestimmt nicht! Heute Abend fahre ich zusammen mit der Belgierin Lies nochmals fuer vier Tage nach Mendoza. Das letzte Mal habe ich in einem Tag nicht gerade viel von diesem Wein-Staedchen gesehen (…abgesehen von einigen Bodegas... ) und meine damaligen Mitreisenden kannten ja nicht mal den Aconcagua (siehe fruehere Berichte!). Also auf zu neuen Abenteuern! Dieses Mal aber richtig!

 

Un beso y nos vemos pronto!!!

3 Kommentare 20.1.11 19:23, kommentieren

Cordoba - Puerto Madryn - Calafate - Ushuaia - Buenos Aires - Cordoba (Part 2)

5.Reisetag (Puerto Madryn-El Calafate)
Nach tagelangem Fahren durch eine eher unspektakulaere und karge Landschaft war der Anblick des bunten, touristisch angehauchten Staedtchens El Calafate, am Ufer eines Sees und inmitten “echter” Berge gelegen (Aaaaah, fehlen nur noch Heidi und Peter!), eine echte Wohltat! Zudem wurden wir in einem Hotel einquartiert, welches anscheinend nicht zu den billigsten zaehlte (…billig war nur der kappute Foehn, der demolierte Safe und der braune Fruchtsalat… ). Als Christine, Wessel und ich dann auf einem Erkundungsspaziergang auch noch unaufgefordert von 5 streunenden Hunden begleitet wurden (Ich habe nur einen von ihnen geknuddelt, EHRLICH!), war fuer mich der Ankunftstag perfekt.

 

6.Reisetag (El Calafate)
An diesem Tag stand ein “Mini-Trekking” auf dem beruehmten Perito Moreno Gletscher auf dem Programm. Allein die Bezeichnung “Trekking” liess mein schweizer Herz nach wochenlangem Huegel-und-Stadt-Dasein etwas hoeher schlagen und weckte natuerlich gewisse Erwartungen in mir (…beim Anblick meiner Wandergenossinnen in Leggins und Turnschuhen schliefen diese aber schnell wieder ein!).
Aber alles der Reihe nach: Da wir an diesem Morgen “erst” um 9 Uhr gletschertauglich vor der Tuere stehen mussten (Das ist ja wie in den Ferien…Ach, ich BIN ja in den Ferien!), glaubten wir genuegend Zeit zum Packen UND fruehstuecken zu haben. Doch die Argentinier waren wieder mal fuer eine Ueberraschung gut! Eine Stunde zu frueh wurden wir per Zimmertelefon aus dem Tiefschlaf gerissen und ein gestresster Nestor teilte uns mit, dass wir JETZT und AUF DER STELLE fruehstuecken gehen sollten , da wir “etwas frueher” als geplant los mussten (…”etwas frueher” fuer Regi= 5-10min.). In Eile (…und unter nervoesen Blicken unseres Guides… ) verschmaehtn wir dann halt den groessten Teil des Fruehstueckbuffets (What a waste!), stopften ein paar warme Sachen in unsere Rucksaecke und wurden um 8.30 Uhr in den bereits wartenden Touri-Bus gepfercht. Der traf, wie wir spaeter erfuhren, um 8, und nicht wie angekuendigt um 9 Uhr, ein. Na ja, mit einer Verspaetung von einer halben Stunde lagen wir im argentinischen Rahmen der erwarteten Unpuenktlichkeit und ernteten deshalb keine weiteren, boesen Blicke mehr.
Die Lage entspannte sich auf dem Weg in den Perito-Moreno-Nationalpark weiter. Zwischen all den neuen Gesichtern kam in unserer Reisegruppe aus Cordoba so etwas wie ein Gruppengefuehl auf (…an dieser Stelle ist KEIN Lehrerspruch erwuenscht!). Es schien ganz so, als ob unsere “Reisegschpoendli”, die wir nun seit rund sechs Tagen kannten, stolz auf “ihre” drei Auslaender waren (“Nein, nein, die drei muessen keinen hoeheren Eintrittspreis bezahlen. Die kommen auch aus Cordoba.”/“Nein, sie muessen nicht Englisch mit denen sprechen. Die sprechen besser Spanisch als wir!). Wir fuehlten uns wohl!
Der Anblick des Perito Moreno Gletschers verschlug mir dann aber, trotz schweizer Blut,  doch die Sprache (…schon wieder!): Riesige Eismassen waelzten sich zu Tale und eine mehrere Meter hohe Eiswand endete im Wasser eines riesigen Sees. Alle paar Minuten stuerzten kleinere oder groessere Eisbloecke ins Wasser, wo sie Wellen verursachten (Cool! Ich will auf’s Schiff!) und langsam davon trieben (Hach, war das jetzt aber poetisch!). Um zum Ausgangspunkt unseres “Mini-Trekkings” zu gelangen, mussten wir ein estes Mal mit einem Schiff den Gletschersee ueberqueren und es wurde dabei wie wild von allen Seiten drauflos geknipst (An alle Daheimgebliebenen: Macht euch schon mal auf eine laaaaaaaaange Diashow gefasst ;-)!). Der kurze Spaziergang im Anschluss hatte dann zwar nicht viel mit “Trekking” zu tun (…der Begriff wurde wahrscheinlich zur Abschreckung von leggins- und stoeckelschuhetragenden Touristen gewaehlt… ), war aber trotzdem sehr schoen und amuesant. Und wer haette gedacht, dass ich im tiefsten Patagonien, irgendwo auf einem Gletscher, mit einem Tourenfuehrer ueber die Mittlere Bruecke in Basel und das Staedtchen Liestal plaudern konnte (…und das erst noch in Spanisch!)?! Zum kroenenden Abschluss wurde uns dann auf dem Perito Moreno, bei ungewohnt strahlendem Sonnenschein, noch ein Whisky mit Gletschereis ueberreicht. Wer denkt dabei noch an den stressvollen Morgen?!

 

7.Reisetag (Perito Moreno)
Juhuuuuuuu!!! Sechs Stunden Schiffli fahren zwischen Bergen, Gletschern und mit viiiiiiel Sonnenschein (…Regi im Paradies!). Fast wie auf dem Vierwaldstaettersee! Es wurde sogar fast so viel Schweizerdeutsch wie auf dem Vierwaldstaettersee gesprochen (Wo haben sich denn die alle versteckt in den vergangenen 3 Monaten?). Selbstverstaendlich war ich aber “undercover” unterwegs und gab mich nur EINEM Schweizer zu erkennen, den ich zwei Wochen zuvor schon in Iguazu angetroffen hatte (Laeck, der posiert genau gleich doof wie ich, mit nach oben zeigendem Daumen, fuer Fotos!). Ausserdem entlarvte mich ein aelteres Ehepaar aus Kriens wegen meinem (…anscheinend... ) “typisch schweizerischen Englischakzent” (HA!.......Mehr faellt mir dazu nicht ein… ). Ach ja, und ein nachgestelltes Titanic-Foeteli am Bug des Schiffes durfte natuerlich auch nicht fehlen (Armer Wessel musste als Leonardo-Ersatz hinhalten!).

 

8.Reisetag (El Calafate-Ushuaia)
3.45 Uhr: Tagwache!!!
4.30 Uhr: Abfahrt Richtung Ushuaia (…mit der hier ueblichen, erwarteten Verspaetung… )
Grund: zweimaliges Ueberqueren der chilenischen Grenze (…und die soll es in sich haben!)

 

Na ja, wenigstens sah ich nun auch mal einen Sonnenaufgang hier (CHECK!) … . Schon tags zuvor hatte uns Nestor GENAUSTE Anweisungen gegeben, was wir ueber die Grenze bringen DURFTEN und was VERBOTEN war. Zuoberst auf der Liste stand……ja genau, AEPFEL (Ich persoenlich finde das ja unfair den Bananen und Orangen gegenueber, aber mich fragt ja niemand… )! Bereits bei der eresten Ausreise aus Argentinien betrat ein Special-Officer unseren Bus, durchbohrte uns alle mit boesen Blicken und fragte mit scharfer Stimme, ob den wirklich KEINE Aepfel mehr mit an Bord waren. Ich bekam ein schlechtes Gewissen, da ich kurz zuvor ein solch GEFAEHRLICHES Objekt mit Haut UND Kerngehaeuse verschlungen hatte, und wie wir alle wissen, werden bestimmte Teile auch wieder GANZ ausgeschieden!!! Tat ich da was Illegales?! Ich beschloss dann aber doch fuer einmal auf  mein sarkastisches Maul zu sitzen, was bestimmt gut so war (… ausserdem waren die Kerne nach 2 Stunden Warten an der ersten chilenischen Grenze laengst wieder Teil von Mutter Natur… ).
Ganz lustig fanden wir auch die Kontrolle des Handgepaeckes mit einer Durchleuchtungs-Maschine, wie man sie sonst nur vom Flughafen her kennt. Wessel und ich gingen gluecklicherweise als ungefaehrlich durch und unsere Taschen (…negativ auf Aepfel geprueft… ), wurden nicht weiter untersucht. Christine wurde jedoch zur Seite genommen und sie musste ihr Handgepaeck oeffnen, da der Radar etwas “Apfelaehnliches” erfasst hatte (…ohne Witz!). Die Apfelpolizei fand jedoch keine Apfelbombe und musste die apfelverdaechtige Christine apfellos ziehen lassen (Ich glaube, ich kann NIE wieder einen Apfel ohne schlechtes Gewissen essen!).
Das fruehe Aufstehen, die lange Warterei an den beiden Grenzuebergaengen und das stundenlange Busfahren ueber Schotterstrassen machten diesen Tag auf jeden Fall nicht gerade zu einem meiner Lieblingsreisetage. Die Apfelstory, die windige Faehrenueberfahrt nach Terra del Fuego und einige lustige Fragen von Mitreisenden (“Seid ihr drei eigentlich Geschwister?" ) sorgten dann aber doch noch fuer etwas Auflockerung.

Liebe Gruesse und ich melde mich ganz bald mit dem dritten und letzten Teil der Patagonien-Reise-Geschichte!!!

1 Kommentar 19.1.11 00:27, kommentieren

Cordoba - Puerto Madryn - Calafate - Ushuaia - Buenos Aires - Cordoba (Part 1)

Ist es unverschaemt, nach diesen viermonatigen “Ferien” Ferien zu beantragen (…am besten natuerlich bezahlt!)?! Ich kriege naemlich so langsam das Gefuehl, meine vielen Erlebnisse und Eindruecke von hier gar nicht richtig “verdauen” zu koennen (purps!). Insbesondere die vergangenen 11 Tage, in denen ich meine Reise zum Ende der Welt unternommen habe, sind noch zu verarbeiten. Aber am besten fange ich gleich damit an:


Vorgeschichte
Wer mich schon etwas laenger kennt weiss, dass ich nicht gerade eine Anhaengerin von Gruppenreisen bin (…abgesehen von den Gruppenrabatten natuerlich... ). Trotzdem liess ich mich, wie schon mal erwaehnt, vor einigen Wochen von Christine, einer 25-jaehrigen Norwegerin (=der serioese Pol der Gruppe) und Wessel (…armer Junge! Der hat noch einen im Ausland unaussprechbareren Namen als ich!), einem 19-jaehrigen Hollaender, dazu ueberreden eine eben solche Reise zu buchen. Wer weiss, vielleicht war dies ja gar nicht so eine schlechte Idee: Ich konnte, nach Wochen im “Gefaengnis”, mein Hirn ausschalten (…ich wuensche KEINE Komentare an dieser Stelle!!!) und musste mich fuer 11 Tage um nichts kuemmern.


1. Reisetag (Cordoba-Puerto Madryn)
Als ich am Abreisetag unseren Reisebus und die rund 45 “Reisegschpoendli” sah, war ich mir jedoch nicht mehr so sicher, ob ich eine richtige Entscheidung getroffen hatte (…sogar ICH fuehlte mich in dieser Gruppe jung!). Aber es gab kein Zurueck mehr, da ich die Reise schon im Voraus bezahlt hatte (...und zudem zu faul war, all meinen Plunder wieder zurueck zu schleppen!). So stiegen die drei blonden und hellaeugigen Europaeer in den Bus voller Einheimischer ein. Da war die Frage unseres Reiseleiters Nestor (“Seid ihr die drei Auslaender?" eher ueberfluessig, aber sicherlich hoeflich gemeint.
Die ersten 24 Stunden unserer 4000km langen Fahrt in den Sueden verbrachten wir dann vorwiegend im fahrenden Bus, was fuer die Argentinier nichts Ungewoehnliches ist. Die lieben und celebrieren naemlich das Reisen mit dem Bus richtiggehend: Schlaeft man nicht gerade (…was die meiste Zeit der Fall ist... ), doest man vor sich hin, schnarcht, trinkt Mate (Was fuer eine Ueberraschung!) oder haelt ein Schwaetzchen (…vorausgesetzt man einigt sich zuvor auf EINE Sprache!). Wenn man Glueck hat, wird sogar ein guter Film gezeigt (…und Auslaender koennen dabei ihr Spanisch….perdon, Castellano…verbessern!). Und weil die drei Europaeer zu hinterst im Bus sowieso fuer alles mehr bezahlen (…mehr Infos dazu spaeter in diesem Blog... ), machten sie sich gleich auf insgesamt acht Sitzplaetzen breit, markierten so ihr Revier fuer den Rest der Reise und genossen einen Willkommensdrink, serviert von einer freiwilligen Mitreisenden in einem Pappbecher (Aha, diese Volunteer-Arbeit sollte Projects Abroad ebenfalls auf ihre Liste setzen!). So konnte es weitergehen!


2. Reisetag (Cordoba-Puerto Madryn)
Um sechs Uhr morgens (…die wollen mich anscheinend wieder auf ein Leben in der Schweiz vorbereiten!) wurden wir per Mikrophon mit einem “Holaholahola” aus einem unruhigen Schlaf gerissen. Die Herde wurde durch das enge Gatter ins Freie und anschliessend in ein kleines Restaurant getrieben, wo ein Fruehstuecksnapf auf sie wartete. Wo wir inzwischen waren? Keine Ahnung! Auf jeden Fall noch nicht in Puerto Madryn! Zu frueh um irgendwelche Fragen zu stellen oder Antworten zu erwarten. So frueh, dass Partygaenger auf ihrem Weg nach Hause torkelnd unseren Weg kreuzten (Komisch…normalerweise bin ich auf der anderen Seite.). Bevor die Herde dann aber wieder in den Stall und auf ihre Plaetze getrieben wurde, blieb noch etwas Zeit fuer einen Toilettengang, getrennt nach Maennchen und Weibchen. Warum ich dies erwaehne? Der Gang zum oertlichen Abort war eine der vielen Demonstrationen, dass die argentinische Bevoelkerung, neben all ihren guten, auch negative Angewohnheiten haben (…in diesem Fall leider egoistischer Natur... ). Hier ist es naemlich durchaus erlaubt, in Anbetracht einer langen Warteschlange in Front einer einzelnen Toilette, diese 10 Minuten lang zu besetzen um die Notdurft zu verrichten, Zaehne zu putzen (Ein Kaugummi reicht, mann!), sich zu schminken (…was in den meisten Faellen eh nicht zu einem verbesserten Resultat fuehrte!), Kleidung zu wechseln (Ein starkes Deo reicht, mann!) und weissauchnichtwasallesnoch zu erledigen. Und ich spreche hier leider nicht von einer Ausnahmeerscheinung!
Nun aber zurueck zum Tagesreport: Gegen Mittag des zweiten Tages kamen wir dann endlich an unserem ersten Etappenziel, Puerto Madryn, an. Kurz nach dem Hotel-Check-In besuchten wir auch gleich noch die nahegelegene Halbinsel Valdes (Was sind schon 4h Busfahrt nach 24h zuvor?!). Waehrend einer Bootsfahrt auf einer etwas rauher See sahen die drei am Bug ausharrenden “Extranjeros” (YYYYYHAAAA!) dann zwar keine Wale, dafuer aber viele Seeloewen, lustige Voegel (…nicht nur ornitologischer Natur... ) und kotzende Mitreisende (…das wird in keinem Naturfilm geboten!).


3. Reiseag (Puerto Madryn)
Nach dem vielen Reisen war der folgende Tag dann zum Ausruhen gedacht. Zeit also fuer ein ausgiebiges Fruehstueck (Anm. fuer Andrea: Ich habe seit Wochen kein richtiges Mueesli mehr gegessen…Aber du kannst kaufen was du willst, wenn ich zurueck komme ;-)!), einen Strandspaziergang und eine kleine Shoppingtour (...war ja klar!). Der einzige Programmpunkt stand gegen Abend auf der Liste: Stadtrundfahrt in “unserem” Bus (…erstaunlich, wie schnell man dabei einschlafen kann!). Bei einigen Stops und schiessen von obligatorischen Touri-Fotos lernte ich nicht nur die Stadt etwas besser kennen, sondern mir wurde auch bewusst, dass kurze Hosen und Flipflops ebenfalls zum Kontakteknuepfen mit der froestelnden und in mehreren Kleiderschichten eingepackten Bevoelkerung geeignet sind (Merke: Also nicht nur Hund und Kinder sind dazu noetig!).
Zurueck im Hotel informierte unser Gruppenfuehrer (…das klingt jetzt etwas zu sarkastisch, oder?!) Nestor die ganze Reisegruppe ueber in den kommenden Tagen anstehende, freiwillige Exkursionen, die nicht im Preis inbegriffen waren. Dabei wurde mir erstmals so richtig bewusst, dass tatsaechlich an vielen Orten hier zwei Preiskategorien bestehen: eine fuer Argentinier und eine andere fuer Auslaender (…Freiwilligenarbeit hin oder her!). Waehrend also beispielsweise Einheimische fuer einen Eintritt in einen Nationalpark 40 Pesos (=10.-) bezahlen, muessen Auslaender 100 Pesos (=25.-) hinblaettern (Nein, fuer diesen Preiszuschlag sahen wir NICHT mehr Tierli!). Da ich auf meiner langen Reise viel Zeit zum Nachdenken hatte (Achtung, Sarkasmus im Anflug!), kam mir im Anschluss an diese Erkenntnis die Idee, in die schweizerische Politik einzusteigen und mit dem Vorschlag, auf diese Art und Weise die Pensionskasse aufzubessern, fuer die naechsten Bundesratswahlen zu kandidieren. Na ja, wenigstens schienen ein paar Mitreisende in Anbetracht der drei Gratisarbeiter in ihrem Land ueber dieses System nachzudenken… .


4. Reisetag (Puerto Madryn-Calafate)
So, Schluss mit Ausruhen! Nach der Tagwache um 6.30 Uhr und Essenfassen um 7 Uhr (Bin ich hier in der RS, oder was?) richtete sich die hollaendische, die norwegische und die schweizer Fraktion wiederum zuhinterst im Bus ein um die naechste 24 Stunden dauernde Fahrt nach Calafate (…und zum beruehmten Perito Moreno Gletscher!) zu ueberstehen. Aufgelockert wurde diese durch einen Besuch in einer Pinguin-Kolonie (…sogar die Pinguine werden hier anscheinend kolonialisiert... ) einigen “Bisiundschminkstops”, Matewasser auffuellen an Tankstellen (Die haben hier tatsaechlich eigene Stationen hier!!!) und Schwaetzchen halten mit Mitreisenden (Warum taetscheln hier alle MEINE Wangen und wuscheln durch MEINE Haare?! Haengt da etwa ein Schild um meinen Hals “Bitte taetscheln”?!).
Hmmmmmm, was ist von diesem Tag sonst noch zu berichten? Vielleicht die Tatsache, dass saemtliche Geldautomaten auf der Strecke kein Geld mehr ausspuckten, da die Argentinier nicht mit Gelddrucken nachkamen? Na ja, das ist mir zwar nichts Neues, aber fuer den einen oder anderen unter euch vielleicht schon.


Ok, genug fuer heute. Der zweite Teil des Reiseberichts in den Sueden folgt in Kuerze. Also nicht abhaengen, Leute! Wir hoeren und lessen uns!!!

17.1.11 22:57, kommentieren

Cordoba - Iguazu - Cordoba (Part 2)

Taraaaaaaaaaa, da bin ich wieder !!! Wie ihr seht, hab ich Sylvester ueberlebt! Dazu sei an dieser Stelle nur zu sagen, dass der Jahreswechsel hier in aehnlicher Art und Weise gefeiert wird, wie das Weihnachtsfest: Zuerst wird im Ramen der Familie gegessen und gfeiert und im Anschluss geht man auf eine der unzaehligen Parties des Bruders einer Freundin von einer Kollegin einer Schwester (...oder so aehnlich...) und wer vor Tagesanbruch nach Hause geht, zaehlt sowieso zu der Kategorie "Sissi" (HA! dazu zaehle ich garantiert nicht!).


So, nun aber weiter im Text mit meinem Bericht ueber das Schulreisli nach Iguazu: Der dritte Tag in Iguazu verlief etwa aehnlich wie der zweite, abgesehen davon, dass wir uns etwas spaeter aus den Betten (...und den ekligen Matrazen...)  kaempften, etwas mueder als tags zuvor unter den Augenlidern hervorlinsten und den etwas ruhigeren (SCHNARCH!) Bootstrip durch den Jungel waehlten. Sogar Lies' Spinnenphobie, die am vorherigen Tag deutlich zu spueren und zu sehen war (=staendig gebueckte Haltung, aengstlicher Blick und entsetzte Schreie beim Anblick eines leeren Spinnennetzes auf kurzen Spaziergaengen durch den Regenwald...), schien an diesem Tag etwas zu schlafen. Ein Tag zum chillen !!!


Nach diesem "Sparflammentag" wollten wir es dann aber nochmals wissen und besuchten die Fealle auf der brasilianischen Seite. Abgesehen davon brauchte ich unbedingt den Stempel an der Grenze um laenger als drei Monate im Land bleiben zu koennen. Mit  Pass und etwas Bargeld (...in Brasilien ist sicher alles billiger!) machten wir uns also per Bus auf den Weg ueber die Grenze nach Foz de Iguazu, wo der zweite Nationalpark der Faelle liegt. Nach fast zweistuendigem Anstehen vor dem Eingang (Laeck, so viel Schweizerdeutsch wie hier habe ich in den ganzen vergangenen drei Monaten nicht ghoert und gesprochen!) verschlug es uns dann aber fast die Sprache (...dieses Mal aber nicht beim Anblick der Faelle...)! Das waren, preislich betrachtet, ja beinahe schweizer Verhaeltnisse!!! Da wir aber UNBEDINGT auch den Bootstrop mit Dusche auf dieser Seite der Faelle mitmachen wollten (...diese Boote schauen naemlich viiiiiiiiel spassiger und schneller aus!!!) legten die zwei Lehrerinnen ihr letztes Bargeld zusammen, welches sie (wohlueberlegt...) an diesem Tag mitgebracht hatten, kriegten an der Kasse (...dank waessrigem Hundeblick...) eine einmalige Ermaessigung und genossen (...total pleite!) den Bootstrip (Kinder, macht das zu Hause ja nicht nach!). Es folgten einige Sprungfotos inmitten der Faelle (...und Tourimassen...), was natuerlich nicht ohne weiteres Missgeschick meinerseits vor sich ging: Bei einem besonders hohen, guten, spektakulaeren und photogenen (...huestel...) Sprung ging naemlich mein linker Flip-Flop seine eigenen Wege durch die Luft und im wahrsten Sinne des Wortes in den Faellen baden (...dem war es wahrscheinlich auch zu heiss!). Lies konnte gerade noch ein Foto schiessen, bevor sich dieser etwa 30 Meter ueber die Kante in die Tiefe stuerzte (Oh, dieses Lachmuskeltraining ist echt anstrengend!). Barfuss ging es dann halt weiter, vorbei an unzaehligen Tourishops mit Flip-Flops (...hatten ja kein Geld mehr um Neue zu kaufen!) zu weiteren atemberaubenden Aussichtspunkten. Ich habe Lies versprochen, an dieser Stelle in meinem Blog zu erwaehnen, dass sie sich solidarisch zeigte, ebenfalls ihre Schuhe auszog und (...nein, nicht wie ich die Faelle runterschmiss....) barfuss neben mir her ging. So, nun wisst ihr’s!
Zurueck nach Puerto Iguazu ging es dann halt per Taxi (Der Taxifahrer musste ja nicht von Anfang an wissen, dass wir OHNE Geld unterwegs waren...) und nach einigen Problemchen an der Grenze (Sorry, nichts fuer schwache Nerven, deshalb erfolgt Auskunft nur nach Anfrage!) landeten wir dann erleichtert und zufrieden in unserem Hostel auf argentinischer Seite, wo wir auch den freundlichen Taxifahrer bezahlen konnten .


Am Abend liess mich dann der Besitzer des Autos der drei Cordobeser mit seinem Auto fahren (Der wusste ja nicht, auf was er sich da einliess!), was mich, nach dreimonatigem Autoentzug in Formel1-Stimmung und ihn in Entsetzen versetzte (Sissi!). Nach einem letzten Abendessen im Kreise unserer neuen “Hostel-Familie” legten wir uns dann muede aber gluecklich auf unsere (...leider immer noch grausigen!) Matrazen schlafen (Man kann halt nicht alles haben...).

Es folgte der Tag der Rueckreise, des Abschieds von unseren neu gewonnenen Freundschaften (...auf jeden Fall voruebergehend...) und die Rueckkehr in unsere Kammern in Cordoba. Was fuer ein Ausflug! Jeder Zeit wieder! Aber jetzt geht es zuerst einmal fuer 10 Tage ab in den (kalten!) Sueden !!! 

Nos vemos y un beso!!!

2 Kommentare 3.1.11 15:38, kommentieren

Cordoba - Iguazu - Cordoba (Part 1)

Heute brauche ich also keine Hundefutterstory um euch etwas einigermassen Spannendes berichten zu koennen. Im Gegenteil! Ich werde Muehe haben, das Wichtigste in Kuerze (...und alles andere bei mir...) zu halten!

Wie ich letztes Mal ja schon erwaehnt habe, war ich aus verschiedenen Gruenden nicht gerade in weihnachtlicher Stimmung und das hat sich seither auch nicht mehr gross geaendert. Ich hoffe aber natuerlich, dass ihr zu Hause tuechtig fuer mich mitgegessen (gaeu, Milli!), mitgebastelt (gaeu, Andrea!), mitgebacken (gaeu, Verenchen!), mitgetrunken (gaeu, Chregi!) und mitgesungen (gaeu, Dinu!) habt . Meinereiner (=Ich) kaempfte sich am Heiligen Abend mitten ins Zentrum von Cordoba, was unter "normalen" Umstaenden schon eine Stunde lang dauert (...halsbrecherisches Tempo der oertlichen Buschauffeure inbegriffen!). Dort half ich, zusammen mit Lies, der belgischen Lehrerin (=ebenfalls nicht handgestrickt), und vielen anderen Freiwilligen, aermeren Leuten Essen und Getraenke zu servieren. Dies war, wie erwartet, eine etwas andere, aber durchaus gute Erfahrung (...abgesehen von einigen organisatorischen Maengeln! Mehr dazu aber in einem anderen Blogeintrag...). Ich bekam einen der rund 100 Tische mit 9 sympathischen Menschen zugeteilt und servierte diesen drei Gaenge (...zum Glueck habe ich vor Jahren schon Erfahrung in der Suti gesammelt ...) und plauderte etwas mit ihnen (...na ja, das war nun etwas uebertrieben... sie plauderten und ich nickte fleissig mit dem Kopf und sagte "Si, si" und "Claro" und "Aha!"...). Im Anschluss an das Essen kaempfte ich mich wieder denselben Weg durch den Grossstadtjungel (...leider kein Weihnachtsbaumjungel!) zurueck nach Hause, wo meine argentinisch-englische Familie bereits auf mich wartete (...morgens um 3.30Uhr...) um mich auf eine der vielen Weihnachtsparties hier zu schleppen. Ich kopnnte schlecht "nein" dazu sagen, da dies hier anscheinend einfach zur Tradition gehoert . Dort blieben wir dann auch, bis die Sonne hoch am Himmel stand (Nun koennt ihr selbst nachrechnen...).

Da sogar ich von Zeit zu Zeit etwas Schlaf brauche, verschlief ich praktisch den ganzen Weihnachtstag und konnte gerade noch meine sieben Sachen (...und das ist jetzt wortwoertlich gemeint!) fuer meinen 5-taegigen Trip nach Iguazu packen, bevor mich Ines, Jean und Nicole in ein Kasino entfuehrten (...natuerlich voellig gegen meinen Willen  !). Da wir von dort ebenfalls erst gegen 4 Uhr morgens nach Hause zurueckkehrten und ich bereits eine Stunde spaeter am Flughafen sein musste, lohnte es sich natuerlich nicht mehr zu schlafen (...und dies ganz ohne Alkohol und Drogen, Kinder!) und erreichte schlaflos (...was fuer mich ja nicht eine gaaaaanz neue Erfahrung ist...) den Flughafen, wo ich wortkarg und mit vielen "Hmmmmmm's", "Pffffff's" und "Grunz's" auf eine aehnlich dreinblickende (...und sprechende...) Lies traf. Da Schlafmangel jedoch auch seine lustigen Auswirkungen auf mich ausueben kann (...Milli kann dies sicherlich medizinisch korrekt erklaeren!), unterhielten wir auf unseren Fluegen nach Buenos Aires und Iguazu saemtliche Passagiere in unserem Sitzumkreis, was uns belustigte Blicke maennlicher- und giftige Blicke weiblicherseits einbrachte... .

Gegen Mittag landeten wir dann (...um einige Bauch-Lach-Muskeln reicher...) Iguazu, wo uns als aller erstes einmal eine erdrueckend feuchte Hitze entgegenschlug (...na ja, besser als eine Tuere...). Doch die vergassen wir auf unserer Taxifahrt in unser zuvor gebuchtes Hostel vor lauter Staunen beinahe! Wie kleine Kinder freuten wir uns ueber den unglaublich gruenen Regenwald un die Luft voller Schmetterlinge um uns herum (...muss der Schlafmangel gewesen sein! Oder doch Pilzchen in unserem Essen auf unserem Flug zuvor?). Wir kamen uns vor, wie die Hauptdarsteller in der "Trueman Show"! Noch halb in Trance (...wie gesagt, ganz ohne Drogen, Kinder!) kam uns dann sogar das auf schaetzungsweise 0 Grad heruntergekuehlte Hostelzimmer mit schmutzigen, lakenlosen Matrazen uns schimmligem Badezimmer toll vor. Zwei Powe-Nap-Schlaf-Stunden spaeter sprangen wir dann in den kleinen Pool vor unserem Zimmer und schlossen erste Bekanntschaften mit drei Jungs aus Cordoba (...natuerlich nur, um unser Spanisch aufzubessern...). Den Tag beendeten wir dann in einem gemuetlichen Restaurant gleich um die Ecke (Man goennt sich ja sonst nichts!) bei Pizza und (Jawohl!) Wasser! Lies schien die Muedigkeit aber doch etwas staerker zu spueren als ich, da sie mich, nach 5-minuetigem Betrachten des sternenklaren Himmels ernsthaft fragte: "Do the stars move?!" (...oder doch Pilze?!)!

Am naechsten Morgen frueh (...raeusper...) machten wir uns dann auf in den Nationalpark auf der argentinischen Seite der Iguazu-Wasserfaelle. Ich sage euch: Falls ihr irgendeinmal vor der Wahl stehen solltet und nicht wisst, ob ihr die Niagarafaelle oder die Ifuazufaelle (...oder die 4 Faelle, hoehoehoe...) besuchen sollt, dann waehlt Iguazu!!!Die Niagarafaelle sind ein Rinnsal dagegen! Niemand wird sich bei diesem Anblick fragen, warum diese in aller Welt auf der Unesco-Welterbe-Liste stehen... sogar mir hat es bei diesem Anblick die Sprache verschlagen (...und das soll was heissen!). Natuerlich mussten Lies und ich mal wieder jeden Seich mitmachen und buchten einen Bootstrip (...ohne Pilze!), der mit einer kraeftigen Dusche unter den Faellen endete. Aaaaaah, eine Wohltat bei dieser Hitze (...und nach drei Monaten im Gefaengnis!). Den Abend verbrachten wir dann rund um den Pool im Hostel mit den drei Feuerwehrmaennern (Ehrlich!) aus Cordoba und weiteren Einheimischen beim gemeinsamen Kochen, Billardspielen, Spanischsaetzchen formen und Sprueche klopfen.

Da der Besitzer dieses Internetcafes seinen Laden nun dicht machen will (...auf jeden Fall fuer heute...) muss ich meine Berichterstattung fuer heute schliessen. Ich versuche aber, morgen oder uebermorgen den zweiten Teil irgendwo zu Ende zu schreiben! Bis dahin wuensche ich all meinen Leserinnen und Lesern einen suuuuuuuuper Rutsch ins 2011 und ich freue mich (...trotz allen Abenteuern hier!), euch alle ganz bald wieder zu sehen !

FELIZ ANO NUEVO!!!

1 Kommentar 31.12.10 20:55, kommentieren

Cordoba-Part 5

YYYYYHAAAAA! Ich hab's geschafft ! Gestern wurde ich ganz offiziell aus dem Gefaengnis entlassen (...fuer NeuleserInnen: "Gefaengnis" ist eine Metapher!). Ich kann meine wiedergewonnene Freiheit kaum fassen! Das Gras scheint mir etwas gruener, die Sonne einwenig heller und die Luft klarer zu sein (Ok, ich geb's zu, das war jetzt etwas uebertrieben...). Aber was fuer eine Zangengeburt (...fuer nicht so wortgewandte LeserInnen: auch "Zangengeburt" ist eine Metapher!)! Hier die wichtigsten Ereignisse der letzten Arbeits(halb)woche (...sprich: 12 Stunden, 3 Tage oder gefuehlte 48 Wochen...):

Nachdem ich Marita, meine "Chefin" vor Ort, etwa 367mal nach dem versprochenen Geld fuer die Farben gefragt, 96 verschiedene Ausreden und 271 leere Versprechungen gehoert und 541 Stunden vergeblich darauf gewartet hatte (...alle Zahlen sind lediglich Schaetzungen und ohne Gewaehr...), glaubte sogar ich nicht mehr an ein "Geldwunder". Ich musste mir folglich ueber das vergangene Wochenende ernsthaft ueberlegen, ob ich das Geld aus der eigenen Tasche sponsern oder ob ich die Wand unfertig zuruecklassen sollte (Ich bin mir sicher, dass das Kreidegekritzel unter "moderne Kunst" eingeordnet haette werden koennen...). Nach langem Hin und Her entschied ich mich dann doch fuer ersteres: Ich wollte meine Arbeit hier (...und wenn es nur fuer mich ist!) sinnvoll beenden und etwas Bleibendes hinterlassen.

So packte ich am Montagmorgen einen der Jungs an der Hand, erklaerte einem Angestellten, dass ich nicht mehr laenger auf die Farben warten koenne und diese nun mit dem Jungen zusammen (...der kam freiwillig mit! Ehrlich!)kaufen ginge. Eine halbe Stunde spaeter (...und rund 150 Pesos leichter...) kehrte ich ins Heim zurueck und legte, zusammen mit ein paar freiwilligen Insassen... aeh, Helfern..., los. Marita, die inzwischen auch zur Arbeit erschienen war, ging mir an jenem und auch am folgenden Tag aus dem Weg (...was ich mir noch schwierig vorstelle, da ihr Buero gleich gegenueber von der zu bemalenden Wand liegt...), was mir so ziemlich egal war. Denn ich wusste bereits nach diesem Tag, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Die Jungs (...und natuerlich auch ich!) hatten Spass am Malen und das Zwischenresultat sah bereits toll aus (...meine bemalten Arme und Beine auch!).

Doch spaeter an diesem Tag wurde meine Geduld nochmals arg auf die Probe gestellt! Am Abend bemerkte ich naemlich, dass mein Portemonnaie (...fuer alle Lehrer: Ich verweigere BEWUSST die neue Rechtschreiberegel fuer "Geldbeutel"!) aus meiner Tasche gestohlen worden war! Alle anderen Gegenstaende, wie meine Fotokamera, das I-Phone, Kleidungsstuecke und Frauensachen (...Details erspare ich euch an dieser Stelle...), waren aber nach wie vor vorhanden. Nach einigen Ueberlegungen kam ich zum Schluss, dass meine Geldboerse mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit im Heim "abhanden" gekommen sein musste, was mich  (...und das ist noch milde ausgedrueckt...) wuetend machte!!! Anscheinend wollte mir jemand auf diese Art und Weise dafuer danken, dass ich die letzten 10 Wochen unbezahlt die Arbeit fuer andere erledigt hatte, mir dabei zusaetzlich viel Mist anhoeren und mitansehen musste und am drittletzten Tag die laengst versprochene Farbe aus der eigenen Tasche bezahlt hatte. Was fuer ein Finale (...das war jetzt aeusserst ironisch gemeint...)! Mein erster Gedanke (...nach 15-minuetigem Fluchen...) war der, dass die sich meine Farbe in den A.....ZENSUUUUUUR.... stecken konnten und ich meine Arbeit fruehzeitig beenden wuerde. Etwas spaeter realisierte ich dann aber, dass ich die Schuld einer einzelnen Person wohl nicht auf alle anderen uebertragen konnte (...Lehrersemi laesst gruessen...). Ausserdem wusste ich ja nicht, ob ein Junge oder einer meiner flotten Mitarbeiter der "Taeter" war und die 5-prozentige Wahrscheinlichkeit (...laeck, bin ich gut im Rechnen!) ist ja auch nicht ausser Acht zu lassen. Aus all diesen vernuenftigen Gruenden ging ich auch am Dienstag wieder zur Arbeit um zu beenden, was ich begonnen hatte.

Der letzte Arbeitstag brach an. Wie jeden Morgen startete der mit einem Becher Mate an einem der in die Jahre gekommenen Tische. Auch Marita war anwesend (...und fleissig am Tee trinken und Kuchen essen). Demonstrativ setzte ich mich neben sie und fragte, ob ich denn am folgenden Tag arbeiten muesse, da ja alle Jungs ueber die Feiertage irgendwo "versorgt" wurden. Ueberfreundlich und grosszuegig wie ich sie kennengelernt habe (...seeeeeehr ironische Bemerkung, aber ohne Ironie wuerde ich die Zeit hier wohl nicht ohne Knacks ueberstehen...), verneinte sie meine Frage und wandte sich wieder anderen (...fuer sie angenehmeren!) Gespraechspartnern zu. Daraufhin machte ich sie darauf aufmerksam, dass dies dann wohl mein letzter Arbeitstag sei, was sie in grosses Erstaunen versetzte ("Ahaaaaaa, du kommst naechste Woche nicht wieder?!). In den folgenden Stunden, als ich meine Arbeit an der Mauer beendete, ging sie dann einige Male an mir vorbei und lobte laut das Farbenwerk. Ich spielte, eher belustigt, das falsche Spiel mit und mir wurde gleichzeitig bewusst, dass sie von nun an jeden Tag an der Mauer vorbei gehen muss und dabei eventuell das eine oder andere Mal an die versprochenen 100Pesos denkt, die sie moeglicherweise in ein Assado (=Grillfest), Essen fuer die untaetigen Mitarbeiter oder in Weihnachtsgeschenke (...fuer wen auch immer...) investiert hatte. Das wissen auch ihre Angestellten, da ich mich mehr als einmal darueber beschwert hatte. Somit verliess ich, meiner Ansicht nach, als Siegerin das Feld .

 

Nun bin ich aber definitiv reif fuer die Insel... in meinem Fall fuer die Iguazu-Wasserfaelle an der brasilianischen Grenze! Dorthin werde ich naemlich vom 26. bis zum 30. Dezember mit einer Belgierin, namens Lies, reisen (...Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor ist gekauft!). Auch sie arbeitet fuer ProjectsAbroad und mit ihr hab ich mich in den letzten paar Wochen (...nach Claudia's und Sandrine's Heimreise *snif*...) angefreundet. Wir zwei zusammen werden morgen Abend (...wenn ihr zu Hause wohl fleissig am Singen seid ....) auch fuer eine andere Freiwilligenorganisation Essen an arme Leute verteilen (Ich glaube, nach diesem Aufenthalt hier habe ich genug soziales Zeugs fuer ein Jahr erledigt...). Mehr darueber weiss ich aber noch nicht so genau... Ich habe lediglich meine Arbeitszeiten und die Anweisung erhalten, dass ich pro Tisch nicht mehr als drei Flaschen Wein servieren darf, da die Kundschaft sehr trinkfreudig sein soll. Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden !

Nun wuensche ich euch allen ein gaaaaaaaanz schoenes Weihnachtsfest und entschuldige mich im Voraus schon mal bei allen, die eine Karte von mir erwarten!!! In diesem Jahr verschicke ich ausnahmsweise mal keine. Dies hat zwei Gruende (Nein, keiner davon hat mit Faulheit zu tun!): Erstens konnte ich hier keine anstaendigen Karten finden (...und wenn, dann mit viel glitzernd-rosa Plingpling ...) und zweitens denke ich, dass ich die Karten bereits im November haette abschicken muessen, damit sie VOR meiner Rueckkehr in der Schweiz eintreffen wuerden (...wenn ueberhaupt!). Deshalb wuensche ich euch ganz einfach auf diesem Weg ruhige und zufriedene Weihnachten (HOHOHOOOOOOOO!!!)!

 

23.12.10 22:15, kommentieren

Cordoba-Part 4

Mein heutiger Eintrag wird wohl etwas kuerzer als gewohnt ausfallen. Der Grund dafuer ist nicht etwa Faulheit oder Trunkenheit zuzusprechen, sondern viel mehr der Tatsache, dass ich in den vergangenen paar Tagen krank war und somit auch nicht viel Aufregendes erlebt habe (An dieser Stelle waere etwas Beileid angesagt..........Danke.). Was mich plagte? Nun, ich versuche mich mal diplomatisch korrekt auszudruecken, um meine Leserschaft nicht zu vertreiben: Ich hatte Fieber, Kopfschmerzen und (...wartet, den folgenden Begriff muss ich in meinem Arzt-Fachbegriff-Lexikon nachschlagen...) den Scheisser (...sorry, nicht gefunden!). Obwohl ich mehrere Tage das Bett (...und Klo!) huetete und das Haus kaum verliess, schaffte ich es, in ein FettNAEPFCHEN zu treten (Ihr kennt mich ja!), welches ich euch nicht vorenthalten will:

An meinem ersten Krankheitstag schien sich alles und alle gegen mich verschworen zu haben! Tapfer (...oder stur?) wie ich bin, fuhr ich an diesem Morgen naemlich noch zur Arbeit. Das war aber fuer die Katz (MIAU!). Denn zuerst wartete ich, bereits angeschlagen, ueber eine halbe Stunde lang auf den Bus, der an diesem Tag einfach nicht auftauchen wollte (Nein, ich war NICHT zu spaet dran!). Schlussendlich (...und einige Fluchwoerter spaeter...) tauchte dieser dann doch noch auf, steckte aber bald in einem ausgewachsenen Stau (...wohl wieder ein Auffahrunfall...). In der Folge kam ich eine gute Stunde zu spaet zur Arbeit (Ja, das verschafft mir ein schlechtes Gewissen, obwohl ICH ja fuer meine eigene Arbeit bezahle und mich wahrscheinlich KEIN SCHWEIN vermisst hat!), nur um 20 Minuten spaeter wieder denselben Weg nach Hause zu fahren, da alle Jungs bereits mit einem Sportlehrer unterwegs waren (Danke fuer die fruehzeitige Info!). Zu Hause angekommen, durchsuchte ich den Kuehlschrank nach Cola und den Rest des Hauses nach etwas Salzigem, da dies ja bekanntlich gut fuer den Magen sein soll (...aber ohne Alkoholzuschuss und Schirmchen!). Natuerlich fand ich nichts dergleichen und fiel deswegen zuerst einmal in ein mehrstuendiges Fieber-Schlaf-Koma.

Als ich gegen Abend wieder erwachte (=zu mir kam), schien noch immer niemand zu Hause zu sein (...der fuer mich kochte und mir ein Tablett ans Bett brachte...) und so beschloss ich, etwas Reis zu kochen, bevor ich RICHTIG schlafen ging (Haengt jetzt nicht ab, Leute! Der Reis ist ein wichtiger Bestandteil der Geschichte!). So schleppte ich mich im Fieberdelyrium in die Kueche, wo (Oh Wunder!) ein Topf mit bereits gekochtem Reis auf dem Herd stand (Leute, glaubt mir! Der Reis ist WIRKLICH wichtig!). Anscheinend hatte sich doch nicht ganz alles gegen mich verschworen. Ich musste also nur noch die Mikrowelle einschalten und mein Abendessen erhitzen (Details ueber die Gardauer erspare ich euch jetzt, sonst faellt die andere Haelfte der Leserschaft auch noch in ein Schlafkoma...). Etwas merkwuerdig kam es mir in diesem Moment ja schon vor, dass der Reis versalzen war, denn dem Chefkoch Jean passiert dies normalerweise nicht. Aber etwas mehr Salz schien mir, in Anbetracht der zuvor verlorenen Fluessigkeitsmenge durch die Darmpforte, nicht falsch zu sein. So ass ich tapfer mein Haeufchen Reis und ging zu Bett.

Am folgenden Morgen ging es mir weder besser noch schlechter (...dies ist ebenfalls eine wichtige Info!). Dennoch schleppte ich mich in die Kueche um mit dem Rest der inzwischen wieder aufgetauchten Familie einen Tee zu schluerfen. Als ich so am Fruehstueckstisch sass und der emsigen Ines zuschaute, welche die Kueche sauber machte, verzog diese ploetzlich angewiedert ihr Gesicht. Der Grund ihres Ekels schien unter dem Deckel "meines" Reistopfes zu liegen. Ich ahnte Boeses, fragte aber trotzdem (...ebenso tapfer, wie ich am Abend zuvor den Reis gegessen hatte...), was denn los sei. Ines antwortete: "Oh, den HUNDEREIS habe ich voellig vergessen! Der steht hier schon seit Tagen rum...den kann ich also nicht mal mehr den Hunden fuettern!"

 

Die Geschichte hat sich natuerlich unter den Volunteers schnell rumgesprochen und wer mich zuvor noch nicht (...unter dem Namen "Queso"...) gekannt hatte, der kennt mich jetzt (...unter dem Namen "Dog Food"...). So kann man auch im Gespraech bleiben... .

Bis bald !!!

17.12.10 00:42, kommentieren

Cordoba-Part 3

Samichlaustag und die Haelfte meines Argentinienaufenthaltes ist vorueber! Von weihnachtlichem HOHOHO, TSCHINGTSCHINGTSCHING und TRALLALLA ist hier, bei 35 Grad, aber nicht geade viel zu spueren! Auch Weihnchtsbaeume habe ich bisher noch nicht gesichtet (Das gruene Irgendwas im Supermarkt zaehle ich jetzt mal nicht mit!). Aber ich habe mir sagen lassen, dass morgen Mittwoch wieder mal ein Feiertag (=freier Tag) ist, damit die Leute Zeit zum Schmuecken ihres Weihnachtsbaumes haben. Ich gehe deshalb davon aus (Achtung! Seeeeeehr sarkastische Bemerkung im Anflug!), dass ich mich am darauffolgenden Tag mit einem Buschmesser durch einen ganzen Jungel von glitzernden und funkelnden Weihnachtsbaeumen kaempfen muss um zur Arbeit zu gelangen!).

 

Ansonsten nimmt das Leben hier weiterhin seinen Lauf mit staendig wechselnden Stimmungsschwankungen. Hier ein paar Auszuege von den vergangenen zwei Wochen:

 

Vor gut einer Woche beschloss ich, mit rund 15  anderen Volunteers einen Fussballmatch im Stadion von Cordoba zu besuchen. Zwar hatte niemand von uns eine Ahnung, wer hier genau gegen wen spielt, das hielt uns aber nicht davon ab, in geschaetzten 20 Sprachen (...Claudia benutzt alleine schon ein Mix aus 10 Sprachen und Akzenten um sich mit uns zu unterhalten...) Schimpfwoerter Richtung Spielfeld zu werfen, was uns wiederum estaunte Blicke des vorwiegend einheimischen Publikums einbrachte (Diesem zufolge spielten an diesem Tag sowieso das Team "Puuuutooooo" gegen "Looooocoooooo"!). Nach einigen Spielminuten (...und ein paar boese Blicke spaeter...) fanden wir dann aber doch noch heraus, dass "unser" Team "Talleres" heisst und der Goalie in Pink zu "uns" gehoert (...no comment!). Der liess dann auch prompt das erste Goal in seine eigenen Maschen passieren (...wer erwartet auch etwas anderes von einem Mann in Pink?!), was uns beinahe dazu bewegte die Fronten zu wechseln. Doch das Ausharren auf den heimischen (...mit Vogelkacke bekleckertn...) Sitzen zahlte sich schlussendlich doch noch aus: "Wir" gewannen 5:1  

 

Dank den Geldern von Projects Abroad konnte ich mit der aus Holland angerueckten Verstaerkung (=Chans) und einigen Jungs (...meine MitarbeiterInnen arbeiteten nur, wenn ich Fotos schoss...) die Mauer im Innenhof des Kinderhims tatsaechich weiss grundieren, was mich in ein voruebergehendes Arbeitszwischenhoch versetzte. Im Anschluss skizzierten wir mit Kreide die Umrisse der Jungs in unterschidlichen Posen an die Wand und uns wurden 100 Pesos (=25 Fr) fur Farben versprochen... Das war vor drei Wochen!!! In der Zwischenzeit hoerte ich rund 264 verschiedene Ausreden, weshalb das Geld noch nicht eingetroffen ist. Da ich durchaus einen sturen Kopf haben kann (...liegt wohl in den Lutz'schen Genen...) gebe ich, bis das Geld den Weg in meine Haende findet, mein Geld lieber fuer Eis, Getraenke, Spiele und Suessigkeiten aus, als fuer die benoetigten Farben. Diese Dinge kann ich naemlich direkt den Jungs in die Haende druecken und koennen nicht in die Taschen der Angestellten gelangen (...welche fuer eine Arbeit bezahlt werden, die ICH gratis fuer sie verrichte...).

 

Vor wenigen Tagen habe ich eine 10-taegige Reise in den Sueden von Argentinien gebucht (Sueden heisst hier aber nicht SUEDlich warm, sondern SUEDpolarisch kalt!)! Begleiten werden mich zwei weitere Volunteers: eine 25-jaehrige Medizinstudentin aus Norwegen namens Christine und ein 18-jaehriger Schueler aus Holland (...dn hab also NICHT ich eingeladen!), der auf den Namen Wessel hoert ("Fuss, Wessel!" . Ein etwas merkwuerdiges Gespann, aber ich freu mich auf jeeeeden Fall schon riiiiiesig darauf!!! Los geht es am 3. Januar.

 

Letzte Woche, als ich zu einer Nachmittagschicht im Kinderheim antraben musste (Wiiiiieher!!!!), empfingen mich dort genervte Mitarbeiter- und angespannte Kindergesichter. Als fuenf Minuten spaeter dann auch noch die Polizei eintraf, machte ich mir ernsthaft Sorgen um meine Hanfplantage in meinem Zimmer (Hehehe, kleiner Scherz ). Es stellte sich heraus, dass kurz vor meiner Schicht fuenf der Jungs ueber das Dach geklettert und davongerannt waren (Ihr seht also, dass die Bezeichnung "Gefaengnis" nicht aus der Luft gegriffen ist...). Zwei der Ausreisser kamen am selben Tag noch von sich aus zurueck, die restlichen drei wurden am folgenden Tag von der Polizei zurueckgebracht (Die Strafe musste ich mir gluecklicherweise nicht mitansehen...). Die Folgen dieses Ausbruchs sind leider bis heute zu spueren: Keiner der Jungs (...und somit auch ich...) darf mehr einen Fuss vor die Tuer setzen, und die etwas Abwechslung bringenden Spaziergaenge in einem nahen Park oder zum Fluss fallen weg.

 

Falls ich den Beruf Lehrerin mal an den Nagel haengen sollte (...aus welchen Gruenden auch immer!), dann mache ich mich selbstaendig als T-Shirt-Haendlerin. In meiner Freizeit helfe ich naemlich Ines, die zusaetzlich einen kleinen Shop Downtown betreibt, Ideen fuer ihre T-Shirt-Kreationen zu finden und umzusetzen, was mir grossen Spass macht. Die Verkaufsquote meiner Eigenkreationen kenne ich jedoch nicht... . 

 Als ich letzte Woche mit drei meiner Knastis... aeh, Jungs aus dem Kinderheim... in den nahegelegenen Park gehen wollte (..damals durfte ich das noch...) um Fussball zu spielen, wurde ich Ohrenzeugin (...nicht zu verwechseln mit Augenzeugin...) eines Unfalls: Ein Arbeiter, der die Strasse ueberqueren wollte, wurde von einem Auto erfasst und zu Boden geschleudert (...kein Wunder, bei den vielen irren Autofahrern hier!). Eine "Arbeitskollegin" (...hmmm, zwar trifft weder die Bezeichnung "Arbeit" noch "Kollegin" zu, doch ihr wisst, was ich meine, oder?!), die mich an diesem Tag begleitete, rief sofort die Polizei. Die ist naemlichanscheinend schneller vor Ort als die Ambulanz, da an jeder Strassenecke ein Polizist oder eine Polizistin mit nicht uebersehbarem Gewehr (=Schrotflinte?) positioniert ist. Anschliessend befahl meine "Kollegin" den Jungs, in einem auf der anderen Strassenseite gelegenen Bushaeuschen Platz zu nehmen und zu "gaffen". Sie selbst setzte sich ebenfalls daneben und so warteten wir etwa 20 Minuten lang auf die Ambulanz und schauten dem Treiben auf der anderen Strassenseite zu (...fehlte nu noch das Popcorn und die flauschigen Kinosessel...). 

 

  Ich als Vollblut-Lehrerin (...mit Birkenstoecken und so...) liess es mir natuerlich auch hier in Argentinien nicht nehmen, mal einen Blick in eine oertliche Schule zu werfen. Die Gelegenheit erhielt ich dank Claudia, die hier ja ehrenamtlich als Italienischlehrerin arbeitet. Dabei wurde mir bewusst, dass Kinder auf der ganzen Welt wohl aehnlich ticken. Denn trotz spaerlich eingerichteten Klassenzimmern, zerbrochenen (oder ganz fehlenden)Fensterscheiben, Graffitis an allen Waenden, halb demolierten Schulbaenken (Ich kam mir vor, wie Michelle Pfeiffer im New-Yorker-School-Ghetto...) strahlten mir freudige Augen entgegen und ich beantwortete lauter neugierige Fragen. Die beste davon war sicherlich die, ob ich eine Prinzessin sei! (Hahaha! Fehlt nur noch der Prinz auf dem Schimmel!). Einer der Lehrer trieb sogar von irgendwoher einen alten Globus auf. Nur die Tatsache, dass derselbe Lehrer einen 7-jaehrigen Jungen bezahlte, damit dieser fuer uns tanzte, fanden Claudia und ich etwas daneben... .

 Meine Verstaerkung aus Holland ist bereits wieder nach Hause geflogen und auch meine zwei engsten Verbuendeten hier, Claudia und Sandrine, verlassen uebermorgen das Land Richtung Heimat (...nur das schweizerische Rote Kreuz bleibt mal wieder unbewaffnet in der Krisenregion...). Noch 13 Arbeitstage und dann mache auch ich Ferien!

 Ein Fresspaeckli mit 16 Tafeln feinster schweizer Schoggi ist eingetroffen (An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschoen an die Spenderin und den Spender!)! Zu Ehren dieses Anlasses oeffnete mein Gastvater Jean seine wohl beste und teuerste Flasche Wein und wir feierten die (Er-)Oeffnung des Packets wie kleine Kinder. Er, als selbsternannter Verwalter der Notration, oeffnete bereits am ersten Abend rund die Haelfte aller Sorten und verteilte gerecht Moeckli fuer Moeckli an seine "Untertanen" (Mann, gib mir die ganze Tafel!) unter den sich staendig wiederholenden Worten "MMMMMMMH!" und "AAAAAAAH" und "HOW I MISS SWIIIIIIITZERLAND!" (Anm.: Er war noch nie in der Schweiz...). Ich kam mir vor wie in einem Fluechtlingslager bei der Verteilung der Essensration... .

 

 

Habt ihr gewusst, dass...

... man, wenn man Regula heisst, selbst im Schatten einen Sonnenbrand erwischen kann?!

... Argentinier nie im Gehen oder in oeffentlichen Verkehrsmitteln essen, da dies unhoeflich ist (Anm.: So wie die Frauen hier aussehen, essen die sowieso nur einmal in der Woche!)?

 

...hier eine Busfahrt umgerechnet rund 50 Rp. kostet, egal ob man eine oder 35 Stationen weit faehrt?

 

...jede/r, der/die einen Hauptschulabschluss hat, in einem Kinderheim arbeiten darf (Das erklaert vieles!)?

 

...man hier, wenn man Regula heisst, nach dem Verzehr von schweizer Schoggi mit den Kleidern im Pool landen kann?

 

...eine der hier am haeufigsten verzehrten Fleischspeisen "Milanese" und dies eigentlich nichts anderes als ein "bayrisches Schniiitzel" ist?

 

...einer der drei Strassenhunde, die mit mir Dach und Futternapf teilen, "Mili" heisst ?

 

...hier die Busfahrer anscheinend mehr als Lehrer verdienen, weil sie viel haeufiger streiken?

 

...Frauen nur halb so viel wie Maenner bezahlen, um einen Fussballmatch live zu sehen?

 

...man hier das Klopapier in der Regel nicht ins WC werfen darf (UUUUUUPS!)? 

7 Kommentare 7.12.10 01:20, kommentieren

Cordoba-Buenos Aires-Cordoba

Argentinier sind manchmal schon merkwuerdige Gestalten,

Da soll mal einer verstehen ihr Verhalten:

Vergangenen Montag bekam das ganze Land frei,

Weil dies gut fuer den Tourismus sei!

Einen anderen Grund gab es anscheinend nicht,

Nur Geld ausgeben, das sei Pflicht!

Das liess ich mir natuerlich nicht zwei Mal sagen

Und ich ging meine Chefin ganz nett fragen,

Ob ich einen weiteren freien Tag bekommen kann.

(Die soll nicht schwierig tun, mann!)

Und so verliess ich am Donnerstagabend die Stadt

Mit Claudia, Sandrine, Hans und Matt.

Das Ziel unserer Reise lag acht Stunden entfernt Richtung Osten,

Wo wir in Buenos Aires das Leben wollten kosten.

So trafen wir am Freitagmorgen in der Hauptstadt ein,

Und suchten zuerst unser Hostel...mann, war das unrein!

Trotzdem war mir danach, auf den Balkon zu springen

Und "Don t cry for me Argentina" zu singen.

Zwar ging der Applaus meiner Mitreisenden im Strassenlaerm unter,

Dafuer waren wir nun alle wieder munter.

Mit der U-Bahn fuhren wir im Anschluss zum "Obelisco",

Nicht zu verwechseln mit einer Disco.

(Laeck, war dieser Reim schlecht,

Aber ich fand keinen besseren, echt!)

Dieses Monument soll mitten aus der "breitesten Strasse" der Welt herausragen,

Hoerten wir die Argentinier sagen.

(Doch diese sind bekanntlich ja nicht die bescheidensten Leute,

Und Touristen leichte Beute...)

Dort angekommen veranstalteten wir eine Fotosession erster Klasse,

Mitten in der uns bestaunenden Menschenmasse.

So verkuerzten wir die Wartezeit auf Mariano,

Ein Freund von Claudia, der ebenfalls stammt aus Milano.

Dieser lebt naemlich in BA seit einiger Zeit

(Wahrscheinlich hat ihn die Mafia aus Italien verbannt, bis in alle Ewigkeit...).

Zusammen mit ihm besuchten wir zuerst den beruehmten Friedhof der Reichen,

Den fand ich gar nicht zum Seichen!

Denn dort fanden wir unter anderem Evitas Grab... ganz famos!

Nur die vielen davor posierenden Touris fand ich geschmacklos.

Im Anschluss gingen wir was essen

Und liessen uns dabei fast von ein paar Enten fressen.

Fliehen konnten wir gerade noch in einen schoenen Park mit Teich,

Und der Sonnenuntergang dort machte uns ganz reich.

Sonst gibt es vom ersten Tag in BA nicht mehr viel zu berichten,

Denn Drei von uns Fuenf waren zu muede um noch vieles auszurichten.   

Nur Claudia und ich konnten bis in die fruehen Morgenstunden nicht schlafen

Und benetzten in der Hostel-Lobby bei einem Jenga-Spiel unsere Rachen.

Trotz Schlafmangel wollten wir den folgenden Tag nicht vergeuden

Und setzten fort die Besichtigung jenster historischer Gebaeude.

Den Kampf gegen die schweren Augenlider am Nachmittag gewannen wir,

Nicht etwa mit einer Kiste Bier!

Nein, wir setzten uns in einen Park, von denen es dort gibt viele

Und spielten ein paar lustige Spiele.

"Typisch Lehrer" moegen nun einige von euch sagen,

Aber bei dieser Hitze wollten wir keine weiteren Abenteuer wagen!

Kuehler ging es dann am Abend zu und her,

Als wir draussen den Magen fuellten mit Empanadas... und mehr.

Weitere Details erspare ich euch an dieser Stelle,

Sonst haut mich Mami noch mit einer Kelle.

Aber lustig war es auf jeden Fall

Und Spanisch gesprochen hab ich wie ein Wasserfall.

Am letzten Tag zeigte uns Mariano "La Boca" mit den Haeusern ganz farbig,

umringt von Tangotaenzern fuehlten wir uns ganz eigenartig.

Auch Maradonas Fussballstadion sahen wir von Weitem

Und liessen uns mit dem Menschenstrom durch einen Markt gleiten.

Doch bald wurde es uns wieder zu heiss,

So ein Sch....!!!

Deshalb verschob sich unsere Truppe an einen Fluss,

Wo wir ein kuehles Eis assen mit Genuss.

Viel zu schnell neigte sich dann ploetzlich das Wochenende zu Ende:

Es folgte unausweichlich die Wende.

Der Abschied von Mariano fiel uns schwer,

Fast floss ein Traenenmeer.

Unsere Laune erheiterte sich aber am Busbahnhof auf einen Schlag,

Als mein Ticket nach einer Windboe unter unserem Bus lag!

Claudia kriegte sich fast nicht mehr ein vor lauter Lachen,

Und wir beschlossen, bald wieder einen solchen Ausflug zu machen!

1 Kommentar 24.11.10 21:09, kommentieren

Cordoba-Mendoza-Cordoba

Nachdem ich letzte Woche bei der Arbeit den (bisher) absoluten Tiefpunkt erlebt habe, geht es nun-so hoffe ich-langsam aber sicher bergauf. Projects Abroad hat mir naemlich Entwicklungshilfe aus Holland geschickt Doch alles schoen der Reihe nach:

 

Letzten Montag stellte mir die Heimleiterin einige harmlos wirkende Fragen. Eine davon war die, ob meine "Arbeitsgschpoendli" am Nachmittag jeweils mit den Jungs spielen wuerden. Wahrheitsgetreu antwortete ich mit "NO" (...waere die Sprachbarriere nicht vorhanden gewesen, waeren dieser Antwort noch ein paar sarkastische Anmerkungen gefolgt...). Die Retourkutsche ueberrollte mich am naechsten Tag in Gestalt meiner sympathischsten Arbeitskollegin (ACHTUNG: sehr sarkastisch gemeint!). Diese nahm mich naemlich, kurz nachdem ich im Gefaengnis ...aehm, Kinderheim... angekommen war, zur Seite und beschimpfte mich, weil ich sie am Tag zuvor bei der Chefin "verpfiffen" haben soll (...so mss sich ein aufgeflogener Spitzel in der Nachkriegszeit gefuehlt haben!). Am selben Tag wurde zudem eine neue Mitarbeiterin "eingearbeitet" (= eine weitere in-der-kueche-mate-trinkende Person). Diese hat anscheinend besonders grosse Minderwertigkeitskomplexe, da sie an ihrem ersten Arbeitstag gleich einem der Jungs physisch zeigen msste, wer die staerkste Person vor Ort ist (...zumindest koerperlich...). Weitere Details erspare ich jetzt den zartbeseitetsten Leserinnen und Lesern unter euch. Die Situation erinnerte mich jedoch ebenfalls stark an die (Nach-) Kriegszeit... .

 

Vor drei Tagen wurde dann aber Hans (...sprich "Chans"...) aus Holland (...sprich "Cholland"...) eingeflogen um mir Rueckendeckung in meinem einsamen Kampf gegen die Ungerechtigkeit zu geben (...die vielen Kriegsanspielungen sind uebrigens kein Zufall...). Zu Zweit ist es wesentlich einfacher Ideen durch- und umzusetzen (...und im Schuetzengraben zu ueberleben...). Ausserdem habe ich-genau einen Monat nach meiner Ankunft-nun auch endlich das OK vom Fuehrer ...aeh, Fuehrungspersonal... bekommen, dass ich eine Innenhofmauer des Gefaengnisses ...aeh, Heims... bemalen darf! Diese hat die hollaendische und die schweizer Fraktion heute schon mal gesaeubert und am Freitag startet dann voraussichtlich die Farbschlacht... .  YYYYYHAAAAAAAA! 

 

 

 

Abgesehen von der Schlacht im Kinderheim kaempfte ich mich am vergangenen Wochenende mit fuenf weiteren Genossinnen und Genossen von Projects Abroad ins (...auf der Landkarte ganz nahe liegende!) Staedtchen Mendoza, welches fuer seinen guten Wein bekannt ist (HICKS!). Na ja, ein Kampf war eigentlich nur die 10-stuendige Busfahrt hin und zurueck (...da haette ich ja gleich nach Hause fliegen koennen!). Ansonsten war der Kurztripp ganz amuesant (...auf jeden Fall fuer den harten Kern der Truppe...). Zwar verpassten wir wegen Zuspaetkommens der Ticketinhaberin (Name der Redaktion bekannt) um ein (blondes) Haar den Nachtbus und die Reservation in einem Hostel hatte bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht geklappt (...aber muss man fuer 6 Personen ueberhaupt vorreservieren?), doch die Stimmung war trotzdem sehr gut. Ausserdem schaffte ich es sogar (...dank vorheriger durchzechter Nacht mit der etwas verrueckten Italienerin...) etwas Schlaf zu finden. Beim Erwachen, kurz vor unserem Reiseziel, lachte mir der hoechste Berg Suedamerikas (...fuer Nichtlehrer: das ist der Aconcagua...) entgegen. Naterlich musste ich meiner Euphorie umgehend Luft verschaffen nd kraechzte in fuenf verschlafene Gesichter: "Look! There is the Aconcagua!". Leider teilte aber anscheinend niemand meinen Enthusiasmus und die Italienerin, der Australier, der Englaender und die beiden Franzoesinnen schuettelten nur unwissend den Kopf (...nur die Schweizerin kannte mal wieder die Berge...). Na ja, wenigstens hatte die chaotische und unvorbereitete Reisetruppe auf Anhieb Glueck bei der Suche nach einem Hostel in Mendoza und so hatten wir Zeit, den Rest des Tages mit Fitnessuebungen und Kultur auszufuellen (=Weintour mit gemieteten Velos). Dabei musste ich feststellen, dass ich nicht nur bessere Geografiekenntnisse als der Rest der Gruppe besass (Jaja, da staunt ihr, was?!), sondern auch eine bessere Kondition auf dem Eingangvelo ("Please, don't drive so faaaaaaast!". Den (...auf jeden Fall fuer mich...) entspannten Tag liessen wir dann mit Apero, Abendessen (...mit gutem Tropfen...), Dessertwein, "Verrisserli", Absacker und Schlaftrunk ausklingen und bestiegen am folgenden Tag mit der Erkenntnis, dass man hier, bevor man einen billigen Fusel bestellt, immer zuerst fragen sollte, ob man fuer das wenige Geld ein Glas oder eine Flasche (!) kriegt, den Bus in Richtung Cordoba.

 

 

 

Zum Schluss noch dies: Wie sich sicherlich schon herumgesprochen hat, bin ich allgemein bekannt dafuer, dass ich ab und zu mal (...boese Zungen wuerden an dieser Stelle wohl das Wort "taeglich" gebrauchen...) in das ein oder andere Fettnaepfchen trete. Leider ist das hier nicht anders! Zur allgemeiner Belstigung habe ich euch an dieser Stelle zwei davon zusammengestellt: 

 

 

 

  • Am Ankunftstag wollte ich naterlich bei meiner Gastfamilie einen besonders guten Eindruck hinterlassen und suchte im Voraus in meinem Deutsch-Spanisch-Woerterbuch Begriffe, die ich glaubte, am ersten Tag gebrachen zu koennen. Und tatsaechlich! Jean, mein "Gastvater", fragte mich prompt auf der Fahrt vom Flughafen in mein argentinisches Zuhause, was die Schweizer und Schweizerinnen denn besonders oft essen wuerden. Ich antwortete prahlerisch: "Comemos mucho queso.", was so viel heisst wie: "Wir essen viel Kaese." Was ich jedoch nicht wusste war, dass das Wort "queso" falsch ausgesprochen "Knochen" bedeutet! Falls ihr in Zukunft also einen argentinischen Toristen in einem schweizer Restaurant nach Knochen fragen hoert, dann ist das meine Schuld… .  

     

 

  • Vor meinem Kurztripp nach Mendoza hoerte ich, wie Jean mit Ines ueber "Domingo" (=Sonntag), "Ines" (=Name meiner Gastgeberin) und "Aniversario" (=Denkt-ech-selbst-was-dazu-aus) sprach. Schlau wie ich bin (...oder zumindest glaube zu sein!), reimte ich mir zusammen, dass Ines am Sonntag Geburtstag feiern wuerde (...und es soll mir jetzt ja niemand sagen, dass er oder sie NICHT dasselbe gedacht haette!!!). Als anstaendige Untermieterin dachte ich in Mendoza natuerlich an Ines bevorstehendes Fest und kaufte ihr eine schoene Halskette. Am Sonntagabend kam ich dann um fuenf vor zwoelf mit meinem Geschenk nach Hause, doch nur Jean war noch wach. Endtaeuscht fragte ich, ob Ines denn schon schlafen wuerde, denn ich haette mich absichtlich beeilt um ihr noch VOR Mitternacht ihr Gebrtstagsgeschenk zu ueberreichen. Jean sah mich zerst unglaeubig an und fing dann an, gute 10 Minuten unter Traenen zu lachen. Seinem Gestammel (...unterbrochen von weiteren Lachanfaellen...) konnte ich entnehmen, dass "Aniversario" hier nicht etwa "Geburtstag", sondern "Jubilaeum" bedeutet (...und dieses Mal hatte ich ihn RICHTIG verstanden...). Jean und Ines feierten naemlich an diesem Tag ihr 5-jaehriges Beziehungs-Jubilaeum. Natuerlich fragte Jean dann prompt noch nach SEINEM Geschenk... .

     

Hasta pronto y besos!!! 

 

7 Kommentare 10.11.10 20:20, kommentieren

Cordoba-Part 2

Nach dem letzten (...etwas depressiv angehauchten...) Blogeintrag moechte ich euch heute etwas ueber meine ausserarbeitszeitlichen Aktivitaeten berichten. Die dienen zwar nicht unbedingt dem Gemeinwohl, sind aber fuer mein Wohl (Prost!) und als Ausgleich zu der (...manchmal etwas frustig angehauchten...) Arbeit im Kinderheim wichtig.

Bereits am zweiten Tag nach meiner Ankunft im Fleischland (...das ist also nicht nur ein Geruecht!) fand, wie schon mal erwaehnt, ein Einfuehrungstag statt, organisiert und gesponsert von Projects Abroad. Dort lernte ich, neben wichtigen Ueberlebenstips im Grossstadtjungel (z.B.: Ueberquere eine argentinische Strasse nur inmitten einer Horde Leute, denn als einzelne Fussgaengerin wirst du hier nicht beachtet!), auch einige Gleichgesinnte kennen. Die "huehnerten" etwa gleich verstoert und orientierungslos wie ich durch die lauten Strassen (...auf das Marschieren in der Zweierreihe wurde aber gluecklicherweise verzichtet...). Vor allem eine 26-jaehrige Italienerin namens Claudia war mir von Beginn an sympathisch, da diese etwa gleich laut und viel wie ich lachte und aehnlich Intelligentes von sich gab (...also eine positive Erscheinung im Gegensatz zu einigen "Naturejoghurts" in unserer Gruppe!). Zwar benoetigte ich einige Tage um ihr stark akzentuiertes Englisch zu verstehen ("Maie naime ise Claaaudia.", aber nun wage ich zu behaupten, dass ich (...Mimik und heftigstes Gestikulieren ihrerseits inbegriffen...) 95% von all dem, was sie den ganzen Tag von sich gibt, zu verstehen. Telefonische Verabredungen dauern jedoch etwas laenger! Ausser Claudia machte ich auch noch Bekanntschaft mit Damien aus Frankreich (...und vom anderen Ufer...) und Sandrine, die ebenfalls Franzoesin (...aber vom diesseitigen Ufer...) ist. Waehrend Claudia hier Freiwilligenarbeit als Lehrerin leistet, arbeiten die anderen Beiden als Volunteers in der Equotherapie (...das ist das Zeugs mit den Roesslis...).

Wir vier unternehmen recht viel zusammen. So verbrachten wir beispielsweise unser erstes Wochenende in Suedamerika auf einer abgelegenen Ranch (...leider ohne sehenswerte Cauchos...) in den Huegeln ausserhalb von Cordoba. Dort uebten wir auf kurzen Spaziergaengen (...mehr als eine halbe Stunde am Stueck schaffte die Italienerin nicht...) unser Geschick im Feuer machen ohne Feuerzeug. Doch weder die Feuerstein-, noch die Holzstoeckli- noch die Sonnenbrillenglaesermethode wollte uns gelingen (...Drei Mal duerft ihr raten, welche Methode wohl von mir ausprobiert wurde!). Ansonsten lernten wir gleich die argentinische Menthalitaet etwas besser kennen (=viel schlafen, lange Siestas, gut essen, Kaffe und Mate trinken) und stellten nebenbei fest, dass wir zwar unser gegenseitiges Englisch-Franzoesisch-Deutsch-Spanisch-Kauderwelsch verstehen, nicht aber das reine Spanisch der Einheimischen. Als diese uns naemlich nach dem Fruehstueck am Sonntagmittag fragten, ob wir Kaninchen gerne moegen, antworteten Claudia und ich zwar hoeflichkeitshalber mit "Si", doch eigentlich zogen sich unsere Maegen beim Gedanken an einen Hasenbraten zusammen. Wenige Minuten spaeter, im Stall, stellten wir dann aber mit Erleichterung fest, dass unsere Gastgeber uns nach dem "Kaninchen fuettern" und nicht nach dem "Kaninchen futtern" gefragt hatten (...und wir dachten schon, wir muessten unser Mittagessen auch noch erlegen!)! 

Einige Tage spaeter beschlossen wir vier Helden einen Tangokurs, ebenfalls organisiert von unserer Organisation, auszuprobieren (...Ich muss eben doch jeden Mist mitmachen...). Der Schuss ging aber etwas nach hinten los: Denn Claudia und Damien kamen eine halbe Stunde zu spaet (Wer rechnet denn auch schon damit, dass hier irgendetwas PUENKTLICH anfaengt, abgesehen von der Schweizerin!) und wurden deswegen auf die Zuschauerplaetze verbannt und auf rund 20 Hobby-Taenzerinnen trafen geschaetzte 3 Taenzer (...und das ist jetzt noch eine optimistische Schaetzung...). So hatte ich das Vergnuegen mit Sandrine das Tanzbein zu schwingen (Sie opferte sich, den maennlichen Part zu uebernehmen...). Ich weiss jetzt nicht genau, welchem dieser Umstaende ich die Tatsache zu verdanken habe, dass ich an diesem Abend keine Freundschaft mit dem Tango schliessen konnte, aber lassen wir diese Frage einfach so mal im Raume stehen...

Das "Dirty Weekend" (...bitte nicht falsch verstehen!) vom folgenden Wochenende machte da schon mehr Spass und Sinn! Zusammen mit 8 anderen Freiwilligen fuhren Claudia und ich naemlich am Samstag mit dem Bus in einen Vorort von Cordoba, wo gerade eine Schule aus Schlamm, Sand und Mist (...die restlichen Bestandteile will ich gar nicht so genau wissen...) gebaut wird. Einige Stunden lang stampften wir dort in der Folge die einzelnen "Zutaten" fuer die Schuelwaende zusammen und fuellten den Mist in zuvor angefertigte Gitter aus Aesten (...Da kann ja nur Mist rauskommen!). Das mag jetzt etwas sehr vorsindflutlich klingen, sah aber am Ende ganz stabil und ansehnlich aus... ganz abgesehen von Claudia und mir! Denn waehrend die restlichen Freiwilligen unserer Gruppe, abgesehen von einigen Dreckklumpen an den Schuhen, so sauber wie 3 Stunden zuvor bei unserer Ankunft aussahen, standen Claudia und ich nur so vor Schmutz und wir hatten etwas Bedenken, dass uns der Buschaufeur wirklich wieder mit in die Stadt nehmen wuerde...irgendetwas hatten wir falsch (...oder richtig?) gemacht ;-). Dafuer hatten wir aber auch am meisten Spass!

Zum Schluss noch dies: 

Ich habe mich bereits daran gewoehnt, dass...

... ich 40 Minuten vor dem Duschen den Boiler hinter dem Haus erhitzen muss, damit ich warmes Wasser habe (...letztes Mal habe ich dort auch nahe Bekanntschaft mit einem Frosch gemacht...).

...in einem Bus unaufgefordert Platz fuer aeltere Personen und schwangere Frauen gemacht wird (...anscheinend werde ich hier (noch) keiner dieser Spezies zugeordnet...).

...man im Strassenverkehr nicht zwingend funktionstuechtige Blinker besitzen muss (...es reicht auch, kurz vor dem Abbiegen die Hand aus dem Autofenster zu halten...)

...das zVieri hier ein zSechsi und das Znacht eher ein ZMitternachtsmahl ist.

...hier eigentlich nie jemand rechtzeitig zu einer Verabredung erscheint (...nicht einmal die anderen europaeischen Volunteers...).

...hier waehrend eines Spazierganges nicht das Zirpen der Grillen oder das Zwitschern der Voegel zu hoeren sind, sondern das Bellen der unzaehligen Strassenhunde (...waere also nichts fuer dich, Houderebaeseler ;-)...).

...bei neuen Bekanntschaften nicht in erster Linie ueber das Wetter gesprochen wird, sondern Fragen nach Familie, Kindern und Zivilstand gestellt werden (...keine Angst, der ist bei mir immer noch unveraendert ;-)...).

...ich, wenn ich aus dem Haus gehe nie weiss, ob und wann ein Bus faehrt, da es nirgends so was wie einen Fahrplan gibt (...und trotzdem schaffe ich es eigentlich immer puenktlich zur Arbeit...).

...ich hier (...Arbeitszeiten sei Dank!) drei Mal in der Woche ausgehe (...und die Wochenenden sind in meiner Zaehlung noch nicht inbegriffen).

...auf einer Vespa 3-4 Personen Platz haben (Keine Angst, DIESEN Mist mache ich nicht mit!).

 

 


8 Kommentare 31.10.10 22:41, kommentieren

Cordoba-Part 1

Hola, da bin ich wieder ! Wie ich den unzaehligen Zuschriften, welche ich in den vergangenen Tagen erhalten habe (...das war jetzt aber nur leicht geblufft...), entnehmen konnte, sind die meisten Blog-Leserinnen und -Leser daran interessiert, wie meine Arbeit im Waisenhaus angelaufen ist. Deshalb werde ich heute etwas darueber berichten (An alle Lehrpersonen: War das jetzt nicht ne suuuuper Einleitung fuer einen Aufsatz?):

Am dritten Tag nach meiner Ankunft in der 1,3-Millionen-Stadt Cordoba wurde ich also bereits (...mit den letzten, aufmunternden Worten "Hier sprechen dann alle nur Spanisch!" im Waisenhaus ausgesetzt (...nur das Halsband mit dem Sender haben sie mir nicht umgelegt...). Ines, meine Gastmutter und Wegweisern, erklaerte dem Argentinier mit Bart (...nicht zu verwechseln mit dem "Mann ohne Hals"...), der uns die Tuere oeffnete, dass ich etwas Spanisch verstehe, aber man muesse mit mir ganz langsam und deutlich sprechen. Wahrscheinlich war Ines in diesem Moment nicht bewusst, WAS sie mit diesem (...sicherlich gut gemeinten...) Ratschlag genau ausloeste. Denn bis zum heutigen Tag erheben alle Angestellten ihre Stimme um geschaetzte 50 Dezibell und sprechen gaaaaaaaaanz laaaaaangsaaaaaam und deeeeeeeutliiiiiiiiiich mit mir (...Ich komme mir dabei wie ein schwerhoeriges 1.Klass-Auslaenderkind vor!).

Nun aber wieder zurueck zum baertigen Argentinier, der sich als Gabriel zu erkennen gab. Der fuehrte mich durch einen schmalen, dunklen Gang in einen karg eingerichteten Aufenthaltsraum, durch dessen Fenster (...die meisten ohne Scheiben...) ich in einen kleinen Innenhof blicken konnte, der mit Papierschnitzel, alten Petflaschen, Socken, Holzstuecken, Kisten und anderem Muell (...der in jedem gutbuergerlichen Haushalt natuerlich in mindestens 5 verschiedenen Abfalleimern getrennt entsorgt wuerde...) uebersaeht war. Alles wirkte schmutzig, schmuddelig, farb- und trostlos. Auf dem Weg durch den Innenhof ins Buero der Heimleiterin konnte ich gerade noch einen Blick auf den Basketballkorb (=eine leere Getraenkekiste, befestigt mit einem Stueck Draht am Hausdach) und das Volleyballnetz (=ausgeleiertes Irgendetwas mit Baum als Pfosten) erhaschen. Dann betraten wir das Buero der Chefin (=ca. 5x5m grosser Raum mit Pult, Stuhl und Kasten), die mich freundlich willkommen hiess und mir zuerst gaaaaaaanz laaaaaaangsam und deeeeeeutlich meine Arbeitszeiten mitteilte: montags von 9-13 Uhr und dienstags bis freitags von 15-19 Uhr (...endlich mal jemand, der mein Leben als Nachteule versteht!). Selbstvertaendlich drueckte sie mir diesen Stundenplan auch noch in schriftlicher Form in die Hand (=Fresszettel mit eben gemachten handgeschriebenen Notizen). Anschliessend teilte sie mir mit, dass ich mit den 7-15jaehrigen Jungs (...Maedchen gibt es hier, abgesehen von einem Welpen namens "Mara" nicht...) in den folgenden drei Monaten eine der vier hohen Waende im Innenhof bemalen duerfe. Das fand ich natuerlich toll (...auf die Ernuechterung komme ich spaeter zu sprechen...)!

Im Anschluss an dieses Gespraech (=Redeschwall ihrerseits und unverstaendliches Gestammel meinerseits) fuehrte mich Gabriel in den "Spielraum" (=2 vorsindflutliche PCs mit Windows 97 und 2 unvollstaendigen Brettspielen), der gleichzeitig eine Bibliothek ist (=1 Regal mit Buechern, welche alle VOR 1970 geschrieben wurden). Dort traf ich auf die ersten beiden Jungs, welche ein Computerspiel aus der Vorkriegszeit spielten (...das war jetzt sinnbildlich zu verstehen...). Trotz geringen Spanischkenntnissen (siehe letzter Beitrag!) schloss ich mit den Beiden schon bald Freundschaft und erweiterte meinen Wortschatz (...vor allem Fluchwoerter!). Spaeter zeigte mir Gabriel auch noch die Kueche (...Mami wuerden bei diesem Anblick wohl alle Haare zu Berge stehen...), der Lieblingsaufenthaltsort des gesamten Personals. Das sollte mir aber erst in den folgenden Tagen so richtig bewusst werden... .

 

In den darauffolgenden Tagen fand ich sowieso noch einige Dinge heraus, welche wohl so einige zartbeseitete Paedagoginnen und Paedagogen erstarren liesse. Ich habe fuer euch die traurigsten Erkenntnisse zusammengestellt:

 

  • Beim Anblick des fensterscheibenlosen Aufenthaltsraumes und der ueberalterten PCs dachte ich als "reiche" Schweizerin natuerlich sofort an eine Spende. Als ich diesen Gedanken am Abend Ines mitteilte, meinte sie nur, dass Projects Abroad diesem Waisenhaus bereits viele Dinge gekauft habe (z.B. neue Vorhaenge), dass diese aber in relativ kurzer Zeit vom Personal gestohlen worden seien.
  • Das staendig wechselnde Personal (...ich sehe praktisch jeden Tag neue Gesichter!) sitzt die meiste Zeit ideen- und antriebslos in der hintersten Ecke der Kueche und trinkt Mate (fuer Unwissende: das ist DAS Nationalgetraenk hier). Wenn sie sich mal erheben, dann um die Jungs "zusammenzuscheissen", ihnen Medikamente zu verabreichen oder zu putzen.
  • Die Jungs sind hier untereinander relativ grob. Spucken, einander schlagen, auslachen oder irgendeinen Mist anstellen sind hier an der Tagesordnung. Dies ist, angesichts des Personals und des Platzmangels (...manchmal komme ich mir vor, wie in einem Gefaengnis!), aber auch kein Wunder!
  • Die ruhigste Zeit ist jeweils die, wenn die Jungs z Vieri (...hier eher ein z Sechsi...) essen und dazu im TV "Los Simpsons" schauen duerfen.
  • Die Kinder sind in 4-er Zimmer untergebracht, die ebenso schmuddelig und unsauber aussehen wie der Rest des Hauses: keine Bilder, keine Zeichnungen, nichts.
  • An Material fehlt es hier sowieso an allen Ecken und Enden: Bisher habe ich mit den Jungs nur stundenlang Fuss-, Basket- oder Volleyball gespielt und einmal habe ich es mit Zeichnen versucht... leider war das Material, welches ich selbst mitgebracht hatte, am naechsten Tag spurlos verschwunden.
  • Ach ja, und was die tolle Idee mit dem Malen betrifft: Bisher wurden lediglich Abklaerungen getroffen, ob das Ganze ueberhaupt finanzierbar ist (...aber immerhin...). Vielleicht bin ich ja auch nur zu ungeduldig!

 

Ich hoffe, ich habe mit diesen negativen Einblicken nun nicht meine gesamte Leserschaft vertrieben, aber das sind halt nun mal die Fakten aus der "anderen" Welt. Manchmal erscheint mir meine Arbeit schon etwas sinnlos. Wenn ich dann aber sehe, wie leicht diese Jungs zu begeistern, wie dankbar und mit wie wenig zufrieden sie sind und dass mich alle 5min einer spontan umarmen kommt und mir sagt, wie toll es sei, dass ich hier bin, dann ergibt doch wieder alles irgendwie einen Sinn.  

 

Liebe Gruesse und bis baaaaaaald !!!    

3 Kommentare 22.10.10 17:42, kommentieren

Wangen-Zuerich Flughafen-Madrid-Santiago-Cordoba

Kaum vorstellbar, dass ich noch vor einer Wochen einem (...auf jeden Fall fuer meine Verhaeltnisse...) geregelten Leben am Jurasuedfuss nachging und mich nun schon in einer voellig anderen Welt ganz gut zurecht finde! Wie immer, wenn ich auf Reisen bin, habe ich das Gefuehl, schon viiiiiel laenger weg von zu Hause zu sein, als dies in Wirklichkeit der Fall ist . So, genug Gefuehlsduselei fuer heute, hier sind die Fakten:

So ganz wohl fuehlte ich mich vergangenen Samstag ja nicht, als mich meine zwei treuen Begleiterinnen (Vielen Dank nochmals, Maedels !) an den Flughafen Zuerich chauffierten, denn alle Zeichen sprachen dafuer, die ganze Sache doch noch im letzten Augenblick abzubrechen: Neben dem Packstress (Wer, ausser mir, packt eigentlich ebenfalls erst am Abreisetag fuer eine viermonatige Reise?!) wurden wir auf dem Weg zum Flughafen auch noch Zeuginnen eines brutalen Eichhoernchenmordes mitten auf der Strasse! Trotz sofortigen Reanimationsmassnahmen unsererseits verstarb das arme Ding jedoch noch am Unfallort... der Taeter ist leider fluechtig. Da ich aber aus juengst gemachten Erfahrungen in Lostorf weiss, dass ein totes Eichhoernchen nicht zwingend ein schlechtes Ohmen sein muss, setzten wir unsere Fahrt fort. Und tatsaechlich: Abgesehen von einigen Turbulenzen waehrend meines ersten Etapen-Fluges nach Madrid  gibt die Reise nach Cordoba zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass.

Am Flughafen Cordoba holten mich, wie versprochen, Ines und Jean, meine "Gasteltern" und "Ernaehrer" (Die wissen ja nicht, worauf sie sich da eingelassen haben!), mit ihrem klapperigen, rostigen (...wahrscheinlich gestohlenen...) Auto ab. Auf der halsbrecherischen Fahrt in ihr Zuhause erfuhr ich, dass Jean aus Brasilien stammt und gelernter Koch ist (Anm. der Redaktion: Der Typ entspricht so ziemlich jedem Klischee eines Brasilianers...Surfer, ganz nett anzusehen und "un poco loco"!). Seine Frau Ines, eine ECHTE Einheimische (=Eigeborene?!) arbeitet fuer Projects Abroad (...fuer Unwissende oder schlechte ZuhoererInnen: Das ist die Organisation, fuer welche ich hier 3 Monate lang arbeite ). Dann musste ich auch bald schon wieder merken, dass mein Name, von ein paar SchweizerInnen mal abgesehen, von keiner Menschenseele auf der Welt ausgesprochen werden kann! Deshalb wurde mir noch auf dem Weg vom Flughafen in ihr grosses, steinernes Haus mit riesigm Garten und drei Strassenhunden (...nach Retschi, Susanna, Reegi, Regular Gas, Dracula, Ruccola und Susi...) der Name "Reggae" verpasst (...natuerlich vom Brasilianer!). Ausserdem lernte ich nebenbei auch noch die (ueberlebens-) wichtigsten Strassenregeln  kennen (siehe "wichtigste Erkenntnisse"!

Nach 13 Stunden Schlaf (...gar nicht gewusst, dass ich dazu faehig bin...) traf dann eine weitere freiwillige Arbeiterin aus England ein, die mich irgendwie an die kleine Rothaarige aus dem Film "American Pie" erinnert (...ja genau, die mit der Floete!). Am Dienstag ging es dann Schlag auf Schlag weiter mit dem Ueberlebenscamp und den wichtigsten Besorgungen in Cordoba und am Mittwoch setzte man mich schon als freiwillige Arbeiterin in einem Waisenhaus (...alles nur Jungs!) aus. Dazu aber mehr in einem anderen Beitrag (...sonst muss ich mir dann wieder Reklamationen ueber die Blog-Eintrag-Laenge anhoeren...).

Zum Schluss MUSS ich euch aber UNBEDINGT noch meine bisher wichtigsten Erkenntnisse mitteilen, falls ihr euch ebenfalls mal hierher traut:

1.) Am Wochenende darf man hier ueber saemtliche roten Ampeln fahren (...vorher einfach mal kurz hupen...).

2.) Mit 90km/h durch die 1,3 Millionenstadt Cordoba fahren ist normal (...alle langsamer fahrenden Autos oder Fuhrwerke werden ebenfalls angehupt...).

3.) Es gibt hier tatsaechlich Autos, die mit einer Gasflasche angetrieben werden. Das ist anscheinend viel billiger (...muss also einen anderen Haken haben: Explosionsgefaht?!).

4.) "Linda" ist nicht nur ein Name.

5.) Argentinier sind viel zuvorkommender als Schweizer (...unaufgefordertes Reichen einer Kotztuete auf dem turbulenten Flug nach Madrid...)

6.) Ein Laecheln versteht man ueberall auf der Welt (...ein Auslachen leider auch...)!

7.) Auffahren (...bis auf 2cm!) und Hupen (...wenn der Abstand mehr als 2cm betraegt...) sind hier Pflicht!!!

8.) Auch an einem Pferdefuhrwerk kann man mit 90km/h und mit 2cm Abstand passieren.

9.) Ich kann an ein und demselben Tag 6 verschiedene Sprachen sprechen: Deutsch, Englisch, Mundart, Spanisch, Franzoesisch und Ein-Mix-aus-alldem.

10.) Verwende das Busticket nie um einen Kaugummi zu entsorgen, denn auch hier gibt es Kontrolleure... .

HASTA LA PROXIMA !!!

 

9 Kommentare 15.10.10 17:47, kommentieren

Wangen bei Olten

Zweieinhalb Jahre ist es her, seit ich zusammen mit Lisa den bisher letzten Reise-Blog-Eintrag verfasst habe. Ich finde, die Zeit und ich sind reif für eine Fortsetzung ! Natürlich bin ich in den letzten Jahren enorm gereift (...vor allem äusserlich!) und die folgenden Einträge werden deswegen wesentlich seriöser ausfallen als die bereits geschriebenen (Also ehrlich: Wer mir diesen Mist abkauft, der ist noch nicht bereit für diesen Blog!).

Zu meinen Reiseplänen: Übermorgen Samstag wird mich mein persönlicher Escort-Service an den Flughafen Zürich begleiten (Andrea, ich erwarte die Uniform!) und mich dort (…ich befürchte unter tränenreichen Umständen...) in ein Flugzeug Richtung Cordoba (Argentinien) setzen (…für Kurzentschlossene: Es hat noch Platz im Auto ). Dort werde ich die ersten drei Monate bei einem jungen Ehepaar wohnen und in einem Waisenhaus arbeiten. Danach habe ich vor, noch ein paar Wochen den Rest des Landes zu erforschen (…Stirnlampe und Mac-Gyver-Taschenmesser sind eingepackt!).

Ich gebe zu, das Nervenflattern ist wesentlich stärker als dies die letzten paar Male der Fall war. Schliesslich reise ich am Samstag alleine in ein fremdes Land, dessen Sprache ich noch nicht richtig kann (…ich habe das Gefühl, „Hola“ und „Una cerveza por favor“ reichen nicht weit...) und ich werde mich da auch noch im Arbeitsleben zurechtfinden müssen (Oh Gott, so genau habe ich mir das bisher noch gar nicht überlegt!). Aber glücklicherweise habe ich ein sehr einfühlsames Umfeld, das wirklich alles dafür getan hat, dass sich meine Nervosität in den letzten Tagen in Grenzen hielt. Als kleines Dankeschön habe ich euch hier die aufbauendsten  Worte zusammengefasst (Achtung: Ironie im Anmarsch!!!):

  • "Gang doch ned!“
  • "Vier Mönet si jo e huere langi Zit!“
  • "Auso eg chönnt das ned.“
  • "E bewondere di Muet.“
  • "Jo, es chönnt scho sii, dass dini Schüeler dini Schtöuverträttig lieber bechöme aus de.“
  • "Wenn das öpper schafft, de du.“
  • "Chasch de Schpanisch?“
  • "Du besch närvös? Jo dä Seich hesch der säuber ibrockt."
  • "Was?! Du flügsch met IBERIA?! Das wördi NIE meh mache!
  • „Was machi jetz au ohni de?“
  • "Besch du s erschte Mou öber d Wiehnachte wäg vo deheime?.......Kraaaaass!"

An dieser Stelle möchte ich euch auch meine drei favorisierten Reiseratschläge nicht vorenthalten:

  1. "Muesch jo dört ähne ned weder aue Seich metmache!" (Keine Ahnung, was du damit meinst, Claude...)
  2. Gäu, ned aues wiisse Polver esch de dört äne Bachpolver..." (Was sonst? Mehl?)
  3. "Pass uf, mann!" (Möglicherweise habe ich diesen gut gemeinten Ratschlag auch auf der Strasse aufgeschnappt )

So, wer bisher noch nicht realisiert hat, dass meine Dankbarkeit ironisch zu verstehen ist, den werden wohl die folgenden Blogeinträge etwas verwirren (Aber ich kenne euch ja, Leute !).

Also, hasta pronto und ich freue mich jetzt schon auf all eure zahlreichen Kommentare !

2 Kommentare 7.10.10 11:40, kommentieren

Cairns-Perth

Cairns und der schmerzliche Abschied von Lisa 

Es sind Geruechte im Umlauf, dass sich das glueckliche Reisepaar Regulisa letzten Montagmorgen in aller Herrgottsfruehe unter dramatischen Umstaenden getrennt habe! Es gibt Augenzeigen die behaupten, es seien sogar Traenen geflossen. Seit nun schon einer ganzen Woche gehen die beiden getrennte Wege und scheinen sich mit verschiedenen Aktivitaeten abzulenken. Regula habe sich mit einem Frustshopping in Perth die Zeit vertrieben, Lisa hingegen hat sich mit einem Tauchgang beim Great Barrier Reef und einem Trip zum Cape Tribulation aufgeheitert!

Die gemeinsame Reisezeit hat jedoch viele (...) Erinnerungen hinterlassen....

1.) die meist gesagten Worte:

  • "Wele Smoothie nemmsch du?"
  • "Fentsch das oebertrebe?"
  •  "Frogsch DU?!"
  • "Wart, e froge mol..."
  • "Abbiege! Do esch der Billabong/Rip Curl/Quicksilver/City Beach!"
  • "Het DER oepper gschrebe?"
  •  "Achtong! Do choennts Schlange ha!" "BUUUUHHH!!!"
  • "Fentsch das ned doof?"
  • "Hey, lueg mol dae uf 6 Uhr/9 Uhr/12 Uhr/...!"
  • "Hesch s Liecht secher ned lo broenne?"
  • "Het aecht dae es Oeberbroeckigskabel?"
  • "Was hesch hoet zNacht troeimt?"
  •  "Was soelli hoet alegge?"

2.) die meist gehoerten Worte:

  •  What's your name?..........What?!.........Can you spell it?"
  • "No worries."
  • "What do you wanna drink?"

3.) die Highlights:

  • Milford Sound (...schoener Taaaaaag!),
  •  Queenstown (..........),
  • Queen Charlotte Track (...mit Velo- und Kayaktrip...),
  • Great Ocean Road (...mit Schlaengli...),
  • Byron Bay (....Wicked Paradise...),
  • Lady Musgrave Island (...mit Cookie Monster...),
  • Whitsunday Islands (...und alles, was dazu gehoert...),
  • Australian Zoo (...mit Wombat auf allen Vieren...)

4.) die Lieblingssongs:

  • I'm stuck in a moment and can't get out of it (...wie wahr, wie wahr...),
  • How to save a life (...ja, wenn ich das wuesste!),
  • E wett i waeaeaeaer, di Teddybaeaeaer (...das ist natuerlich ein bloeder Witz!)

5.) die Lieblingsnahrung:

  • neuseelaendisches Muesli mit joghurtummantelten Boelle (...spaeter nur noch Boelle...),
  • Sushi (...vor allem die Teile mit Lachs und Avocado!),
  •  Mangos (...fuer Lisa moeglichst hart wie Stein, fuer Regi am liebsten an der Gaehrungsgrenze...)
  • und nochmals Sushi (...davon kann man nie genug essen!)

6.) die Lieblingsschlafplaetze:

  • Ueberall dort, wo der Sternenhimmel gut sichtbar ist und man keine Angst vor Schlangen unter der Picknickdecke, amocklaufenden Flughunden oder nervenstrapazierenden Zeitgenossen haben muss.

 7.) die bewegensten Momente:

  • Abgesehen von der schmerzhaften Trennung in Cairns faellt uns da einmal mehr das Schnorcheln inmitten der vielen bunten Fischli ein (...alle weiteren bewegenden Momente sind induviduell verschieden...).

 8.) das Lieblingsgetraenk:

  • Green Tea Mango Mantra (Original Size!)

9.) die Lieblingsmomente:

  • schnorcheln mit Riesenschildkroeten rund um die Lady Musgrave Island ("Die het mi im Fall agluegt!"
  •  20-minuetiger Rundflug ueber Fraser Island ("YYYYYHHHHAAAAAA!"
  • etliche Sonnenuntergaenge (...am liebsten mit einem Woodstock in der Hand...)
  • beinahe allabendliche Beobachtungen des Sternenmeers ("E ha en Schtaernschnuppe gseh!"
  • Mitternachtsbad in Town of 1770 (...siehe vorherige Klammerbemerkung...)
  • Kayakfahren in Neuseeland (...mit Privatstrand...)

10.) die Lieblingsduschen:

  • klarer See in Autobahnnaehe, irgendwo im schoenen Neuseeland (...die nach uns aufkreuzenden Fischer hatten wohl weniger Freude an den Schaumkronen im Wasser...)
  • ruhig dahinfliessendes Baechli, ebenfalls irgendwo im Kiwiland (...da floss der Schaum wenigstens schnell ab...)
  • auf einem Steg beim Queen Charlotte Track (...gehoert ebenfalls in die Kategorie "schoenster Haarschneideplatz"...)

11.) die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Ein Wombat erkennt man auch auf dem Ruecken als Wombat.
  • Die Australier sind noch durchgeknallter als wir.
  • Im Falle einer Autopanne reicht es in Neuseeland, an den Strassenrand zu stehen und hilflos zu laecheln.
  • Duschen ist ueber laengere Zeit nicht nur in einer Dusche moeglich.
  • Australier, Iren und Englaender trifft man hoechst selten nuechtern an.
  • Townsville und Byron Bay haben in vielen Hinsichten einiges zu bieten.
  • Wenn man in Australien nach 10 Uhr abends auf einem Campingplatz eintrifft und vor 8 Uhr morgens wieder verschwindet, ist das Campen gratis (...oder wir haben da was falsch verstanden...).
  • Auf Campingplaetzen hat es in der Regel sehr viele Rentner und Kinder.
  • Wir wuerden noch als 18-Jaehrige durchgehen.
  • Muesli mit Wasser an Stelle von Milch ist auch geniessbar.
  • Wicked-Camper fahren bergauf mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 38,5 km/H.
  • Haare schneiden ist gar nicht so schwierig.
  • Die Person, welche im OK-Tratschheftchen das Horoskop schreibt, kennt uns anscheinend gut.
  • Nicht jeder Sushi-Laden ist zu empfehlen.
  • Muesli mit Boellen kann man auch ueber mehrere Tage hinweg zweimal essen.
  • Muffins, die beim Free Food stehen, darf man essen.
  • Den Job kuenden und durch die Welt gondeln ist toll (...solange das Geld reicht...)!

FAZIT ALLER FAZITE:

3 Kommentare 16.4.08 12:54, kommentieren

Airlie Beach-Whitsunday Islands-Airlie Beach-Mission Beach-Cairns

Als kroenenden Abschluss unserer unglaublich aufregenden, spannenden, lehrreichen, sonnigen, maennerreichen, beachigen, surfigen, campervanigen, sonnenauf-und untergangsreichen, shoppingreichen, smoothietrinkenden, humorvollen, traenenreichen, vorlachendiebauchmuskelnstraffenden, braeunenden, tierischen und einfach unuebertreffbaren 3 Monate, goennen wir uns einen 3-taegigen Segelturn rund um die Whitsunday Islands. Zwar vergehen zwischen Buchen und Segeln 2 Tage, doch die wissen wir gut zu ueberbruecken. Untertags geniessen wir die Sonne mit einem Smoothie und am Abend nutzen wir die kuehleren Stunden fuer ein oder auch mehrere Bierchen (Naehreres wollen wir an dieser Stelle gewollt verschweigen).

Nun, dann ging's am Montagmorgen augenringlos (...oder auch nicht...) los in Richtung Hafen. Unsere Erwartungen sind hoch, doch werden diese nicht so ganz erfuellt. Mit uns an Board sind zwei egoistische Israelinnen (...die eine hinterlaesst Kratzspuren auf meinem Oberschenkel...), drei junge Englaenderinnen (...keine Ahnung, wie die heissen...), ein pruedes schweizer Paerchen (...sie labert uns den ganzen Tag voll...), ein in Shanghai lebender Mr. Schweiz (...nimmt jede weibliche Gelegenheit wahr...), ein durchgeknallter Ire (...wird spaeter aus einer Bar geworfen...), ein englischer Lehrer (...I wett i waer, ae Teddybaer...), eine sympathische Irin (...sehr trinkfreudig...), ein verheirateter Captain (...wortkarg...) und der gutaussehende Skipper Zac (...der aufgehende Stern am Himmel...). Wir haben aber trotzdem unser eigenes Fest an Board und gehen mit den vielen bunten Fischli schnorcheln, bestaunen das Sternenmeer, zaehlen die Sternschnuppen, halten die Yacht in Balance, unterhalten saemtliche Passagiere, duerfen den "Magic Stick" ins dunkle Wasser halten und versuchen zusammen in einem Schlafsack auf der 90 cm breiten Koje zu schlafen (So nahe waren wir uns noch nie!). Das wuerde also nicht jede(r) mitmachen!

Gluecklich, wieder festen Boden unter den Fuessen zu haben, schaukeln wir am Abend in eine Bar, wo wir mit einigen Passagieren der Eureka2 die letzten drei Tage Revue passieren lassen. Dabei schwingen (...Lisa wuerde an dieser Stelle sagen "schlagen"...) wir das Tanzbein, beobachten etliche Flirtversuche des Mr. Schweiz, amuesieren uns ueber den irren Iren und freunden uns mit seiner Landesgenossin an. Diese nehmen wir an den zwei folgenden Tagen auch in unserem Van mit (...und das duerfen nur Auserwaehlte!) bis nach Cairns. Auf der Fahrt dahin ueben wir uns als "Airband" und haben auch sonst viel zu lachen. So kommt wenigstens keine allzu grosse Ferienendstimmung auf. Das sparen wir uns bis ganz zum Schluss auf und der kommt noch frueh genug!

Fazit:

  • Dae schnarcht bestimmt!
  • I'm a weirdomagnet!
  • Stoend die Muffins bim Freefood?
  • Nei, dae isch z jung...
  • Isch das jetzt d Situation?
  • Augecheck!
  • This girl is fucking brown!
  • A fucking Lemonade, please!

1 Kommentar 13.4.08 08:34, kommentieren

Noosa Heads-Harvey Bay-Fraser Island-Bundaberg-Town of 1770-Lady Musgrave Isalnd-Airlie Beach

Ein samichlausaehnliches Gebimmel reisst uns auf dem Campingplatz in Noosa Heads jaeh aus dem Tiefschlaf. Genervt fangen wir reflexartig buenzlischweizermaessig an zu fluchen. Dies war ein gravierender Fehler! Denn ein muedes Winken aus unserem Vanfenster genuegt und ein netter, junger Herr serviert uns die sonntaeglichen Gipfeli direkt ins Schlafgemach. So ein Service wuenschen wir uns jeden Morgen (fuer Mamis: Zopf geht auch!). Noosa Heads hat aber auch sonst noch so einiges zu bieten: schoene Sonnenuntergaenge, lange Straende, Urwald, Shoppingmoeglichkeiten, gutes Essen, Campingplatz am Meer, lustige Rentner und sonst noch so einiges.

Der Campingplatz in Harvey Bay ist vor allem wegen dem netten Personal und dem gratis Fruehstueck ein Highlight. Ersteres ist jetzt moeglicherweise den Job los, da es unbedingt mit uns bis in alle Nacht noch ein Bierchen trinken wollte. Aber ohne Job lebt es sich ja bekanntlicherweise auch ganz gut...denn so koennen wir einen Tagesausflug auf Fraser Island machen (fuer Lehrer: die ganze Insel besteht aus Sand). Schon frueh an diesem Morgen wird uns klar gemacht, in welcher Gefahrenzone wir uns da befinden. Denn auf der Insel leben 7 der 10 gefaehrlichsten Schlangenarten (fuer Geschwister: ein Biss fuehrt innert Sekunden zum Tod...krass, hm?!) und wir muessen staendig mit Angriffen wilder Dingos rechnen. Der Fluchtweg ueber das Meer waere auch sinnlos, denn hier wimmelt es von diversen Haiarten, toedlichen Quallen und falls wir dies alles irgendwie ueberleben wuerden, waere da immer noch die Stroemung, welche uns in die Tiefen des Ozeans reissen wuerde. Da bleibt uns ja wohl nur noch ein Flug in den Luftraum uebrig und wir nutzen die seltene Chance (...mit unserer reflexartigen Reaktion...), einen 20-minuetigen Rundflug mit einem einzigartigen Buschpiloten ueber die Insel zu machen (fuer Papis: wir starten und landen am Sandstrand). Nach einer Zwischenverpflegung am Lehrertisch geht es weiter zum Lake Mc Kenzey (fuer Lehrer: dies ist einer der 7 schoensten Badeorte der Welt). Dort reiben wir uns als erstes kraeftig mit Sand ein, da uns versichert wird, dass wir danach 10 Jahre juenger aussehen. Gewirkt hat es natuerlich und auch sonst war das Baden ein "Traeumli". Auf der Rueckfahrt freunden wir uns mit drei Hollaendern an, mischeln das ganze Boot auf und stossen mit ihnen abends auf unser Abenteuer an.

Einem Tip unserer neuen Freunde folgend, landen wir im Touricenter von Bundaberg, wo man die Moeglichkeit haben sollte, die frisch geschluepften Meeresschildkroetchen zu beobachten. Dafuer sind wir aber leider 2 Tage zu spaet. Voellig enttaeuscht schlendern wir dem Postkartenregal entlang, wo uns der Anblick einer einsamen Insel Trost spendet. Da wollen wir hin! Gedacht, gebucht. So fahren wir noch am selben Tag nach Town of 1770, dem Ausgangspunkt unserer Inselexpedition. In dieser Nacht koennen wir vor lauter Aufregung kaum schlafen (fuer Lehrer: so fuehlen sich eure Schueler vor Schulreisen) und wachen schon mit dem ersten Lichtstrahl auf. Endlich geht es los zur Lady Musgrave Island (fuer Lehrer: hier faengt das Great Barrier Reef an). Gewappnet mit Reisetabletten und Bikini stuerzen wir uns ins Vergnuegen. Zwar versichert uns die Schalterlady, dass die See heute ruhig sei, jedoch koennen wir das etwas spaeter mit blassgruenen Gesichertern nicht so ganz bestaetigen. Beim Anblick "unserer" Trauminsel kehrt die Farbe, dicht gefolgt von der Euphorie, wieder zurueck. Da juckt es uns so in den Beinen (...nicht nur wegen den vielen Mueckenstichen...), dass wir kaum Sekunden spaeter mit Schnorchel, Taucherbrille und Flossen ins lauwarme Nass springen. Da bleibt uns glatt der Atem weg! Hunderte, wenn nicht tausende, kleine buntgestreifte Fischchen schwaenzeln um uns und die vielen bunten, atemberaubenden Korallen herum. Wir vergessen in dieser Traumwelt voellig die Zeit und haetten dabei fast den Inselrundgang verpasst. Hier lernen wir so einiges ueber dieses kleine Paradies und koennen sogar noch einen japanischen "Paradiesvogel" mit Hut beobachten. Zurueck auf dem Schiff verschlingen wir einen Lunch und sind danach wieder die ersten, die ins Wasser zurueck springen. Uns stockt schon wieder der Atem! Denn nun schwimmen auch noch riesige Wasserschildkroeten mit uns mit! Wir sind so ueberwaeltigt von der ganzen Unterwasserwelt, dass wir uns am liebsten von der Gruppe davongeschlichen und die Campmoeglichkeit auf der Insel wahrgenommen haetten. Aber wir zwei "Schisshasen" haben etwas Angst vor den Kannibalen und Piraten (...Captain Jack laesst gruessen...). So muessen wir wohl oder uebel mit dem Schiff die ruhige Rueckkehr antreten und geniessen dafuer die frische Brise auf dem Sonnendeck.

Puenktlich zum Sonnenuntergang sind wir zurueck auf dem Campingplatz am Strand und sitzen mit einem Bierchen auf den Picknickdecken (...alias Flugzeugdecken...) in der vordersten Reihe. Die Stimmung unter dem roetlich gefaerbten Himmel ist perfekt, als eine Gruppe Delfine vor uns vorbeischwimmt. Wir sind so entzueckt vom ganzen Tag, dass auch wir spaeter unter dem gigantischen Sternenhimmel ein naechtliches Bad nehmen. Wir sind uns einig, dass die letzten 12 Stunden zu den besten des ganzen Reisejahres gehoeren. Und so "pfueselen" wir gluecklich und zufrieden in unserem heimeligen Van ein (Schloof guet, traeum suess und schtreck d Fuess!).

Fazit:

  • Wenk, denn gets Gipfeli as Bett!
  • Die pensionierten Australier sind die groessten Unruhestifter auf den Campingplaetzen.
  • Die spinnen, die Australier!
  • Gehoeren wir jetzt auch zum schwedischen Bikini-Team?
  • Hey, Cookie-Monster!
  • Das send jo paradiesischi Zuest(r)aend!
  • Flughunde und Papageie(n) sind schoene Plaggeister!
  • Do choeme mer fascht d Traene!
  • Chani im Van zwuesche oeich schloofe?

3 Kommentare 6.4.08 10:05, kommentieren

Byron Bay-Surfers Paradise-Brisbane-Australian Zoo-Noosa Heads

Jetzt wissen wir endlich, wo sich all die gleichgesinnten, jungen Campern mit ihren auffaellig bemalten Bueslis und den lustigen Spruechen auf den Kofferraumdeckeln versteckt haben: in dem von wunderschoenen Buchten und tropischem Regenwald umgebenen Byron Bay (fuer Lehrer: hier wuerden sich viele von eurer Art heimisch fuehlen)! Hier machen wir gleich fuer 3 Naechte Halt und lassen verdienterweise mal wieder unsere Seelen baumeln (...schliesslich machen wir das ja erst seit letztem Juli...). doch fangen unsere Beine schon nach wenigen Minuten des Nichtstuns zu zappeln an (...boese Zungen wuerden behaupten, wir seien hyperaktiv...). Das riesige Angebot lockt uns. So braeunen wir unsere braunen Koerper im weissen Sand (fuer Mamis: natuerlich mit einer dicken Schicht Sonnencreme!), erfrischen uns mit fruchtigen Smoothies, essen Sushi um die Wette, treffen Lisas Volleyballkollegin, besichtigen den oertlichen Leuchtturm (fuer Lehrer: der oestlichste Punkt des Festlandes), entwenden Nachbarns frische Milch (...freundliche Zungen wuerden sagen "finden"...), fuehren diverse mitternaechtliche Feldversuche durch, geben fuer die Lokalzeitung Iterviews mit Fotos, bestaunen die vielen Surfer und stuerzen uns, angetan von deren Kuensten, selber in die gefaehrliche Brandung. Hier kommen Lisas paedagogische Qualitaeten mal wieder zum Vorschein, als sie dem motivierten Surfneuling Regi die ersten Surfstunden gibt. Es wird dabei viel Wasser geschluckt (fuer Lehrer: das Meerwasser hier ist aeusserst salzhaltig).

Als uns aber am dritten Morgen der Regen fast vom (vermeindlichen) Gratiscampingplatz schwemmt, ergreiffen wir die Flucht in Richtung Norden. Leider haelt sich unsere Motivation, Surfers Paradise und einen Tag spaeter Brisbane in stroemendem Dauerregen zu besichtigen, in Grenzen. Deshalb fahren wir nach 2 Tagen lieber weiter zum "Australian Zoo".

Es versteht sich ja wohl von selbst, dass wir auch hier die ersten sein wollen. Puenktlich um neun Uhr morgens stehen wir aber vor verschlossenen Gittern. Huch, da haben wir wohl schon wieder eine Zeitverschiebung verpasst! Na ja, dann vertreiben wir uns halt die Zeit mit Sprungfotos vor dem Eingang. Aber schon bald merken wir, dass wir fuer einmal nicht die Verruecktesten sind, denn von unzaehligen Fotos und Statuen grinst uns der Gruender des Zoos  (fuer Lehrer: Crocodile Hunter) mit einem wirren Blick an!

Als uns dann endlich doch noch Eintritt gewaehrt wird, sind wir ueberwaeltigt vom Angebot. Eine straffe Zeitplanung ist also erforderlich: Riesenschildkroetenfuetterung, individuelle Koalafotos mit Allen auf dem Arm (Joeoeoeoeoeo.....!!!), Elefantenfuetterung (...wir duerfen ihm auch ein Apfelstueckli geben...), Krokodilshow (...das schweizer Publikum wird ignoriert...), eigene Fuetterung, Fuetterung der Kangoroos (...mit anderer Nahrung...), Besichtigung "unseres" Wombats (...im Waegeli...), usw. (*). Laeck, war das ein tierisch spannender Tag!

(*) Aus Zeitmangel und spannungserhaltenden Gruenden verzichtet die Redaktion auf weitere Aufzaehlungen diverser Tiere.

Fazit:

  • Lueg mol, die doert aehne haend Melch!
  • Das Krokodil het jo es Doppelcheni!
  • Lueg mol, uese Wombat brucht es Waegeli!
  • I fell in love with a Koala!
  • Hier kann es also auch regnen.
  • Esch das s schwedische Bikini-Team?

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